F.
O, der 6. Buchstabe des deutschen Abc, ein Blaselaut, ter durch ein Zu-sammenstoße» der Lippen, verbunden mit einem zischende» Ausstößen der Luft,zwischen dieselben hindurch hervorgebracht wirk. Zu der Musik bezeichnet die-,scr Buchstabe die 4. diatonische Klangstufe des Tonsystems. (Dgl. Ton,Tonart.)
Fabel, im weiter» Sinne so viel als Märchen, Erzählung einer er-dichtete» Begebenbeit, wird in der Poetik doppelt gebraucht, luden, man ein-mal in epischen und dramatischen Gedichten das Gewebe der Begebenheiten (dasSujet), dann aber auch eine eigne Dichtungsart mit diesem Namen bezeich-net. Wenn man von der Fabel der epischen und dramatischen Gedichte spricht,so geschieht es im Gegensatz der Geschichte. Des Dichters Darstellung strebtnach Schönheit, sein dargestelltes Ganzes soll gefallen, er wird also die darzu-stellenden Begebenheiten so ordnen und einrichten müssen, wie es sein Zweckerheischt. Nicht das Wirkliche soll er darstellen, sondern das Mögliche; nichtwie es war, sondern wie es wahrscheinlich ist; nicht mit historischer Treue, son-dern mit poetischer Nothwendigkeit. Der Dichter läßt daher weg, was nichtwesentlich zum Ganzen gehört, ändert ab, damit sich Alles zum Zwecke fuge,setzt hinzu, wodurch dieser besser erreicht wird. Auch der historisch gegebeneStoff wird dadurch Werk seiner Erfindung: er schafft etwas Neues aus demAlken. Mag der Stoff von der Geschichte geliehen oder neu erfunden sein, sounterwirft ihn der Dichter dem Gesetze der poetische» Form. Die Fabel, dieman als besondere Dichtungsnrt nach ihrem angebliche» Erfinder die Äsopi-sche Fabel oder auch Apolog nennt, zählt man mit Recht zu den didaktischenoder Lehrgedichten, und zwar ist sie eine 'Art Allegorie. Man kann sie erkläre»,als Darstellung einer praktischen Regel der Lebensklugheit oder Lebeusiveisheilunter einem aus der physischen Welt hergenommenen Sinnbilde. Sie bestehtaus zwei wesentlichen Theilen: dem Sinnbild und der Anwendung, oder einetin derselben liegenden Lehre, welche man auch die Moral der Fabel genannt bat,die aber in dein Bilde sich selbst deutlich aussprechen muß, wenn die Fabel poe-tisch sein soll. Wegen ihres Zwecks, welcher auch die Erfindung bestimmt, liegtdie Fabel auf der Grenze der Poesie und Prosa; selten ist sie rein poetisch, undgefällt abgesehen von ihrem Zwecke. Das Wohlgefallen an ihr wird nicht bloßerregt durch das Vergnügen, welches der Witz an der sinnlichen Einkleidung fin-det, sonder» es liegt tiefer, in der anschaulichen Erkenntniß, daß die Haushal-tung der Natur in der physischen und geistigen Welt dieselbe sei. In der nichtmoralischen Welt zeigt sich nur die ewige Form jener Gesetze und Charaktere deut-licher und offenbarer als in ter Menfchcuwelt, und dies ist der Grund, warumder Fabeldichter (dem es also nicht bloß darum zu thun ist, eine Lehre durch einengegebenen Fall anschaulich zu machen, wozu das Gleichniß oder die Parabelhingereicht haben wurde) seine Personen aus der nicht menschlichen Welt wählt.
Ckiwcisalidi.c-Lcpicvii. Dd. l>. 1