808 Cramer (Johann Baptist) Crapelet (Charles—A.G.)
nein Kunstwerke völlig gebrach, so konnte auch fortgesetzte Übung nichts bessern.Daher in allen seinen Romanen dieselbe Mangelhastigkeit der Erfindung, dieselbenUnwahrscheinlichketten, dieselben bis zur Caricatur verzerrten Charaktere. Rech-nen wir hierzu den gänzlichen Mangel einer poetischen Ansicht des Lebens und eineDarstellung, die, bald platt bis zum Niedrigsten, bald wieder pomphaft geschraubtund voll roher Übertreibungen und possenhasterWihspiele, jeden gesunden Geschmackanekeln, so dürfen wir uns nicht wundern, wenn seine Schriften jetzt kaum nochvon den niedrigsten Classen der deutschen Lesewelt genießbar gefunden werden. 50.
Cramer (Johann Baptist), Tonsetzer für das Pianoforte und Meister aufdiesem Instrumente, Sohn deü ausgezeichneten deutschen Violinisten, WilhelmCramer, welcher, zu Manheim geb., als k. KammermusikuS in London gegen 30I. an der Spitze der vorzüglichsten dafigen Orchester stand und 1159 im 56. I.starb. — C. wurde nicht in London 1175, wie Gerber'S „Tonkünstlerlexikon" falschberichtet, sondern 1111 in Manheim geboren. Seine Bildung nahm den regelmä-ßigen Gang der Schule. In seinem 11.I. empfing er Clavierunterricht; 1183ward er Clement'is Schüler. Vom 13. I. an studirte er, sich selbst überlassen, dieWerke der besten Claviercomponisten, vorzüglich Händel , die Bach, Dom. Scar-latti, Havdn, zuletzt auch Mozart . Unter Karl Fr. Abel's Leitung studirte er1185 fg. Generalbaß, vorzüglich nach Corelli's und Händel's Werken, zuletzt auchdie Anfangsgründe des Fugensatzes. Tr hat, 2 Kunstreisen durch Deutschland ab-gerechnet, auf deren einer er mit den größten deutschen Tonkünstlern, besondersmit Jos. Hayd», genau bekannt wurde, von Kindheit an fast immer in London gelebt und sich hauptsächlich mit Unterricht im Clavlerspielen beschäftigt. Seinetheoretische Kenntniß und seine praktische Fertigkeit haben, in Verbindung mit ei-nem einnehmendenBetragen und vollkommener Aneignung der fremden Sitte undSprache, ihm in London das Ansehen des gcehrtesten Clavierlehrers erworben.Als Tonsetzer gehört er zu den gründlichen und geschmackvollen Meistern, welchedurch fließende Stimmführung und kunstreiche Ausarbeitung denMangel an Schö-pferkraft nicht verbergen können und sich ihre eigne Manier gebildet haben. SeineCompositionen (10 Nummern) sind sämmtlich für das Pianoforte geschrieben undbestehen aus Concerten, Sonaten, Rondos, Phantasien und Variationen. Fastalle sind zweckmäßige Vorübungen im strengen gebundenen Styl; wie er dennselbst das Werk: „II rtuclio per il pi.iiiosoi le", eine Vorschule von Seb. Bach'g„Wohltemperirtem Clavier" und sein Hauptwerk nennt. Eine schöne Ausg. seinerberühmten „kliuüeg" hat Tob. Haßlinger in Wien geliefert. Als Spieler ist ernoch berühmter, besonders im gehaltenen Dortrag des Adagio. 44.
Crapelet, Vater und Sohn, 2 Buchdrucker. Den Vater, Charles,geb. zu Bourmont am 13. Nov. 1162, der 1189 seine Officin errichtete undam 19. Oct. 1809 starb, könnte inan den franz. Baskerville nennen. Wie diesersuchte er mit Eleganz die möglichste Einfachheit zu verbinden und die Buchdrucker-kunst von den fremdartigen Verzierungen zu befreien, mit denen besonders die.franz.' Officinen so sehr überladen waren, und von welchen sich selbst der verdiente Didotnicht ganz loszureißen vermochte; aber er übertraf sein Vorbild durch gefälligereForm der Typen und durch größeres Ebenmaß des Drucks. -Leine Drucke sindebenso correct als sauber und schön. Auch hat er mehre gelungene Pergamenc-drucke geliefert und seine Kunstfertigkeit sogar durch einen Golddruck bewährt (13Exemplare von Audebert's „Oi^eaux ckrncs", Paris 1802, 2 Bde., Fol.). — Dasväterliche Geschäft hat A. G. Crapelet mit ebenso viel Thätigkeit als Geschmacknoch weiter ausgedehnt. Denselben Grundsätzen huldigend, ist es ihm gelungen,seinen Vater anEleganz noch zu übertreffen. Sein Lafontaine(1814),Montesquieu (1816), Rousseau und Voltaire (beide 1819) sind rühmliche Denkmale seinesGeschmacks, und die Großvelinpapiere dieser Ausgaben sind als wahre Pracht-