Band 
Vierter Band. F bis G.
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512 Gartenkunst

thumsforscher gedacht haben, weshalb man um so mehr bedauern muß, daß Bötki-ger s. Racemationen zur Gartenkunst der Alte» nichtfortgesetzt hat. (2. „ftk. deutsch .Merk.", 1860, St. 2. 3.) Die gepriesenen Gärten des Alkinoos (..Odrssee", 1 U,112 —132) waren doch nichts Andres als gut angelegte, angenehme Obst-undWeinpflanzungen, nicht ohne Blumen. Romantischer ist allerdings die Grotteder Kalypso („Odyssee", 1, 63—78), doch aber wol nur Natur--, nicht Kunst-,anlage. Die gewöhnlichen Gärten, welche die Griechen an ihren Meiereien undLandgütern hatten, glichen mehr oder weniger denen des Alkinoos; für das Nütz-liche und Angenehme, Küchen-und Gartengewächse, Obst, Blumen, schaltigeBäume und Bewässerungen war vor Allem und allein gesorgt. Hohe schattigePlantagen, kühlendes O.uellwasser, einige Statuen waren die einzigen Schönheitenin den Gärten der Philosophen zu Athen . Selbst die Beschreibungen der Gäl tenin den spätern griechischen Romanschreibern verrathen »och Nichts von schöner Gar-tenkunst, und es wäre da wol noch zu untersuchen, ob nicht eben die Ursachen, welchebei den Alten die Laudschaftsmalerei verhinderten, auch auf Entstehung einer schö-nen Gartenkunst hindernd eingewirkt haben. Sie standen zur Natur in einem an-dern Verhältniß als wir. Selbst die Grotten (Nymphärn) verdanken ihren Ur-sprung nur dem Bedürfnisse der Kühlung. Naturgrorten gaben die Veranlassungzu künstlichen Grottenznnmern, dergleichen man in Rom auch in den Stadtpalästenanlegte, und worin man die Natur, wie Plinius sagt, nachkünüelte. Eine ange-legte Grotte ist aber noch kein schöner Garten , und daß es den Römern daran man-gelte, beweisen mehre Stellen ihrer Schriftsteller, und die Nachrichten, die unsvon ihren Gärten selbst übrig sind. Wahr ist es, man findet in des PlmiuS Be-schreibung von s. ruseifchen Villa alle Bequemlichkeit, Sicherheit, Schirm gegenjede üble Witterung, angenehme Mischung von Kühle und Wärme; alles Lobens-werihe bezieht sich aber lediglich auf die Gebäude, nicht auf den Garten, der mitseinen Legionen von Buchssiguren und in der ganzen Behandlung möglichst gerschmackslos war. Von dem Garten Lucull'S sagt Varro : daß er nicht durch Blu-men und Früchte, sondern durch Gemälde der Villa sich ausgezeichnet habe. stricht»»gegründet dürfte Hirschfeld'S Vermuthung sein: man habe geglaubt, sich mitder Fruchtbarkeit des Bodens und dem Reize der Aussichten, den besonders dieVillen auf den Anhöhen und an den MeereSufcr» harten, begnügen zu können, undder Verschönerung der Gärten weniger Sorge schuldig zu fein. Als nachher dieMenge der Villen den Boden zu verengen anfing, mußte es wenigstens in vielenGegenden an Raum zu ausgedehnten Gärten mangeln. Nachdem aber das west-römische Reich durch Barbarenschwärme umgestürzt war, und ganz Europa eineneue Gestalt erhielt, wobei Künste und Wissenschaften in Verfall geriekbcn, warkeine Zeit, der Gartenkunst einen Platz in der Reihe der schönen Künste zu ver-schaffen. Erst Karl der Große richtete seme Aufmerksamkeit wieder auf den Garten-bau, seine Anordnungen erstreckte» sich aber nicht über einen Nutzgarten hinaus.(S. Ankon's „Gesch. der deutsch . Lantwirihschaft".) Die Troubadours im Mittel-alter sprechen von symmetrischen Gärten. In Italien fing man zur Zeit der Wie-derherstellung der Künste und Wissenschaften auch wieder an, Lustgärten anzule-gen, deren einige so berühmt wurden, daß man sie in Abbildungen dargestellt hat.Sie mögen angenehm genug gewesen sem, doch fehlt viel, daß sie schöne Gärtengewesen wären. Später bildete sich in Frankreich ein neuer Geschmack in Garten-anlagen. Die Symmetrie aufs äußerste getrieben, wurde nebst den geraden be-schnittenen Heckengängen und Baumpflanzungen nach der Schnur Mode, selbst inder Anlegung der Blumenbeete herrschte das Bestreben, der Natur Gewalt anzu-thun. Lenoire wurde der Schöpfer der franz. Gartenkunst, welche freilich seineNachfolger noch mehr verunzierten. Grandios ist in dieftr Gartenkunst jedochihre Anlage in Springbrunnen, die aus künstlichen Felsen rc. entstehen. Die