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Vierter Band. F bis G.
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Gicseke Gießen

mehr unmittelbar an dem Schlosse, wohl aber nahe an einem Gemäuer, das gewißeinst ein Theil der Burg war, und es kann sich leicht vor und nach der Zerstörungder Burg das Bett der Saale mehr nordwärts gedrängt haben. Indessen ist dieHöhe des angeblichen Fensters über dem Spiegel der Saale 120 Fuß. Die Erz-bischöfe v. Magdeburg hakten dort Burggrafen, unter denen ein Geschlecht von.vorkommt. Im 15. Jahrh, verlegten die Erzbischöfe ihren Hof von Giebichenstein auf die neu erbaute Moritzburg bei Halle. Ihre Burggrafen nannten sich nunBurghauptleute. Als Kaiser Karl V. 1547 auf der Residenz in Halle sich aufhielt,gefiel ihm die Gegend um G. so sehr, daß er auf dem der Burg gegenüber liegendenTannenberge große Mittagstafel gab. Die alte Burg ward von den Schweden un-ter Banner im dreißigjähr. Kriege 1636 zerstört. ul.

Gieseke (Nicolaus Dietrich), geb. 1724 zu Günz in Niederungarn, verlors. Vater, Paul G. (eigentlich Köszeghi), bald nach s. Geburt und. ward in Ham-burg erzogen, wo er sich die Gunst von Brockes und Hagedorn erwarb. 1745 ginger nach Leipzig , wo er sich den theologischen Wissenschaften, s. Nebenstunden aberder Dichtkunst widmete. Die Vers. derBremischen Beiträge" wurden s. Freunde.Nachdem er, von 1748 an, in Hanover und Draunschweiz die Erziehung einigerJünglinge besorgt hatte, ward er Prediger zu Trautenstein im Fürstemhum Blan-kenburg, erhielt nach I. A. Eramer's Tode die Oberhofpredigerstelle in Quedlin-burg, und ward 1760 von dem Fürsten v. Schwarzburg zum Superintendenten inSondorshausen ernannt. Hier starb er 1765. Bedenkt man, daßG.'ö Bildung indie Zett des erst ausblühenden deutschen Geschmacks fiel, so muß man jene poetischenArbeiten (f.Poetische Werke, nebst des Dichters Leben", herausgeg. v. Gärtner,1767), deren reine und fließende Versification sich besonders empfiehlt, alles Lobeswerth finden. Dieser unmuthige Dichter hat in der erzählenden und didaktischenGattung am glücklichsten gearbeitet. Ein sanfter Fluß der Gedanken und Worte,gefällige Moral, edle Einfalt lind kunstlose Leichtigkeit im Ausdruck sind das eigen-thümliche Gepräges. Lehrgedichte, in denen ein frommes Herz redet und sich in Ge-fühle der Religion, der Freundschaft und reinsten Liebe ergießt. Don Begeisterungist selten, von Witz und Laune nie eine Spur zu finden. Klopstock hat ihm im zwei-ten Liede s.Wingolf ein Denkmal gefetzt, auch eine Ode an ihn gerichtet.

Gießen, Hauptst. des großherz. Hess. Fürstenth. Oberh-ssen, an der Lahn ,mit 7000 E., Sitz der Reg.u. des Hosgerichts, hat ein Pädagogium, ein Landschul-lehrerfeminar und eine Forstlehranstalt. Die evang.-luth. Universität hat LandgrafLuowig in Folge der Trennung zwischen dem evang.-luther. und dem evang.weform.Glauben, zu welchem letzter» Marburg sich bekannte, d. 7.Qct. 1607 gestiftet.Mangel an Zusammenhang der Theile des hessen -darmstädtischen Landes, die Näheder Universität Marburg und vorzüglich die früher beschränkten Einkünfte der Uni-versität, welche die Berufung berühmter Gelehrten selten gestatteten, mögend.ie Ursachen fein, warum sich die Zahl der Studirenden nie über 500 ausdehnte.Gießens hohe Schule hat gegenwärtig mir Einschluß der ihr auf dem ersten Land-tage des Großherzogthums Hessen 1821 bewilligten 10,000 Gldn. eine jährl. Ein-nahme v. 60,000 Gldn. theils aus eigenthümlichen Gütern (von welchen sie indesseneinen großen Theil an den >L9raat abgetreten hat, theils aus Staalscassen und zumTheil auch aus dem vormals bedeutenden Fonds der ehemal. Universität Mainz.Die Universität G. besitzt eine Bibliothek von mehr als 20,000 Bdn., nebst derihr vermachten 7000 Bde. starken von Senkenberg sehen Bibliothek; ein klinisches,gegenwärtig sehr vergrößertes Institut mit einem schön gebauten und treffiich ein-öerichteten GebärhauS in Verbindung mit e. Hcbammenschule; ein anatomischesTheater; ein schön eingerichtetes Gewächshaus nebst einem medicinisch-bota-filscken Garten, einen forstbotänifchen Garten; ein chemisches Laboratorium, mi-flcröklogische, chemische und physikalische Tabinette, sowie eine Sternwarte. Da«