Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
Seite
829
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Consiitutionen 82 S

Wahrscheinlich entstand sie im 3. Jahrh, aus einer Mischung öffentlich geltenderund van dem Sammler selbst erfundener Regeln, der ein Gegner der Gnostikerwar. Doch ist immer noch ungewiß, ja sogar zweifelhaft, ob die jetzt vorhandeneSammlung, die obigen Namen führt, dieselbe ist, auf die sich die Kirchenvaterbeziehen. 31.

Constitutionen. I. Als Tendenz der Zeit. Es gibt wol kein Wort, wel-ches mit allen Bewegungen der neuern Zeit so innig verwandt wäre, ja beinahe fürsich allein ihren Charakter so vollkommen umfaßte, als das Wort Tonstikution.Gleichwol gibt es auch keins, über dessen Sinn man so wenig einverstanden wäre,da der eine Theil darunter nichts als etwas schon Vorhandenes versteht, der andreetwas zu Schaffendes damit bezeichnet; der eine nur da eine Tonstikution findet,wo eine Reihe von Artikeln willkürliche Bestimmungen über die verschiedenenZweige der öffentlichen Gewalt, ihre Bildung und ihre Grenzen aufstellt und mitherkömmlichen Formen der Nationalreprüsentation umgibt, während ein andrerbehauptet, die wahre Constitution sei über alle menschliche Willkür erhaben, siefei überall von selbst in der Art vorhanden, in welcher ein Volk der That nach be-herrscht werde, denn diese sei eben das Ergebniß der Geschichte und Entwickelungdes Volkes, an welcher sich Nichts ändern lasse, ohne alle öffentliche Ordnung zuvernichten. In dieser Verschiedenheit der Begriffe spricht sich der Zwiespalt aus,welcher zwar von jeher unter den Nationen geherrscht hat, aber jetzt darum schärferhervortritt, weil die Anhänger beider entgegenstehenden Ansichten sich sowol derZahl als auch und vornehmlich der geistigen Kraft nach gleicher geworden sind,und weil zu gleicher Zeit seit den letzten 30 Jahren der Zustand der Völker in derThat von der einen Veite drückender geworden ist, während sie selbst auf der andernSeite gegen allen Druck empfindlicher geworden sind. Sie empfinden daher einenunbestimmten Drang, aus dem gegenwärtigen Zustande herauszutreten, und dieIdee, von welcher sie die Abhülfe ihrer Beschwerden erwarten, stellt sich ihnen jetztunter dem Namen der Constitution dar. Man hat in den neuern Zeiten, wo diesesStreben an Ausbreitung ebenso sehr als an innerer Stärke gewonnen hat, denVersuch gemacht, dasselbe für eine besondere Krankheit des Zeitalters, erzeugt theilsdurch ein allgemeines Verderben der Menschheit, theils durch künstliche Mittel ein-zelner Deniagogen und Factionen, auszugeben, für einen Rausch, welchen Jrr-lchrer und gewinnsüchtige Bösewichter den Völkern und besonders der Jugend bei-gebracht haben. Man bezeichnet Epochen, in welchen die Menschen angefangenhaben, sich zuerst vom Gehorsam des Glaubens, und dann vom bürgerlichen Ge-hörsinn loszureißen, welchem sie sich vormals willig hingegeben und von welchemsie dafür mit einer glücklichen Zufriedenheit belohnt worden seien. Man macht die-ses Losreißen von kirchlicher und bürgerlicher Autorität zum Hauptmerkmal des Be-griffs der Revolution(s.d.),und indem man dem Streben nach derConstitutionzugleich den Zweck unterschiebt, die bestehende bürgerliche Autorität zu vernichten,so brandmarkt man es von vorn herein mit dem Fluche des Revolutionnairen. Es istfür Diejenigen, welche die Wahrheit erkennen und lieben, nicht schwer, die Trug-schlüsse zu finden, aus welchen eine solche Ansicht beruht; aber das Traurige bei derSache ist, daß jene verkehrte Vorstellung zugleich Maßregeln nach sich zieht, welche,anstatt das Übel zu mildern und abzuwenden, es vielmehr noch vergrößern und seineWirkungen beschleunigen. Es ist zuvörderst nicht wahr, daß das Streben nachVeränderung und nach einem vollkommenere Zustande eine besondere Krankheitder Zeit sei. So lange es Menschen auf der Erde gegeben hat, sind sie auch vondem Gefühl bewegt worden, daßdiellnvollkommenheiten, mit welchen sie kämpfen,nickt unheilbar seien, und sie haben niemals die Erkenntniß jener Unvollkommen-heik ganz verloren , noch die Versuche aufgegeben, das Bessere zu erringen. D ieKämpfe der geistlichen Macht gegen die weltliche, der Städte gegen den Adel, des