Band 
Vierter Band. F bis G.
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188
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188 Fonnalien Formey (Johann Samuel)

Formalien,Formalitäten (Ärmlichkeiten), sind äußere, außer-wesentliche Umstände, womit eine Handlung begleitet wird, von denen aber, in recht-,licher Hinsicht, die Gültigkeit eines Geschäfts durch die Gesetze abhängig gemachtist, fern sie als Zeichen der Rechtsgültigkeit angesehen werden können. Z. B.Jemand mit allen Formalien empfangen; ein Testament mit den gewöhnlichenFormalien eröffnen; daher formaliter, in gewöhnlicher Form und Art.Sich formalisiren, Etwas übel nehinen, sich durch die Form, durch die Artund Weise, wie Etwas geschieht, für beleidigt halten; sein Befremden oder Miß-fallen über Etwas äußern, sich über Etwas aufhalten. Formalist, Derjeni-ge, der sich genau an die vorgeschriebenen Formalien bindet, daher auch einCeremonien- oder Complimentenmacher. Formeln, für besondere Fällevorgeschriebene oder durch den Gebrauch eingeführte Worte, Wendungen oderRedensarten. In der Buchstabenrechnung (Algebra) sind es die Borschriften zurAuflösung einer Aufgabe. Formulare aber sind ganze Aufsätze, welcheals Muster und ohne Abweichung mündlich oder schriftlich gebraucht werdensollen.

Formerei und Gießerei, s. Eisen.

Formey (Johann Samuel, Pros. und immerwährender Secretair derAkad. der Wissensch. zu Berlin , geb. daselbst 1711, aus einer Familie der Refu-giös, die einst der Religion wegen aus Frankreich auswanderten, und von denenein Theil sich in den preuß. Staaten niederließ. F. widmete sich der Theologie undward noch vor seinem 20. I. von der franz.-reformirten Gemeinde zu Brandenburg (an der Havel ) zum Prediger gewählt, 6 Wochen darauf aber in gleicher Eigen-schaft bei der friedrichsstädker Gemeinde in Berlin angestellt. Kränklichkeit wegenmußte er jedoch sein Amt mit einem Gehülfe» theilen, und von dieser Zeit an legteer sich mehr auf Literatur. Außer mehre» Übersetzungen gab er von 1733 an mitBeausobre die8ilillutl>ög»a ^arnuinigne", später das>I»»r»,,l llin-ruir,' <loI'.Vllcnnixne" und denäleraure ct älinervc" (gleichfalls ein periodisches Blatt),und von 1750 50 mit Perard diediouvella lülilioilü'gur c;rii»ni>i<s»r" her-aus. Fast zu gleicher Zeit übernahm er auch die Stelle eines Dwectors und erstenLehrers ani franz. Gymnasium in Berlin , welche er 1739 mit der eines Pros. derPhilosophie an derselben Anstalt vertauschte. Als Friedrich II. 1740 die Akademieumschuf, ward F. durch Maupertuis dem Könige zum Secretair und Historio-graphen derselben vorgeschlagen. Sein Geist und s. Thätigkeit gewannen ihmhier des großen Königs Vertrauen und Zuneigung, und als 1743, nach Iariges'sTode, die verschiedenen SecretariatSstellen dieses Instituts in Eine zusammenge-schmolzen wurden, erhielt er die Verwaltung derselben mit dem Titel eines imnier-währenden SecretairS. In den gelehrten Streitigkeiten, welche sich bald nachVoltaire's Aufenthalt in Berlin zwischen diesem und Maupertuis erhoben, und indenen der König selbst ziemlich lebhaft Partei nahm, wußte sich F. mit so vielUmsicht zu benehnien, daß er, ohne seinen Ansichten und s. Würde Etwas zu ver-geben, sich doch die'Achtung und Gewogenheit aller streitenden erhielt, undFriedrich II. Nichts an ihm auszusetzen fand, als daß er in seinen philos. 'Ansichtennicht mit seinem Liebling Voltaire übereinstimmte. Durch schriftstellerischen Fleißund die Gewogenheit der Großen, die auch auf s. Familie überging, harte sich F.nach und nach ein bedeutendes Vermögen gesammelt; 1778 erhielt er noch dieStelle eines SecretairS bei der Prinzessin Henriette Marie von Preußen; 1788wurde er Direcror der philos. Elaste an der 'Akademie. Außerdem bekleidete er wich-tige Ämter bei dem franz. Deport , und war Mitgl. vieler auswärt. gelehrteil Aka-demie». Friedrich I I. erwies ihm, so lange er lebte, die größte Achtung; auch derNachfolger dieses Königs schätzte den vielfach verdienten Mann. F. starb den 7.März 1797, beinahe 86 I. alt. Merkwürdig ist, daß dieser in Deutschland ge-