Band 
Vierter Band. F bis G.
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5ti0 Geistlichkeit

ristche Sekten, z. B. die Quäker, behaupten, daß die christliche Kirche eines bejon-dern geistlichen Standes gar nicht bedürfe, und gestalten alle» ihren Mitgliedern dasRecht, in den Versammlungen zu reden. Die Erfahrung hat aber die Mangel einersolchen Einrichtung gezeigt, und es ist begreiflich, daß Personen okne Wissenschaft-,liche Bildung nicht im Wtaiide sind, Predigten, welche auch den Vebildeken genü-gen kennen, zu halten und einen zweckmäßigen Religionsunterricht zu ertheilen.Selbst die Quäker haben sich in neuern Zeiten genöthigt gesehen, Diener (so nennensie Diejenigen, welche gewöhnlich in den Versammlungen sprechen) anzustellen,nachdem dieses längst schon von den Mennoniten, welche zu der Zeit ihrer Entste-hung ebenfalls d ie Entbehrlichkeit eines besondern Lehrstandes behauptete», gesche-hen ist. Je vielseitiger der Kanzelredner gebildet sein muß, und je mehr Fleiß dieAusübung federt, je mehr gelehrte Kenntnisse die wissenschaftliche Kenntniß desChristenthums, welche den öffentlichen Religionsunterricht leiten muß, voraussetzt,und je nützlicher sich der Prediger als Lehrerund als tröstender und rathender Freundder Gemeinde machen kann, desto weniger laßt sich die Unentbeh, lichtest eines beson-der» Standes bezweifeln, welcher dem Lehrgeschäfte und der zu demselben nöthigenVdi berestung seine ganze Zeit und Kraft widme. Zwar hatten die von den Apostelnbestellten Ältesten und Bischöfe nicht Las ausschließende Recht, zu lehren und dieheiligen Gebräuche zu verwalten, vielmehr stand es damals auch andern Christenfrei, in den Versammlungen zu sprechen w. Als aber die Gemeinden zahlreicherwurden, und Männer von Bildung und Kenntniß zu ihnen übertraten, mußte sichbald ein besonderer Stand zu diesen Geschäften bilden. Seit dem 2. Jahrh, wur-den die Ideen des jüdischen Priesterthums auf die christliche Lehre übergetragen, dergeistliche Stand ward scharf von den übrigen Gemeindegliedern getrennt, und esentstand der Unterschied zwischen dem Klerus (ein griech. Wort, welches Erbtheil,Eigenthum, Erbtheil und Eigenthum Gotieü im besondern Sinne bedeutet) und denLaien. Als das Christenthum seitKonstantin die herrschende Religion im römischenReiche ward, erlangte die Geistlichkeit wichtige Vorrechte und große Reichthümer.Im Mittelaltcr wuchs ihr Ansehen und ikr Reichthum noch mehr, der Umfangihrer Rechte erweiterte sich, und unter dem Schutze des Papstthums ward sie ininicrunabhängiger von der Staatsgewalt. Bei allen abendländischen Völkern ward dieGeistlichkeit Landessiand, und viele Bischöfe und Erzbischöfe, besonders in Deutsch­ land , wurden weltliche Herren. Es war dies die Folge theils des hierarchischenSystems, theils der Überlegenheit, welche der geistliche Stand, der im ausschließen-den Besitze der wissenschaftlichen Kenntnisse war, über andre Stände behauptete,theils der Politik der Fürsten , welche die Geistlichkeit hoben, um den Adel zu be-schränken. Lo gewiß es ist, daß die Nachtheile, welche hieraus entsprangen, vonden Feinden des geistlichen «tankeS in übertreibenden Schilderungen dargestellt wor-den sind, so kann doch nicht geläugnet werden, daß die weltliche Herrschaft und dieTheilnahme an den politischen Angelegenheiten viele Geistliche von ihrer eigentlichenBestimmung entfernte, und daß der Reichthum ein großes Sittenverderbniß unterden, Klerus verursachte. Daher war es wohlthätig, daß die Reformation dengeistlichen Stand zu seiner wahren Bestimmung zurückführte. Verschieden von derAnsicht des Katholicismus (s.d.) von dem geistlichen Stande ist die des Pro­ testantismus . Nach ihm ist derGeistliche nicht Priester, nicht Vermittler zwischenGott und den Menschen, sondern nur Lehrer und Freund der Gemeinde; nicht durchhöhere, aufübernatürliche Weise mitgetheilte Gaben, nur durch eine tiefere Kennt-niß des Christenthums und der Wissenschaften, und durch die Fähigkeit, durch dieKraft der Rede die Menschen zu belehre» und zu erbauen, unterscheidet er sich vonandern Gemeindegliedern, und wenn von ihm strengere Sitten gefedert werden, soliegt der Grund davon nicht in einer besondern Heiligkeit seiner Person und seinesVerhältnisses, sondern lediglich darin, daß er, wie durch die Lehren, so auch durch