Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
155
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Florenz 155

Maler fanden diese Farbe trefflich, worauf der Erfinder sie in Menge und in grö-ßerer Vollkommenheit lieferte.

Florenz (ital. dirc,>/<-), Hauptstadt des GroßherzogthumsToScana undSitz der Landesstellen (mit 10,000 H. und 18,000 Einw.), gehört wegen ihrerLage, Kunstschätze, besonders Werke der Baukunst und Malerei, und wegen ihrerhistorischen Merkwürdigkeiten und ihres Gewerbfieißes zu den ausgezeichnetstenStädten der Welt. Sie liegt in einem reizenden und fruchtbaren Thale und wirddurch den Arno in zwei ungleiche Hälften getheilt, welche durch 4 steinerne Brü-cken mit einander in Verbindung stehen. Das Klima ist mild und gesund. In denUnruhen des MitielalterS schwang sich Florenz zu einer seltenen Blüthe der Machtempor, welche besonders durch die Familie Medici (s. d.) glänzend entwickelt undso befestigt wurde, daß es sein Haupt über alle Nachbarstaaten erheben und dieseunter seine Botmäßigkeit bringen konnte. Aus diesen Zeiten schreibt sich auch dieheutige Gestalt der Stadt her, deren Gebäude größtcntheils zu Schutz und Trutzangelegt sind, wie es die damaligen Parteienkriege nothwendig machten; aber wennder Architektur auch jene heitere Eleganz griechischer Formen abgeht, wie sie Palla-dio in Vicenza und Venedig hervorrief, so besitzt sie dafür alles Edle, Wahre undGediegene eines männlichen Styls. Von dieser Art sind z. B. der Palast Pitti(vom Großherzog bewohnt, wo die herrliche Galerie) mit dem seiner Lage wegenangenehmen Garten Boboli, die Paläste Strozzi und Riccardi (ehemals Medici )und der alte unregelmäßige Rathspalast am großen Stadtplatze (pi.-ir?.-, <lel 6rs»-ciuoa). Die Außenseiten der Kirchen sind leider fast alle unvollendet, das Innerehingegen, in Rücksicht der Bauart und Ausschmückung, größtentheils würdig undvortrefflich. Der Dom (!-> cbk-tr-, poliion-i), ein riesenhaftes Gebäude aus dem13. Jahrh., von Außen ganz mit schwarzem und weißem Marmor b.kleidet, prangtmit einer hohen, von BrunelleSchi erbauten Kuppel. IhiR zur Weite steht der zier-liche, nach Giotto's Zeichnung erbaute Glockenkhurm, und gegenüber die uralteTaufcapelle (O-Uti-ttoiio), mit den in Erz gegossenen Thüren von Ghiberti (s. d.)und Andrea Pisano . Der Dom wird in dem Buche beschrieben: „I.-> >>>t-lr,>>»>>>-I. 1 UN tioienliin, i>>»8lr»t.," (Flor. 1820). Die Kirche St.-Lorenzo enthält die mitPracht überladene, aber unvollendete Fürstengruft, zugleich die Monumente der bei-den Medici mit den berühmten Wtatuen des Tages, der Nacht, Dämmerung undMorgenröthe, in welchen sich Mich. Angelo verewigt hat. In dem Kloster befindetsich die ihrer Codices und Handschriften wegen höchst kostbare>LaurentinischeBiblio-thek. Die Kirche St.-Croce besitzt, außer einem SchatzevonDenkmalcn alter undneuer Kunst, die herrlichsten vaterländischen Mausoleen, unter welchen wir nur dieeines Mich. Angelo, Macchiavelli, Galilei und Alsieri nennen. Die Kirchen St.-Marco, St.-Annunciata, in deren Kreuzgang sich Vieles von del Sarto findet,St.-Maria-Novella, wo die herrlichsten Werke von Cimabue und den ältesten Flo-rentinern, St.-Spirüo, St.-Trinita sind ebenso würdige Tempel der Andacht alsMuseen der Kunst, und vorzüglich reich an den schätzbarsten Frescogemälden alterMeister, unter welchen die von Masaccio in der Kirche del Carmine noch heute denKünstlern eine Quelle des Studiums sind, wie sie es einst für L. da Vinci, Mich.Angelo, Rafael u. A. gewesen. Auch in den Palästen findet man Galerien undSammlungen von Kunstgegenständen aller Art. Reich an den trefflichsten Gemäl-den sind die Paläste Corsuii, Gerini und besonders Pitti , welcher letztere alle nachParis entführte Wchätze, und unter diesen die Madonna della Sedia, zurückerhaltenhak. Eine Beschreibung findet man in Speth's Werk über Italien . Doch nichtnur diese, sondern vielleicht alle Sammlungen Europas verdunkelt durch Anzahl undWerth ihrer Kunstwerke die großherzogliche Galerie. (Eine Samml. in Umrissenvon dieser Galerie ward durch die Conservatoren Zannoni, Maltalvi und Bargigli,unter der Leitung des Pielro Benvenuti, in 100 Lieferungen veranstaltet.) Von