Band 
Vierter Band. F bis G.
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Falk

kaum nothdürftig lesen und schreiben lernen lassen, als er ihn schon bei seine?Arbeit gebrauchte und die Wißbegierde des Knaben auf alle Weise zu unter-drücken suchte, dessen Neigung jedoch durch den Widerstand nur wuchs, undder sein kleines Spargeld in die Leihbibliothek trug, und Gellect'L, Wieland'S,Lessing'S u. A. Werke bei Tag und bei Nacht las, wie sich ihn, eben dieGelegenheit darbot. Oft stand er zur Winterszeit lesend unter einer Laterneauf freier Gasse, und wenn er über sein langes Außenbleiben zur Rede ge-stellt wurde, gab er vor, bei seinem Großvater gewesen zu sein. Aber mitden Jahren nahm seine Unzufriedenheit mit seiner Lage zu. Er faßte denEntschluß, das väterliche Haus zu verlassen und zur Tee zu gehen. Wirk-lich entfernte er sich und irrte einige Tage in den Wäldern an der Meeres-küste umher; da ihm aber die Schiffer die Mitreise verweigerten, weil er nichtenglisch verstand, so mußte er wieder zurückkehren. Endlich erhielt er vonseinem Vater die Erlaubniß zu stukiren, kam mit dem 16. Jahre auf dasGymnasium und studirle unter des gelehrten Trendelcnburg Anleitung, jedochimmer mit Mangel kämpfend, die alten Dichter und Prosaisten. Nach6jährigem Besuch des tanziger Gymnasiums ging er nach Halle, wo er siehdurch den Unterricht und Umgang eines Wolf, Förster, Klein u. A. weiterausbildete. 1793 verließ er Halle und begab sich, die Unabhängigkeit einesPrivatgelehrten einer Anstellung vorziehend, nach Weimar . 1866 hatte erGelegenheit, sich beiili Einmärsche der Franzosen und nach der jenaer Schlachtwesentliche Verdienste um die Stadt Weimar zu erwerben, welche der Her-zog dadurch belohnte, daß er ihn zum Legationsrath ernannte und ihm einenGehalt anwies. Noch größer sind die Verdienste, welche F. sich um dieleidende, hülfsbcdürftige Menschheit erworben hat. 1813, als Sachsen vonFreunden und Feinden verheert wurde, drang die Noth der verlassenen Kin-der und die Furcht vor der zu erwartenden Verderbtheit derselben an seinHerz. Er selbst hatte an dem herrschenden Typhus in einen! Monate 4hoffnungsvolle Kinder verloren. Damals legte er den Grundstein zu einemnoch jetzt wohlthätig wirkenden Vereine: „Gesellschaft der Freunde in der.Noth". Ihr erster Zweck war: verlassenen und verwilderten Kindern zurErlernung von nützlichen Gewerben behülflich zu sein. Dieser Verein dauertedurch F.'ü Bemühungen auch unter veränderten Zeitumständen fort und er-warb sich durch Subscripkionen ein neuerbautes Schulgebäude. Der Groß-herzog unterstützte ihn großmüthig und ernannte F. 1815 zum Ritter desverjüngten Falkenordens. F. hatte bis 1824 über 250 Lehrburschen aus derAnstalt als Gesellen entlassen; einige Zöglinge haben studirr; andre sind Schul-lehrer, Kaufleute, Künstler geworden. Mehre Mädchen sind in Dienst ge-gangen. F.'s Anstalt veranlaßte die Gründung ähnlicher zu Overdvk, Aschers»leben, Jena, Erfurt, Potsdam, Berlin und a. a. O. — Als Schriftstellertrat F. zuerst in der Satyre auf und ward von Wieland auf eine so ausge-zeichnete Weise eingeführt, daß er die gespanntesten Erwartungen erregte.Auch waren seine ersten Vatyren: „Die Gräber von Koni" und „Die Ge-bete", reich an treffendem Witz. Ihnen folgten von 1797 bis 1803 sechsJahrgänge eines „Taschenbuchs für Freunde des Scherzes und der Satyre",in denen sich ebenfalls viel Gelungenes findet. 1803 erschienen von ihmkleine Abhandlungen, die Poesie und Kunst betreffend, und sein dramatischesGedicht „Prometheus", ein treffliches Werk voll Tiefe, dem nur die Harn o-fiie und Vollendung ini Einzelnen fehlt; 1804 eine Sammlung kleiner Sa-jtyren und Erzählungen; und 1805 „Leben, wunderbare Reisen und Irrsahr-lten des Johannes von der Ostsee". Sein „Elysium und Tartarus", eineLeitung artistisch-literarifchen Inhalts, bestand nur kurze Zeit. Seitdem ließEoiivetßilions, Lexicon. Bd. IV. 2