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Festung
Walles der große, breite und tiefe Hauptgraben, in welchen, wo es die Umständezulassen, Wasser geleitet zu werden pflegt. Jenseits des Grabens zieht sich eineniedere Brustwehr um die Festung, der bedeckte Weg, und flacht sich sanftins freie Feld ab, Glacis, dergestalt, daß jeder Schuß vom Hauptwalle dasGlacis rasirend bestreichen kann. Theils im Graben, theils im bedeckten Wege, theilsnoch entfernter und abgesondert pon der Festung liegen die Außenwerke, diedetachiere» Werke (s. d.) und die besondern Verstärkungen oder Hindernisse,als: Dünen, Thürme, Verhaue, Blockhäuser, Verpallisadirungcn und dgl. —Alle Werke einer Festung bilden ein System. Man unterscheidet das italienische,spanische, französische, niederländische u. s. w. Jedes weicht von dem ankern inder Anordnung der Theile, Berechnung der Vertheidigungslinien, einfachern oderkünstlichern Zusammensetzung derselben Bauart ab. (Vgl. Besestigungö-kun st.) — Bei der Anlage und Beurtheilung einer Festung lassen sich vornehm-lich 3 Gesichtspunkte annehmen: der politische, der mil,konische oder strategischeund der ktinsigemäße. Wir berühren den erstem hier nur flüchtig, da er kein bleiben-der, überhaupt schwankend und a» sich der untergeordnete ist. Sicherung offenerLandeSgrenzen, Schatzkasten sur den «7taat, Gefängniß, Drohort gegen unruhigeParteien sind, recht betrachtet, nur Nebenzwccke bei einer Festung; man wird heut-zutage deßhalb schwerlich neue bauen. Strategisch wichtig kann eine Festung da-gegen werten durch ihre Lage, als Strebepfeiler, an welchem sich die feindlichenWogen in ihrer Strombahn nothwendig brechen müssen, als Riegel vor Pässen,die nicht umgangen werden können, als Stütze oderGrundlage verschiedener Ope-rationen, als Lehne zu Stellungen, als Ruhepunkt für verfolgte, geschlageneHeere oder für solche, welche frisch Athem schöpfen und sich zu fernern Unterneh-mungen sammeln, stärken, rüsten wolle», mithin alsWaffenplatz, VorrathshauSu. dgl. Es spiingt ine Auge, daß eure Festung, die außer dem Wege liegt, mit-hin leicht umgangen werden kann, die vielleicht noch obendrein klein ist, also vomFeinde nur leicht beobachtet werden darf, Nichts deckt, nur Wenigen eine Zufluchtgestattet, eher uachtheilig als vorthcilhaft sein wird, wäre sie auch noch so stark;denn ohne zu nützen, schließt sie eine nützliche HeercSabiheilung als Besatzung zurUnthätigkeit ein und kostet viel. Beträchtliche Vortheile versprach man sich dage-gen von einer Fesiungskette, deren Glieder sich gegenseitig unterstützen und denzwischen ihnen durchdringenden Feind jedes Mal auch zwischen 2 Feuer bringenkönnten. Dazu gehören aber äußerst bewegliche FestungScommantanten, welchedie Ausfälle geschickt zu leiten verstehen, und unermüdliche Truppen, endlich einFeind, der unklug genug die Kette nicht irgendwo mit ganzer Kraft zersprengt.Die Erfahrung hat 1814 und 1815 gegen den gchofftcn Vortheil bewiese»; in-deß könnten sie unter andern Umständen auch dafür beweisen, dies lehrten rühm-liche Beispiele in einzelnen Fällen. — Von Seiten der Kunst betrachtet, eignetsich die Lage eines Orts vorzüglich zu einer Festung, wenn sie die Annäherung desFeindes mit geringer Mühe versperren und erschweren läßt, eine zweckmäßigekünstliche Befestigung nicht allzu weitläufig, schwierig und kostspielig macht, einegenaue Übersicht auf jeden im Bereich des Geschützes und Feuergcwehrs liegendenPunkt gewährt und von keinem Punkte in diesem Bereiche beherrscht wird, manmüßte ihn denn, wie bei Ehrenbreitstein, selbst vortheilhaft mit in das Systemder Befestigung ziehen können; endlich, wenn sie nicht ungesund und wo möglichnie ganz abzuschneiden ist, d. h. durch Meer oder einen Strom noch immer Gele-genheit und Möglichkeit gestattet, Zufuhr und Verbindung mit dem Heere zu erhal-ten. — Nicht die Größe einer Festung macht ihre Stärke aus; im Gegentheilsind weitläufige, volkreiche Orte schwierig zu behaupten, erfodern eine zu starkeBesatzung, zu viel Vertheidigungsmittel und Verpflegung, auch eine Übersicht undThätigkeit des Kommandanten, die nur zu leicht menschliche Kräfte übersteigt.