Magnetismus, Elektrismus u. Chemismus 33
strich, wcilTi man den armirten Magnet mit s. beiden Posen der Länge nach aussetzt,und so mehre Male von dem einen bis zum andern Ende streicht, und zuletzt den M.wieder von der Mitte des Stabes abführt. Diese und a. merkwürdige Erscheinun-gen erklärt man aus dcni Gesetze dcrDertheilung der magnetischen Materie aus die-selbe Weise, wie bei der Elektricität. Aber auch ohne Mittheilung oder Erweckungder magnetischen Kraft lassen steh Eisen und Stahl dadurch magnetisiren, daß mansie entweder lothrecht, oder noch besser im magnetischen Meridian gegen den Horn-zont unter einem Winkel, den die Neigung der Magnetnadel angibt, eine Zeit langaufstellt. Zndeß währt die magnetische Kraft nur so lange, als man das Eisen oderden Stahl in keine ho> i;ontale Lage bringt. Eine eiserne Stange wird dadurch nia-gnetisiit, das; man sie lothrecht in der einen Hand hält und mit der andern mittelsteines Hammers oder Schlüssels der Länge nach herab gelinde anschlägt. Das un-tere Ende wird der Nord-- und das obere der Südpol; kehrt man aber die Stangeun>, so verwechseln sich die Pole. Durch Hämmern, Feilen, Bohren und über-haupt durch Reibungen läßt sich das Eisen gleichfalls magnetisiren. Auch zergt glü-hendes, iin Wasser abgelöschtes Eisen Polarität. Die >Ldumme dieser magnetischer»Erscheinungen nennt man mineralischen Magnetismus, im Gegensatz desanimalischem (S. den folg. Art.) Nachdem man die Abweichung der Ma-gnetnadel entdeckt halte, sing man an, die magnetischen Erscheinungen vonder Erde abzuleiten und sich an Erklärung derselben zu wogen. Die Hypo-thesen des Descartes, Dalance, Enler, du Tour, Apinus, Wilke, Brugmann,Bernoulli, Kratzenstein, Gabler und Prevost erklären nichts. Was wir vonder magnetischen Materie wußten, bestand bis jetzt darin, daß sie in der Na-tur weit verbreitet ist und bei vielen Operationen derselben Mitwirkt. Erstdie neuesten Naturforscher haben den nähern Zusammenhang der großen Pro-cesse des Magnetismus, des Elektrismuü mit seiner galvanischen Modifi-kation und des Chemismus geahnet. Es zeigt sich nämlich die Wirksamkeitdes galvanischen Apparats, sowol der einfachen Kette als der Volta'sche» Säu-le, ebenso wesentlich als Chemismus wie als ElektriSmuS, und beide Processestehen dabei i» der genauesten Verbindung mit einander. Von der Meinung,als sei der Galvanismuü von der Elektricität nicht verschieden, mußte manschon durch die nähere Erwägung des Umstandes zurückkommen, daß in der galva-nische» Säule eine Selbsterregung oder Selbstladung stattfindet, was bei der voll-kommensten Elektrisirmaschine nicht der Fall ist. Dieser Umstand macht daher dengalvanischen Proceß im Ganze» bleibend (permanent), indem er nur durch die über-handnehmende Oxvdatio» (Säuerung, Sauerstoffnng) der Metalle und durchMangel an saurer Feuchtigkeit am Ende gehemmt wird; es bedarf also nur derReinigung und Anfrischung (Befeuchtung der Pappscheiben), um den Proceßwieder in Gang zu bringen. Diese Selbstladung beruht ohne Zweifel auf einerWechselwirkung zwischen mehren Processen, namentlich zwischen dem Chemismusund Elektrismus. Da nun der Galvanismus auch mit dem Magnetismus in Be-ziehung steht und, unter Umständen, auf die Richtung der Magnetnadel Ein-fluß hat, wie die Oerstedt'schen Versuche beweisen, so erhellt daraus, in Verbin-dung mit wissenschaftlichen Gründen, wovon nachher die Rede sein wird, daß derGalvanismus eine Combination und Wechselwirkung aller drei Grundprocesseunsers Planeten sei, worin dessen Leben besteht. — Um diese große Bedeutungdes Galvanismus oder Elektro-Chemismus, gemäß welcher unsere galva-nischen Batterien nur unvollkommene Miniaturbilder des großen Galvanismus derErde sind, vollständig zu fassen, muß man sich zuvor mit der wissenschaftlichenBedeutung und den wechselseitigen Verhältnissen der genannten drei Processe (desMagnetismus, Elektrismus und Chemismus), welche gleichsam die Bestand-theile des Galvanismus sind, näher bekanntgemacht haben. Hier deuten wir
Conveefittivns-Lexicon. Bd. Vll. 3