Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
703
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Giebel

Giebichensteiii

hielt dies für Adlerklauen und glaubte fesi, es sei ein Zeichen, daß der Meist nunbald bei ihm zum Durchbruch kommen werde. G. hat Mehres geschrieben, wastheils von ihm, theils von s. Freunden und Schülern herausgegeben wurde, undwas in neuester Zeit, wo mystische Schwärmerei wieder viele Anhänger fand, ausdem Staube der Vergessenheit theilweis,' hervorgezogen ward. Reinbeck (Berlin 1132), sein Schüler Raulenberg u. A. habe» G.'ü Leben beschrieben. Einers. eifrigsten Anbänger, der Kaufmann Ioh. 2ss,lb. Überfeld aus Frankfurt a. Vä,stellte sich nach G.'S Tode an die Spitze des schwärmenden Häufchens, dessen Glie-der sich unter einander Engelsbrüder nennen, noch hier und da eyistiren und in derEnthaltung vom zweiten Geschlecht und in Müßiggang das Heil der Seele setzen.

Giebel oder Fronton ist einer derjenigen Theile des Gebäudes, welche dem-selben zur Verzierung gegeben werden, und eine über die Vorlagen eines Gebäudesin schräger Richtung hinausgehende Mauer, die an allen 3 Veiten Einfassungen vonGesimsen bekommt. Das Hauptgesims ist die Grundlinie desselben; die Seiten be-kommen die Glieder des Kranzes zur Verzierung. Giebel über Fenstern und Thürensind ein Auswuchs des schon gesunkenen Geschmacke in der Baukunst. Sie geben, zu-mal dicht neben einander, demGebäudc ein krauses, eckiges, überladenes und unange-nehmes Ansehen. Die natürlichste Form des Giebels ist die dreieckige; runde Dächerlassen auch eine runde Form zu, aber ausgeschweifte und in ihrer Form unterbrocheneGiebel sind durchaus zu verwerfen. Die Giebel der Alten sind sehr niedrig; Vitruv gibt zur Höhe des Giebelfeldes den neunten Theil der Breite desselben an. Die Höhedes Kreuzes dazu gerechnet, beträgt die Höhe des ganzen Giebels etwa den fünftenTheil seiner Breite. Es finden sich aber Beispiele, daß sie beträchtlich niedriger wa-ren. DieGriechen und Römer verzierten nur Tempel mit Giebeln. Das ersieWohn-gebäudc mit einem Giebel erbaute Julius Cäsar . War das Giebelfeld groß, so fülltenes die Alten mit einem Basrelief aus; Inschriften oder wol gar Fenster, wie dieNeuern in den Giebeln anbringen, finden sich bei den Alten nie.

G ie b i ch e» ste i n, Dorf an der Saale , eine halbe Stunde nördl: v. Halle,von 92 Feuerstätten und 550 Einw. im Regierungsbezirke Merseburg . Hier istein Domamenamt, das 4 Städte und 58 Dörfer unter s. Gerichisbarkeit hat, und88,000 Thlr. jährl. Pacht entrichtet. Die Lage des Orts ist schön, und die Ruinender alten Burg erinnern an die Zeiten des Mirtelalters. Nach einer alten Sa-ge sollen römische Münzen aus den ersten Jahrh, unserer Zeitrechnung in derNähe des alten Schlosses ausgegraben worden sein, weßhalb einige Schriftstellerdie Anlegung der alten Feste dem DrususGermanieuS zuschreiben! Die Thüringermußten im 6. Jahrh. denFranken ihr Land westlich von der Saale abtreten, woraufdie Franken die östlichen Länder gegen Zins den Sorben, als neuen Ankömmlingenaus Osten, überließen. Von diesen rühren die meisten Alterthümer her, die in derGe -gend von G. gefunden werden, und von denen der UmtSrath BartelS eine sehenS-werthe Sammlung besitzt. Karl d. Gr. eroberte das Land und ließ es, sowie diefolgenden Kaiser s. Stammes, durch Gaugrafen regieren. Unter diesen verwaltetendie Grafen v. Wettin die Gegend um Halle. Einer derselben mag die Burg G. an-gelegt haben; genannt wird der Ort zuerst unter Heinrich dem Vogler, der, nach-dem er den Staat der Sorben zerstört, eine Menge Burgen gegen die östlichenVölker anlegen ließ und auf denselben Castellane und Thurmwächker bestellte. SeinSohn Otto i. schenkte derKirche zu Magdeburg 864 denZehnten zuG. und L65den ganzen Bezirk (Neglitzer Gau), mit ausdrücklicher Benennung vonGiebichen-stein. Die Burg diente im Mitrelalter, wegen ihrer festen Lage, als StaatSge-fängniß, in welchem u. A. Kaiser Heinrich l V. zu Ende d. 11. Jahrh, den Land-grafen Ludwig von Thüringen zwei Jahre lang verwahren ließ. Da dieser entkom-men war. so breitete man aus, er habe durch einen Sprung in die Saale sich ge-rettet. Das Fenster wird in den Ruinen noch gezeigt. Zwar fließt die Saale nicht