Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gefühlövcnnögen

Zusammenhang, weil keinS denselben das andre in seiner gesetzmäßigen Äußerunghindert, und sie gemeinschaftlich den Gesammtzweck der geistigen Tätigkeit zu rea»lisiren besiimnit sind. Das Gefühl ist aber ebenso wesentlich von der Empfindung,wie das GcfühlSvermögen von dem Vorstellung!!'- und Begehrungsvermögen ver-schieden. Dem Ursprünge nach ist die Empfindung sinnlich, das Gefühl (s. d.)geistig. Jene geht aus dem Afsicirtwerden der Sinne hervor; dieses entsteht durchdas Wirken unsers geistigen Princips auf sich selbst. Die Empfindung ist mit einerWahrnehmung der Nothwendigkeit des Eindrucks verbunden; das Gefühl ist dasEigenthum eines Wesens, das Freiheit besitzt. Die Empfindung hat die ganze or-ganisiere und belebte Welt, nach unzähligen Verschiedenheiten und Graden, mitden Menschen gemein, und kann, nach ihrer Ankündigung, in jedem Geschöpfe sehrverschieden sein; das Gefühl ist bloß das Eigenthum vernünftiger Wesen. Wirfinden nämlich in unserm geistigen Wesen die umnittelbare Ankündigung unsersDaseins überhaupt, unsers jedesmaligen individuelle» Zustandes insbesondere, undunserer Persönlichkeit, als Wesen, in welchen ein doppeltes System von Kräftenzu einem harmonischen Ganzen verbunden ist, und die, ngch dieser Verbindung,rbensowol der Natui welt als dem Reiche der Freiheit angehören. Wir nennendiese unmittelbare Ankündigung Gefühl, und unterscheiden dasselbe wesentlich vonunsern Vorstellungen und von unsern Bestrebungen. Denn früher, als der Begriffdes Daseins in uns sich bilden kann, verbürgt uns das Gefühl unser Dasein, und be-vor sich noch die Begriffe von Individualität und Persönlichkeit entwickeln, fühlenwir uns schon als Individuen, nach der innigsten Vereinigung von sinnlichen undgeistigen Anlagen zu dem Ganzen einer Person. Bevor wir noch zwischen Freiheitund Nothwendigkeit, zwischen Tugend und Laster im Begriffe unterscheide» können,fühlen wir uns als freie Wesen, und die Stimme des Gewissens entscheidet im Ge-fühle über den Werth oder Unwerth unserer Handlungen. Das Gefühl ist also,nach seiner ursprünglichen gesetzmäßige» Ankündigung im Bewußtsein, weder Vor-stellung noch Bestrebung, mid an sich betrachtet, weder die Ursache noch die Folgeeiner Vorstellung, sondern ein ebenso unabhängiger ActuS des geistigen Subjectim Bewußtsein wie die Vorstellung, und seiner Einheit nach, in welcher kein Man-nigfaltiges getroffen wird, keiner Zergliederung, sondern bloß des unnnktrlbarenBc-wußlwerdens fähig. Das Gefühl, inwiefern es aus der Selbstthätigkeil des geistigenSubjects hervorgeht, ist, seiner Ankündigung und Richtung nach, unerschöpflich undin einem gewissen Sinne unermeßlich; nie wird es in seinem ganzen Umfange be-friedigt, nie kann der letzte Punkt desselben erreicht werden. Nur dadurch scheint essich erklären zu lassen, wie der Mensch vermittelst des Gefühls gleich stark, theils vonder Realität alles Dessen, was das Gefühl ursprünglich und unmittelbar verbürgt(pom Dasein, Individualität und Persönlichkeit), theils von den Grenze» undschranken der Endlichkeit überzeugt werden kann, unter welchen sicb das menschlicku:Dasein und die menschliche Freiheit ankündigt. In diesem Sinne ist denn auch dieSprache in der That zu arm, die Unermeßlichkeit des subjectiven Gefühls auszu-drücken, obgleich die Darstellung des Gefühls ein Grundcharakter der poetischenSprache ist. Nach seiner natürlichen Beschaffenheit und Bestimmung scheint dasGefühlsvermögen ein vermittelndes Vermögen zwischen dem Vorstellung!?- und De-gehrungsvermögen zu sein, weil die Stärke des Willens und die Kraft des Handelnszunächst von der Belebung abhängt, welche das Gefühlsvermögen dem vorgestelltenund zu realisirenden Gegenstände ertheilt. Da »u» unter allen -Objecten, welcheder Wille zu realisiren bestrebt ist, die Ideale des Wahren, des Schönen und desGuten die reinsten und höchsten sind: so muß auch die Thätigkeit des Gefühlsver-mogens in Hinsicht dieser Ideale die höchste und vollendetste sein. Selbst die Glück-seligkeit des Menschen kann, wegen des Zusammenhanges der Empfindung mit demGefühle, zu einer idealischen Beziehung erhoben, und dadurch als die Totalität der