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Magnetismus (thierischer)
übt. Die daraus entstehenden Erscheinungen selbst bestehen theils in verschiede:nen körperlichen Empfindungen, z. B. Kälte, schwere, fluchtige Stiche, Be-klemmung u. s. w., theils in unterdrückter Thätigkeit der äußern Sinne (magneti-scher Halbschlaf), theils in Ohnmachten, Zuckungen, Schlaf mit lebhaftemTräumen (magnetischer Schlaf), in welchem die magnetisirte Person in höhereSphären verzückt ist, die innere Organisation ihres eignen Körpers wahrnimmt,sich und Andern weissagt, Arzneien verordnet, Aufschlüsse über Welt, Himmel,Holle, Fegfeuer u. dgl. unmittelbar von oben erhält, über die Beschaffenheit frem-der Weltkörper Ausschlüsse ertheilt, versiegelte Briefe mit dem Magen liest undvon den. Allen bei dem Erwachen durchaus nichts wissen will. Dabei ist das Ge-müth zu einer solchen überirdischen Reinbeit gesteigert, daß sie alle unreine Perso-nen schon von fern wittert und bei Annäherung derselben Krämpfe bekommt;namentlich geschieht dies bei Annäherung solcher Personen, welche an der Wahr-haftigkeit des Lebensmagnetismus zweifeln und denselben auf irdische Weise undnach menschlichen Derstandeseinsichten prüfen wollen; daher man solche Zweiflerweit entfernen muß, wenn man die hohen Eischeinungen des Magnetismus ge-wahren will. Ferner zeigt sich eine ganz eigenthümliche Abhängigkeit der mague-tisirten Person von dein Magneiiseur, sie schmeckt, was er ißt, riecht, was er vorseine Nase hält, gekorcht nur seinen Befehlen und kann nur von ihm aus diesen,magnetischen Schlafe durch Gegenstriche und Calmiren erweckt «reiten, (zü eSvermag der Magneiiseur selbst leblosen Gegenständen, z. B. Wasser, Salz, Klei-dungsstücken, Bäumen w., etwas von der magnetischen Kraft mitzutheilen, undsie können dann ebenfalls, wie er selbst, auf gläubige Geniütber wirken. Diemeisten Krankheiten, besonders Nervenkrankheiten, können durch magnetische Be-handlung geheilt werden, und man ging seit der genannten Zeit damit um, ein rechtartiges neues Eapellchen an den alten Askulapsteinpel anzubauen, in welchem es garnicht naed Arzneien riechen und wo nicht mit destillieren Wässern, sondern nur mitdem heiligen magnetisinen Wasser gesprengt werden sollte; ei» andrer Bei schlag, denalten Tempel selbst zum Magnetisirsalon einzurichten, fand zu viele Schwierigkeitenund ward vorerst wieder bei Seite gelegt. —Fragt mau nun nach der Geschichte desMagnetismus und nach seiner wissenschaftlichen Begründung , so zeigt sich zuvör-derst, daß die letztere nicht gegeben wei den kann, weil, nach der Aussage seiner eig-nen Verfechter, der Magnetismus garnicht wissenschaftlich untersucht werden darf,und weil eher alle unsere bisherigen Kenntnisse von Welt und Menschennatur als nich-tig erklärt werden müssen , ehe man es wagen dürfte, den Maßstab des Verstandesan ein so heiliges Geheimniß zu legen, das durchaus nur mit dem gläubigen Gemütheergriffen werden dürfe. Man that dabei- auch ganz recht daran, die abgeschmackte-sten Betrügereien, welche abgefeimte Dirnen ihren leichtgläubigen MagnetiseurSaufhefteten, für unfehlbar wahrhaft zu halten und aus ihren Aussagen die Theoriedes Magnetismus zu schmieden, weil man so gar keine Gefahr lief, daß verstän-dige Männer sich mit dergleichen Unrathe besudelten und eine anders anzuwendendeZeit damit vergeudeten. Es haben daher auch diese Letztem sich schon seit längererZeit gar nicht mehr mit der Erörterung des Magnetismus befaßt, daher die Ma-gnetiseurs ganz mit Recht behaupten konnten, sie haben die Zweifler zum Schwei-gen gebracht, und so ist es denn gekommen, daß der Magnetismus nur noch einSpielwerk des vornehmen und geringen leichtgläubigen Pöbels geblieben ist, derindessen nicht ahnete, daß er selbst ein Wpiel seines Spielzeugs war. Seit demharten Stoße aber, den er 18-21 an einen« seiner eifrigsten Verfechter erlitt, hatdie Zahl seiner Verehrer, sowie der Muth ihres öffentlichen Auftretens bedeutendabgenommen. Was wahr an der ganzen Sache ist, scheint auf den Wirkungenerhitzter Phantasie, auf einer halb geistigen, halb körperlichen Aufregung der Ge-schlechtssphäre und auf krankhaften Nervenerfcheinungen zu beruhen, die man lange