Magnetnadel 37
vorher schon kannte. Don der Geschichte des Lebensmagnetismus läßt sich so vielsagen, daß Anton MeSnier (s. d.) 1172 Heilungen mit dem Mineralmagnetenversuchte, den ihm der Pater Hell lieferte, damit in Wie» Aussehen machte, aberendlich erklärte, daß nicht der Magnet, sondern seine (Mesmer's) eigne Wunder--kraft es sei, welche die Kranken heile (ein Meisterstrcich, den neuerdings FürstHohenlohe glücklich nachgemacht hat, der auch erst den Bauer Michel zu seinenHeilungen brauchte, nachher aber dieses unnütze Werkzeug gebührend wegwarf),und daß diese Kraft nicht nur der magnetischen Kraft, sondern auch der allgemeinenAnziehungskraft im Weltall ähnlich und verwandt sei. (Das Weitere s. im ge-nannten Art.) In neuern Zeiten ging die Verfechtung des Magnetismus vorzüg-lich vonKieserin Jena und von Wolfart in Berlin aus, die gleichsam zwei einan-der entgegengesetzte Schulen bildeten, von denen die erste, weit achtbarere, diefraglichen Erscheinungen an die schon bekannten physiologischen (Erscheinungen)des Tag-, und Nachtlebens anzuknüpfen versuchte; die zweite dagegen auf denwunderlichen Fußstapfen Mesmer's pomphaft genug einherschritt. (S. Kiefer,Nasse und NeeS v. Esenbeck, „Archiv für den thierischen Magnetismus", seit 1811,seit 1825 u. d. T.: „Sphinx, oder neues Archiv für den thierischen Magnetismus"fortgesetzt; und Wolsart'g „Jahrbücher für den Lebensmagnetismus", 10Hefte,1818 fg.) Eine Preisfrage über den thierischen Magnetismuz, welche 1820 vonder k. preuß. Regierung ausging, ward zurückgenommen. Bon der reichen Litera-tur des thierischen Magnetismus erwähne» wir nur: Deleuze'S „I Union o <-ri-tigu «In maguetisiiia(Paris 1813); Ios. Ennemoser, „Der Magne-tismus in einer geschichtlichen Entwickelung von allen Zeiten und bei allen Völkern"(Leipzig 1819) (unkritisch und in Befangenheit der Mesmer'- und Wokfarl'schcnSchule); I. E. L. Ziermann, „Geschieht!. Darstell. des thierischen Magnetismusals Heilmittels" (Berlin 1821) (unbefangener); „Uol inü-znotisniv auin,.,!«",von Basevi (Florenz 1826). 15.
Mag iietnadel, die in dem Eompaß befindliche nadelähnliche Stahlplatke,welcher die magnetische Kraft mitgetbeilt worden. (Vgl. Eompaß u. Magnet.)Außer den beiden Arten des Bestreichens kann man den Nadeln die magnetischeKraft auch durch Armirung (s. Magnet) mittheilen. Jede Nadel ist indeß nureines bestimmten Grades von dieser Kraft fähig, welcher nicht überschritte» werdenkann. Diel kommt auf die ganz horizontale und völlig freischwcbende Lage der Nadel an. Um alle Reibung zu verhüten, welche bei dem gewöhnlichen Auslegen derNadel auf den Stift nicht ganz vermieden werden kann, hat man das Aushängenderselben mit glücklichem Erfolge versucht. Nach Cavallo dient dazu eine feine Kettevon Pferdehaaren, nach Bennct ein Faden aus dem Gewebe einer Kreuzspinne ambesten. Ferner muß der Apparat, worin die Nadel hängt, so beschaffen sein, daß dieLuft nicht auf den feinen Faden wirken kann. Auch hat man bemerkt, daß Kalie,Hitze, Blitze, überhaupt atmosphärische Elektricität und das Nordlicht Einfluß aufdie Magnetnadel haben. Doch hat die vielfältige Erfahrung bei dem Gebrauchedes Eompasses gelehrt, daß, wenn auch alle diese Umstände gänzlich entfernt blei-ben, die allgemeine Regel: die beiden Enden der Magnetnadel richten sich jederzeitnach den Polen derErde, ihre großen Ausnahmen leidet. Bei derUmsegelung derErde stößt man auf viele Stellen, wo die Nadel nicht mehr genau die Polgegendenanzeigt, sondern merklich nach beiden Seiten abweicht. Diese merkwürdige Er-scheinung ist u. d. 3!. der Abweichung oder Declination der Magnetnadelbekannt. Sie ist eigentlich der Winkel, welchen die Richtung dieses Instrumentsmit der Mittagslinie eines DrtS macht, wenn die Mittellinie eines Eompassesgenau über jener Mittagslinie steht. Bald ist diese Abweichung östlich, bald west-lich, bald größer, bald geringer, und nur an wenigen Stellen der Erdkugel ver-schwindet sie. Man hat bereits eine so große Menge von Beobachtungen über diese