Band 
Zweiter Band. Bo bis C.
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Cramer (Johann Andreas)

mischen Grad zu erlangen. Nun verlieh ihm der Herzog v. Rutland das Rectorat(ein geistliches Amt) von Muston, welches er mit der Pfarre Stathom vereinigte.Hier verheirathete sich C. und bekam eine zahlreiche Familie. Später zog er aufeine einträgliche Pf unde nach Suffolk , von wo er 1813 zu dem Rectorat vonTrowbridge berufen wurde, dem er noch 1819 vorstand. — Das Studium derTheologie hatte den Dichter beinahe ganz von poetischen Arbeiten abgezogen. Erstseit 1807, nach mehr als 20jähriger Ruhe, erschienen wieder Gedichte von ihm,namentlich das große beschreibende Gedicht „liw boron^b". Sein neuestes Werksind die ,,'l'alcs nk >I,e ball", Begebenheiten und Erfahrungen aus dem Lebenzweier Bruder, die sich nach langer Trennung begegnen und gegenseitig erzählen,was sie seitdem erlebt haben. Noch verdienen C.'S kleinere poetische ErzählungenErwähnung. Don allen feinen Schriften sind viele Auflagen erschienen, und in denlehren Jahren hat der Dichter auch eine Sammlung derselben veranstaltet. Treftsend hat man C.'S Poesie mit den Malereien eines TenierS oder Ostade verglichen:wir finden in ihr gleiche Wahrheit, Pünktlichkeit, überraschende Anschaulichkeit;aller Reiz derselben liegt in der meisterlichen Behandlung der Gegenstände, die anund für sich nichts weniger als anziehend sind. Mit besonderer Vorliebe besuchtC.'S Muse die Hütten der Armuth und des Elends, und schildert sie und ihre Be-wohner mit herzzerreißender Wahrheit und Nacktheit. C.'S Naturschilderungensind anschaulich, umständlich und treu, .und, wie in seiner ganzen Poesie, so ver-schmäht er auch hier jeden declamatorischen oder malerischen Schmuck, der Nichtsals Schmuck ist. Alles ist bei ihm charakteristisch, scharf und sicher, und seinStyl von einer bewundernswürdigen Klarheit und Einfachheit. „77,e villsge"schildert die Scenerie und das Leben eines engl. Dorfes recht eigentlich anti-idyl-lich. In dem Wirthshause treiben rohe Schmuggler ihr Wesen, die Bauern ver-gessen über der Arbeit den Gesang, und die arme Dirne bejammert den Fall ihrerUnschuld, indem sie sich mit ihrem Säugling durch die sumpfige Niederungschleppt. Nicht idealer ist die Schilderung einer kleinen englischen Landstadt indem Gedichte ,,'I7,e Kvrongl,". Einen etwas Hähern Kreis des Lebens schilderndie „7ä,le! ok tbe b.ill" mit gleicher Wahrheit. Ebenso meisterhaft, wie §. dieäußern Verhältnisse des Lebens darstellt, versteht er auch in die tiefsten Falte» desmenschlichen Herzens einzudringen. Man hat ihn daher einen Anatomen derSeele genannt. Der Dichter Thomas Moore sagt: §. habe gezeigt, was diemehr als galvanische Kraft des Genies vermöge, dadurch, daß er nicht bloß Be-wegung, sondern auch Leben und Seele solchen Gegenständen verliehen habe, diederen ganz unfähig zu sein schienen. 29.

Cramer (Johann Andreas), geb. zu Zdhstadt bei Annaberg im sächsischen Erzgebirge , im Jan. 1723, wo sein Vater ein armer Prediger war, studirte seit1742 zu Leipzig Theologie, wo er durch literarische Arbeiten und Privatunterrichtseinen Unterhalt erwarb. Gemeinschaftlich mit Ebert, Ioh. Eliaö Vchlegel,Gärtner, Geliert, Klopstock, Rabener und andern jungen Männern, die durchihre Bemühungen Vortheilhaft auf die Bildung des deutschen Geschmacks wirkten,arbeitete er an der Herausgabe der „Bremischen Beiträge", sowie an der „Samm-lung vermischter Schriften von den Versass, der bremischen Beiträge". 1745 wurdeer Magister und hielt Vorlesungen, 1748 Prediger zu Kröllwitz, zwischen Magde-burg und Halberstadt, 1750 Hofprediger zu Quedlinburg , 1754 durch Klopstock'sEinfluß Oberhofprediger und Consistorialrath König Friedrichs V. zu Kopenha-gen , und 1765 Professor der Theologie. Er wurde hier sehr geehrt und geliebt,und man gab ihm den Beinamen: „üor Lve^nclu". der ganz Gute. Tue Revo-lution, durch die Graf Struensee und die Königin Karoline Mathilde fielen, hatteauch für C. viele Kränkungen in ihrem Gefolge und bewog ihn, 1771 einenIlufzur Superintendentur nach Lübeck anzunehmen; 1774 ward er jedoch wieder