880 Corpulenz
Gesetze, Regeln, Gebräuche vereinigten Personen. So sagt man: Ingenieur--corps. — Corps ist besonders eine Anzahl Soldaten, welche sehr verschieden seinkann. Doch liegt in diesem Worte der Begriff einer gewissen Stärke sowie eineVerschiedenheit der Truppen, entweder der Waffen oder der Regimenter, Batail-lons ic., die unter Einen Befehl gestellt sind und kein Heer ausmachen. Von ei-nem Regimente kann man kein Corps abtrennen, sondern nur ein Detachement.Dagegen kann ein Osficier aus mehren Flüchtlingen, wenngleich nur wenigen, dieer sammelt und an deren Spitze er tritt, ein Corps bilden. — Corpsd'Armäe,Armeecorps, heißen gewöhnlich die Hauptabtheilungen des ganzen Heeres. —Corps de Bataille ist das Haupkcorps, welches zwischen den beiden Flügelnin der Linie steht. — Reservecorps, ein Corps, das erst nach mißlungenemBestreben der Truppen, durch welche die Schlacht geliefert werden soll, zur Thätig-keit und das Verlorene zu ersehen bestimmt ist. — Corps volant, fliegendesCorps, das zu besondern Zwecken, vorzüglich kleinern Unternehmungen, Überrum-pelungen und dgl. bestimmt ist. — Corps de Garde sind die auf die Wacht ge-stellten Soldaten, und der Ort, worin sie sich aufhallen, die Wachtstube, beson-ders die der Gemeinen. — Corps de Logis, das Hauptgebäude im Gegen-satz der daran stoßenden Flügel, öLeitengebäude >c.
Corpulenz, die Beschaffenheit des menschlichen Körpers, da sein äuße-rer Umfang über das gewöhnliche Verhältniß zunimmt, oder die sichtbare Ver-mehrung der Fleisch- und Fettmasse. Die Fleischmasse bildet das Muskelsystem,und das Maß sowie der Umfang desselben hat seine Bestimmung in der Formder einzelnen MuSkelpartien, kaun deßhalb nicht über ein gewisses Maß steigenund nicht unter ein bestimmtes fallen. Weit weniger beschränkt ist die Fettmasse,deren Erzeugung und Ansatz an keine so bestimmte Form gebunden ist. Die Er-zeugung der Muskelfasern oder die Verwandlung des BlureS in Fleischmasse gehtin dem Haargefäßsystem, welches die feinsten Endungen der Arterien nach denMuskeln hin bilden, vor sich. (Über die Fetterzeugung s. Fett.) Ist das Blutreichlich mit nährenden Stoffen versehen, so setzen sich auch umso mehr Muskel-fasern und Femheile an. Die Absonderung des Fettes gehört bis zu gewissenGraden zum Stande der Gesundheit. Die Umstände, welche sie begünstigen, sindweibliches Geschlecht, Kindheit, reichliche Nahrung bei gutem Zustande der Ver-dauung , körperliche Uuthärigkeit, Gemüthsruhe und Sorglosigkeit u. s. w. Esgibt jedoch eine gewisse krankhafte Neigung, welche, unabhängig von allen diesenEinwirkungen, die Erzeugung und den Absatz von Fett vermehren kann. Mantrifft Jünglinge und Männer, selbst geistreiche, stets thätige Geschäftsmänner, diesehr corpulent sind. Alan hat Beispiele von ungeheurer Corpulenz mancherMenschen, die in keinem Verhältnisse mit der Nahrung derselben stand und offen-bar Krankheit ist, ww manche andre Absonderungen im Körper, z. B. die Be-reitung und Absonderung derGalle, des Speichels u. a. m., krankhaft vermehrtwerden können. Sandijort bemerkte schon bei einem angeborenen Kinde eine un-geheure Anhäufung des Fettes. Tulpius sah einen 5jährigen Knaben von 150Pfunden. Bartholini erzählt von einem 11jährigen Mädchen, das über 200Pfund gewogen habe. In den „0bilvso>,l>. ir-mnim." wird das Gewicht einesEngländers, Namens Bright, zu 609 Pfund angegeben. Oft ist die Corpu-lenz auch nur eine Ansüllung der Zellchen des Zellgewebes von wässerigen, gae-und dunstartigen Stoffen, wie bei der sogenannten schwammigen Leibcsbeschaf-fenhett derFall ist, welche noch mehr von krankhafter Neigung herrührt und oftder Anfang wirklicher Wassersucht ist. Eine mäßige Corpulenz (Embonpoim) be-steht mit der Gesundheit und widerspricht den Ansprüchen auf Schönheit nicht,indem sie alle eckige und unebene Formen ausgleicht und die Rundung derselben bil-det. Daher behalten Frauenzimmer und Männer von mäßiger Corpulenz länger ein