Band 
Vierter Band. F bis G.
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Gcoffroy L03

dramatischen Kunst zu gelangen, schrieb er selbst eine Tragödie:Cato'S Tod", imGrunde aber nur zur Übung. Er überreichte das Stück der Thearerdirection, eswurde angenommen, und G. erhielt freien Eintritt; dies war es, was er wünschte;die Aufführung des Stückes selbst hat er nie betrieben, vielmehr es gänzlich ausdem Gedächtniß verloren. Um ihn zu necken, ließ man in der spätern Zeit sogar einStuck,Cato'S Tod" unter seinem Namen drucken, als dessen Verf. Cubftreü Pal;mezeaup genannt wird. Bisher hakte G. vom Unterrichte gelebt, jetzt suchte er bei derUniversität angestellt zu werden. Er bewarb sich, von 1773, drei Jahre hinter ein-ander um den alljährlich ausgesetzten Preis der lat, Beredtsamkeit, und erhielt ihn3 Mal, sodaß man sich genöthigt fand, das Gesetz zu machen, daß ein und der-selbe nur 5 Mal diesen Preis gewinnen könne. Bei der Bewerbung um den Preis,den die franz. Akademie für die beste Lybrede auf Karl V. ausgesetzt, und denLa-harpe gewonnen hatte, wurde seiner Arbeit ehrenvoll gedacht. Jetzt betrat G. dieBahn, auf der er großen Ruhr.! sich erwarb. Die Erben der,Xii»e>- litteioire"suchten einen Mann, der Früron's Stelle würdig auszufüllen und den Credit diesesberühmten kritischen Blattes aufrecht zu erhalten im Stande wäre, und wähltendazu G., der seit Kurzem Professor der Beredtsamkeit an dem Collegium Mazarin geworden war und für den geschicktesten Professor der Rhetorik galt. Er übernahmdiese Zeitschrift 1776, und erhielt sich bis 2 Jahre nach dem Ausbruche der Revolu-tion. In diesen 1,7 Jahren bereicherte er sie mit geistreichen, gehaltvollen und an-ziehenden Artikeln über Philosophie, Moral und Literatur. Sein Styl ist rein,klar und gedrungen , und was er schrieb, zeugt von Geschmack, Kenntniß der classi-schen Literatur und dem Bestreben, die Leser mehr zu belehret! als zu zerstreuen.Die Revolution, deren anarchische Grundsätze G. bekämpfte, machte diesen fried-lichen Beschäftigungen ein Ente; er unternahm mit dem Abbe Rovou eine andreZeitschrift: >Iu allein bald wurden das Journal und die Herausge-

ber geächtet. G. flüchtete sich auf'S Land und lebte da als Lehrer der Bauern-kinder verborgen bis 1799, wo er wieder nach Paris zurückkehrte. 1809 übernahmer die Beurtheilung der Schauspiele im,lnr»-I .1« l'L»>,>i,e", welches nachher>lourn,>l ilt-.-i hieß, und betrat so unter den günstigsten Verhältnissen

eine neue Laufbahn, die ihn wahrhaft berühmt machte. Er bezog dafür einenjährlichen Gehalt von 24,000 Fr. Seit mehr als 10 Jahren hatten falsche Ansich-ten in der Philosophie wie in der Moral, in der Politik wie in der Literatur eine un-selige Verwirrung hervorgebracht; alle Grundsätze ivaren vergessen, sie erschienenals neue Entdeckung da, wo sie wieder aufgestellt wurden. Es war ein großer Vor-theil für die Kritik, wieder untersuchen zu dürfen, was schon 100 Mal untersuchtworden, von aller und neuer Literatur zu sprechen, als wenn sie noch nicht da ge-wesen wäre. G. untersuchte mit Scharfsinn und schonte die Grundsätze derNeuern nicht; diese beleidigten, verketzerten ihn; aber jeden Morgen erschien er mitneuen Ausstellungen und neuem Spott. Nicht immer blieb er in den schrankender Mäßigung; sein Witz ward oft zu bitter, sein Scherz zu unzart. Ein Maltadelte er eine Schauspielerin, welche nicht aufgetreten war, wegen ihres Spielsin einem angekündigten Theaterstücke. Aber im Allgemeinen kann man sagen, daßG. gerecht zu sein wußte, wenn er eS wollte, und er wollte es fast immer. Erhatte der Feinde viele, denn er hatte es mit der Eitelkeit der dramatischen Dichterund der Schauspieler zu thun; aber er hatte auch Freunde, die seinem Scharfsinne,seinen Kenntnissen und Talenten Gerechtigkeit widerfahren ließen und seine Frucht-barkeit bewunderten, die in einer so beschränkten Gattung immer neue Hüljsguellenzu finden wußte. Wenn man auch zuweilen nicht mit s. Grundsätzen einverstandenwar, so langweilte man sich doch nie, und dasM»>»ol-Ic I'I'änpii ,!" war, so langeG. den Feuilleton desselben schrieb, das gelesenste aller franz. Tageblätter. Ungeach-tet dieser Beschäftigung fand er doch noch Zeit, 1808 einen Commentar zu Racine