Band 
Vierter Band. F bis G.
Seite
911
JPEG-Download
 

Grottesken

911

GrotiuS, der" sich für ihn erklärt hatte, unterstützte ihn durch s. Schriften und seinAnsehen. Dies verwickelte ihn in den Proceß, der mit der Enthauptung Barnesveldt's 1619 endigte, und war Ursache, daß er selbst zu lebenslänglicher Gefangen-schaft auf dem Schlosse Löwenstein verunheilt ward. Aus dieser wußte er mit-telst einerKiste, in welcher ihm s. Gattin Bücher geschickt hatte, und in welche ersich verbarg, zu entkommen. Nachdem er einige Zeit in den kathol. Niederlandenumhtrgeirrt war, flüchtete er sich nach Frankreich. Ludwig XIII . gab ihm einePension von 3000 LivreS. Vergebens suchten die holländ. Gesandten dem Königeine ungünstige Meinung von ihm beizubringen. Endlich nöthigte ihn Richelieu ,dem er nichtgenug schmeichelte, sich zu entfernen, und 1631 wurde selbst s.Pensioneingezogen. G. kehrte jetzt in s. Vaterland zurück, da er auf das Wohlwollen desPrinzen Friedrich Heinrich v.Dranien, der ihm einen teilnehmenden Briefgeschrie-ben halte, rechnen zu können glaubte. Allein s. Feinde bewirkte», daß er zu ewigerVerbannung verunheilt ward. G. ging jetzt nach Hamburg , von wo die Königevon Dänemark, von Polen und von Spanien ihn in ihre Staaten zu ziehen ver-suchten; aber der Schutz, den der Kanzler Oxenstjerna ihm zusicherte, und die Nei-gung der Königin Christina für Gelehrsamkeit bestimmten ihn, die Dienste dieserFürstin anzunehmen. 1634 ging G. nach Stockholm , wo er zum StaatSrath undGesandten am sranz. Hofe ernannt wurde. Diese Wahl mißfiel dem Card. Riche-lieu , der ungern einen Mann zurückkehren sah, dem man Schutz und Aufenthalt inFrankre-ch versagt hatte; allein Dxenstjerna wollte keinen andern Minister ernen-nen, und G. erschien im März 163b in Paris . Hier verwaltete er den Gesandt-schaftsposten 10 Zähre lang und erwarb sich allgemeine Achtung. Auf s. Rückkehrnach Schweden über Holland, fand er in Amsterdam den ausgezeichnetsten Em-pfang. Der größte Theil s. Feinde war todt, und man bereitete, den Mann, der dieEhre s. Vaterlandes war, aus demselben verbannt zu haben. Ebenso günstig warder in Schweden von s. Königin aufgenommen. Dennoch federte er s. Abschied, er-hielt ihn endlich, und war auf dem Wege nach Holland , als ihn ein Sturm nachPommern verschlug. Er kam krank in Rostock an und starb daselbst den 28. Aug.1645. Hugo G. verband mit den Talenten des gewandtesten Staatsmanns einetiefe und ausgebreitete Gelehrsamkeit. Er war ein gründlicher Theolog, trefflicherExeget, dessen Commentar über das N. Test. noch heute geschätzt wird, ein ausge-zeichneter Humanist, scharfsinniger Philosoph und Zurist, und ein mit den Quellender Mschichte verttauler Historiker. Seine Schriften haben auf die Bildung einesreifern Geschmacks und auf Verbreitung einer aufgeklärten und milden Denkart inwissenschaftlichen Angelegenheiten einen entschiedenen Einfluß gehabt. Als Philologfaßt er den Geist s. Schriftstellers scharf und richtig auf, erläutert chn kurz undtreffend und verbessert den Text leicht und glücklich; seine metrischen Übersetzungender Griechen sind mit Dichtergeist verfertigt; unter den neuern lat. Dichtern nimmter eine der ersten Stellen ein; auch »> Holland . Versen hat er sich versucht. DiePhilosophie der Rechtswissenschaft aber ist durch s. Werke über das Natur-, Staats-und Völkerrecht vorzüglich gefördert worden. Durch s. Werk:1)e ju,e belli etjuuÜ!>ch hat er denGrund zu einer neuen Wissenschaft gelegt; s..Imuiler IlelxieuoUiii;uc ucl iiiiii. 1609"; f.Oarallebn, Ie> INI, PNl>! i<'." ; s. BuchIle eeiitiitvI,'lchi(,i>i5 cin ir,!." und f.boennita" (Levden 1611, 12.) sind bekannt. S. Ch.Butler'sbile «k Oi<,ti8 ete." (Lond. 1821) und Hieron. de Vries'sUugn«lotliool eil llkin le Oe l!>ä»,-isb<'i ^,'ii" (Anisterd. 1821).

Grottesken, als Werke der Malerei, werden häufig mit Arabesken ver-wechselt. Man nennt alle Verzierungen, die aus Menschen, Thieren, Blumen,Pflanzen u. a. m. auf eine phantastische, abenteuerliche Weise zusammengesetzt sind,bald Arabesken, bald Grottesken, allein niit Unrecht. Arabesken sind Blumen-züge, von allerhand wirklichem und erdichtetem Laub - und Blumenwerk; sie haben