Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Mahmud ll.

geordnete an die Empörer senden und deren Forderungen unbedingt bewilligen.Nach solchen Gräueln war kein Entwurf des Bessern mehr ausführbar, obgleichM. mit Beharrlichkeit darauf bestand; die Ianitscharen erzwängen jedes Mal dieAbsetzung und Hinrichtung der Befehlshaber und Minister, die Zucht und Ord-nung einführen wollten. Um sich selbst auf dem mit dem Blute seines OheimsSeim, und s. Bruders befleckten Throne zu befestigen, ließ M., wie Pouguevilleerzählt, den Sohn Mustapha's I V ., ein Kind von 3 Monaten, erwürgen und 4schwangere Sulkaninnen, in Säcke eingenäht, in den Bosporos werfen. So blieber der Einzige und Letzte aus dein Stamme des Propheten. Mit ihm saß dasSchrecken auf dem Throne, und sein Wille machte sich durch Blutbefehle kund.Ohne Nachgebet, ohne Geld und fast ohne Heer. mußte er den Krieg mit Rußland fortsetzen und die Serbier bekämpfen. Endlich, nach gänzlicher Erschöpfung, schloßsein Diva», auf Englands Rath — wider Napoleons Erwarten, der, mit Östreichund Preußen verbunden, die Integrität der Pforte ausgesprochen hatte —, MitRußland den Frieden zu Bukarescht (28. Mai 1812). (S. OsinanischeSReich.) Die sogen, europäische Bildung dieses unumschränkten Herrschers überLeben und Gut von 25 Mill. Menschen ist nur Oberfläche. Im Serail aufge-wachsen — wo die Validä oder Sultans, Mutter, den, Herkommen gemäß, ihrenSohn nie anders ruft als: Mein Löwe, mein Tiger! — achtet ter Großherr keinGesetz; er gehorcht allein dem Zwange der Nothwendigkeit. Die Schrecknisse,unter welchen M. den Thron bestieg, und die Gefahren, welche ununterbrochendenselben umgaben, mußten sein Gemüth verhärtet, und in Blutbefehlen nur Maß-regeln kluger Festigkeit ihin zeigen. Da jeder Sultan eine Kunst ausüben soll,so wählte er die Kalligraphie und brachte es darin zu einer gewissen Fertigkeit.Eitel auf seine Kunst, beschloß M., all - Kiat-Sherifs oder eigenhändige Befehle,sowie das Tagebuch seiner Gedanken, selbst zu schreiben. Bald wuchs die Papier-masse auf seine», Sopha so an, daß er sich nach einen, geheimen Archivar umsah.Diesen fand er in seinem Barbier (Berber-Baschi), der weder lesen noch schreibenkonnte und darum seines Vertrauens doppelt würdig war. Außerdem stand hochin M.'ü Gunst K halet-Effcndi, ein Hosma»,,, der durch Possenreißerei den Sul-tan zu vergnügen und dadurch zu beherrschen wußte. Berber-Baschi halte diesenKhalet, seinen alten Bekannten aus den Caffeehäusern von Galata, der anfangsSchreiber des Vorstandes der Fleischbänke von Konstantinopel , dann Sclim'S lll.Botschafter an Napoleons Hofe 1806 gewesen war, in die Nähe des Sultansgebrach.'. Beide wurden jetzt der Mittelpunkt aller Ränle, die von, Serail aus bisin die Provinzen sich verzweigten. Kbalet häufte durch Geschenke, die er nahm,große Reichthümer zusammen, und bald stieg sein Einfluß so hoch, daß er denSultan und dessen Tivan ganz lenkte; nur den Mufti konnte er nicht bewegen,ihn unter die UlemaS aufzunehmen. Denn diese privileairke Kaste von „Wohlge-borenenstieß den Günstling von sich, weil er nur der Sohn eines Leberhändlersund noch dazu ein Weltkind war, das Wein trank. Khalet ließ den Mufti verban-nen. Der neue Mufti und der neue Großvesier Ali thaten hieraufAlles, was derBerber-Baschi und Khalet-Effendi wollten. Khalet vermied jedoch, selbst ein hohesSkaatsamt zu übernehmen, um nicht verantwortlich zusein, wenn Das. wozu ergerathen, unglücklich ausgeführt würde. Dagegen theilte er mit den Satrapen,welche die Provinzen plünderten und die ersten Glieder des DivanS bestachen, denRaub und wußte es zu verhindern, daß keine Klage bis zu den Ohren des SultqnSkam. Pouqueville behauptet sogar, daß der Großherr selbst die Geldbußen derstrafbaren Reichen mit dem Günstlinge getheilt babe. Übrigens zeigte M, einestolze und feste Haltung gegen die christlichen Cabinette. Auch hat die schnelleRechtspflege im Innern der Hauptstadt, verbunden mit einer blutig strengen Po-lizei, um die sich M., wenn er zuweilen verkleidet durch die Straßen ging, selbst btr