44
Faust (Johann)
unentschieden. Das Teste ist am wahrscheinlichsten. Er war der Sohn einesDauern, der ihn nach Wittenberg sendete, wo er sich den Wissenschaften wid-mete. In seinem 16. Jahre ging er nach Ingolstadt , studirte Theologie, wurde3 Jahre nachher Magister, wendete sich aber von der Theologie zu der Medicin ,Astrologie und Magie, worin er auch seinen Famulus, Ioh. Wagner, eines Pre-digers Sohn zu Wasserburg, unterrichtete. Nachdem er die reiche Erbschaft seinesOheims verschwendet hatte, bediente er sich, der Sage nach, seiner erlangten Kraft,die Geister zu beschwören, beschwor den Teufel und machte mir ihm einenDundauf 24 Jahre. Er erhielt einen Geist, MephistopheleS, zu seinem Diener, mitwelchem er nun umherreiste, lustig lebte und durch Wunder die Welt in Erstau-nen setzte (z. D. auf einem Weinfasse aus Auerbach'S Keller 1523 in Leipzig davon-ritt, worauf sich noch ein altes Bild in diesen, Keller bezieht), bis endlich im DorfeRimlich, Nachts zwischen 12 nnd 1 Uhr, der Teufel ihn grausamlich umbrachte,wie solches von Georg Rudolf Wiedemann in den „Wahrhaftigen Historien vondenen greulichen Sünden l». Ioh. Fausteng" (Hamb . 1589), und in dem altenbeliebten Volksbuche: „Des durch die ganze Welt verrufenen Erzschwarzkünstlersund Zauberers I>. Faust mit dem Teufel aufgerichtetes Bündnis, abenteuerlicherLebenswandel und schreckliches Ende" (gedr. zu Köln am Rhein und Nürnberg ),berichtet wird. Ob an dieser Sage Etwas wahr sei oder nicht, darüber ist man-cherlei Streit gewesen. Einige, welche diesen F. mit dem vorigen verwechselten,waren der Meinung, die Mouche, welche damals durch Abschreiben der Büchernicht wenig verdienten und durch Erfindung der Buchdruckerkunst sich beeinträch-tigt sahen, hätten, aufgebracht hierüber, die neue Erfindung als des Teufels Werkverschrieen und dem Namcn Faust ein ewiges Brandmal durch die Erfindungjener Geschichten aufdrücken wollen. Diese Mcinung aber widerlegt sich dadurch,daß jener F. in das 15., dieser in das 16. Jahrh, gehört, und gegen 1560 ver-schwand. Die, welche sein Dasein gänzlich läugnen wollten, haben die Zeug-nisse Trikheim'S, Melanchthon'S u. A. gegen sich, die ihn selbst gesehen hatten.Demnach würde uns wol am Ende ein ungewöhnlicher Mensch übrigbleiben, mitphysikalischen Einsichten, die sein Zeitalter als Wunderwerke, und mithin alsWerke des Teufels, anstaunte und fürchtete. Vielleicht zog er auch umher, durchTaschenspielerkünste und natürliche Magie die Augen der Menge zu blenden. DieErzählung der Faust'schen Abenteuer hat die Entstehung eines andern Buchs ver-anlaßt: „Faust'S Hö llenzwang, oder der schwarze Rabe". Diesem Bucheschrieb sonst der Aberglaube Wunderdinge zu. Es enthält schon auf den, Titel,dem zufolge es 1404 zum ersten Mal gedruckt ist, eine Lüge, und ist mir lautersinnlosen Charakteren und Figuren und schändlich gemißbrauchte» Bibelsprüchenangefüllt. — Jene Legende bat der Poesie Stoff zu mehr als einem Meisterwerkegeliefert. Nachdem dieser Stoff lange Zeit nur für Farcen und Marionettenthea-ter war benutzt worden s. GörreS, „Über die deutschen Dolksbücber", verglichenmir den Wpittler'schen Zusätzen zu Moser'S „Wnrtemb. Bibliothek"), faßte Les-sing die Idee, ihn zu höher» Zwecken zu benutzen, und entwarf 2 Trauerspielevon I). Faust, wovon leider nur ein kurzes, aber meisterhaftes Bruchstück übrigist. Klingcr, in „Faust'S Leben, Thaten und Höllenfahrt", und Göthe , in sei-nem unübertroffenen „Faust ", gehen Beide von derselben Idee aus, nur mit demUnterschiede, daß es bei Beiden nicht der Teufel ist, der F. an der schwachen Seiteder Wißbegierde faßt, um ihn zu verleiten, sondern daß die Wißbegierde selbst ihndem Teufel in die Arme führt, sodaß man mit dem Göthe'schen MephistopheleSsagen möchte:
Und bätt' er sieh auch nicht dem Teufel übergeben.
Er müßte doch zu Grunde gekn.
Faust ist bei Beiden eine hypergeniale Natur. Früh schon fand er die Grenzen