682 Gespilderecht Geßner
weilen die Gestalt Verstorbener annehmen, um die Hinterlassenen als Gespenst zuquälen. Der Gespensterglaube hat zu all-m Zeiten Anhänger gefunden und hängtmit dem Glauben an Unsterblichkeit in Etwas zusammen. Man dachte sich denVerstorbenen als ein schattenartiges Gebilde und nannte daber das Todtenreich einSchattenreich. Man meinte ferner, daß die Seele nicht eher Ruhe habe oder insSchattenreich übergehe, als bis der Leichnam des Derst. zur Erde bestattet sei; ge-schehe dieses nicht, so schwärme diese Seele unstät in der Oberwelt herum und er-scheine in derGestalt desVerst., um die Lebenden an ihre Pflicht zur erinnern. DerAberglaube suchte diese Meinung durch allerhand Erzählungen zu bestätigen, beiwelchen bald unwillkürliche Täuschung der Einbildungskraft, bald absichtliche Täu-schungen listiger Betrüger zum Grunde lagen. Die neuere Kunst hat daraus Ge-spenstermärchen gebildet.
Gespilderecht, s. Retractrecht.
Geßner (Salomon), geb. 1130 zu Zürich , wo sein Vater Buchhändler undMitgl. des großen Raths war, wurde, nachdem der frühere Unterricht s. Geist nicht ge-weckt hatte, einem Landprediger übergeben. Hier erholte sich s. durch beschämenden Ta-del bisher erstickter Geist; er machte in derlat. SpracheFortschritte, und der Umgangmit dem Sohne s. Lehrers, der die besten deutschen Schriftsteller las, sowie die schöneGegend, entfaltete s. natürliche Anlage zur Poesie. Nach 2 I. kehrte er zu denSeüii-genzurück. Der Umgang mit Zürichs vorzüglichsten Gelehrten berichtigte und erwei-terte s Kenntnisse, und erhob s. dunkeln Gefühle zu deutlichen Begriffen. Seine Ge-dichte, meist erotischen Inhalts, gewannen mehr Kraft und einen festen Ton. G.'SVater wünschte, daß s. Sohn die Buchhandlung, die ihm zugehörte, fortsetzen möchte,und schickte ihn 1149 nach Berlin , um sich daselbst zu diesem Zwecke zu bilden. Erfaßte aber einen so entschiedenen Widerwillen gegen diesGeschäft, daßer s.Lehrherrnverließ. Da s. Vater ihn durch Vorenthaltung des nöthigen Geldes zur Rückkehr zuzwingen suchte, veiffertigte er, um sich s. Unterhalt selbst zu verschaffen, eine MengeLandschaften, die Beifall fanden. Dagegen schlug Ramler'S strenges Urtheil seinenMuth, in Versen zu schreiben, auslange Zeit nieder, und er wählte dagegen eineharmonische Prosa. Bei einer Reise nach Hamburg schloß er mit Hagedorn eine in-nige Freundschaft. Das „Lied eines Schweizers an sein bewaffnetes Mädchen",welches 1151, und s. Gemälde, „Die Nacht", welches 1153 erschien, kündigtenihn wieder als Dichter an. Sein größeres Gedicht, „Daphnis", wozu Amiot sÜbersetz. des Longus die Idee in ihm geweckt hatte, erschien 1154, wie die vorigen,ohne s. Namen. 1158 aber gab er „Jnkle und Harico", xjne Forts, der Bodmer -scheu, Erzählung, und im näml. I.ein Bänd'chenIdyllen heraus. In derFolge er-schien der „Tod Abels", die schwächste von allen s. Dichtungen. 1182 gab er s. Ge-dichte in4 Ddn. heraus, welche, außer den^enannten, den „Ersten Schiffer", einigeneue Idyllen und Lieder, und die beiden Schauspiele „Evander" und „Erast" ent-hielten. Hierauf schwieg G. mehre Jahre; s. Liebhaberei für die zeichnenden Künsteschien ihn ausschließlich zu beschäftigen. Erst 1112 gab er ein 2. Bdchn. Idyllen,nebst den „Briefen über die Landschaftsmalerei" heraus. Seine angenehmen Na-turdichtungen wurden zwar in Deutschland mit Beifall, in Frankreich aber, wo siedurch Huberts Übersetz, bekannt wurden, mit Enthusiasmus aufgenommen. Hiergalt er für einen class. Dichter vom ersten Range, und er ist der einzige deutscheSchriftsteller, welchen die ftanz. Dichter mehrmals übersetzten, nachbildeten undbenutzten. Don Frankreich aus verbreitete sich sein Ruhm über ganz Europa . Erhatte sich indeß verheirathet. Um s. Altern nicht lästig zu werden, beschloß er, dieKunst, die er bisher als Liebhaberei getrieben hatte, zum ernsten Geschäfte zu machen.Seine Fortschritte darin waren schnell und glänzend. Seine Stücke wurden theuerbezahlt, denn sie bezauberten, wie s. Gedichte, durch die anmuthigste Nachahmungder Natur, In s. Vaterlande wurde G., als er kaum das gesetzmäßig bestimmte