Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Mahmud II.

kümmerte, bewiesen , daß er Kraft und Verstand besitzt. Allein die Hohen undMächtigen bliebe» stets die Sklaven und das Spiel semcr Laune, scmer Habsuchtund s. Argwohns. Kein Großer, strafbar oder nicht, war s. Lebens und s. Gutersicher; daher der allgemeine Hang zur Empörung und die MacchiavelhstischeStaatSkunst des DivanS, die Satrapen gegen einander als Werkzeuge ihrer Ver-nichtung zu brauchen, die am »leisten verhaßten oder die trotzigsten Plünderer,deren Maß voll war, zu ächten, und die Vollzieher der Acht unter irgend einemVorwande hinrichten zu lassen, um sich Zuletzt der Schätze von Beiden zu bemäch-tigen. M.'S Regierung ist daher ein sortgesetzier Kainpf des Verraths mit der Em-pörung, wodurch die Pforte endlich immer abhängiger wurde von dem Willenmächtiger und glücklicher Satrapen oder von den Triumphen kühner und ent-schlossener Volker. So gelang es den Serbiern (s. d.), sich der Herrschaft desPascha von Belgrad zu entziehen; so ward Mohammed Ali Pascha (s. d.)

— der Besieger der Mamelucken-Bevs und der Wahabiten — fast unabhängigerHerr Ägyptens; so wechselten Romclien, Widdi», Damaskus , Trebisonde, St.-I.and'Acre, Aleppo, Bagdad, Lattakia (das alte Laodieea) u. a. Paschaliks, unterblutigem Aufruhr, ihre Unterdrücker; so eihob sich der kühne, listige Alt (I.d.) inZainna zum Herrscher von Epirus . Um sich der Schätze des Letzter» zu bemächti-ge», ließ ihn M., auf Khalet-Effendi'S Rath, sm einen Hochverräiher erklären;man wollte den Tyrannen berauben und neuen Satrapen das von ihm geplünderteLand zur Beute anweisen. Diese Politik, welche die Pforte in einen Volkskriegverwickelte, der ihre Schwäche verrieth, trieb die Griechen zur Verzweiflung undgab ihnen die Waffen für Religion unk Freiheit in die Hand. Die britische tM-sandtschaft machte die Pforte Mit den Planen der Griechen bekannt,') und Kbalek-Effendl beschloß ihre Vertilgung. „Jeder - hrist", trug er dem Seraskier Äsma, lund dem Khurschid Pascha im Namen Mahniud'S auf, „der die Waffen tragenkann. muß sterben, die Knaben werten beschnitten und zu Soldaten nach europäi-scher Art gebildet, die jedoch, um die Ulemas nichrzu beleidigen, auch Ianitscharenheißen sollen".") Alle Verfügungen, welche den Fanatismus der Muselmännerin der Hauptstadt und in den Provinzen aufreizten, die Bewaffnung der Gläubigen,günstige Prophezeiungen im Name» des Propheten, die Ächtungen und Hinrich-tungen der Reichen, die Entweihung der Kirchen :e. gingen, wie Pougueuille be-zeugt, vom Serail aus und waren Khalei's Werk. Grausamkeit und Habsucht be-wogen den Lultan und s. Günstling zu solchen Maßregeln des Schreckens, wahrendsie durch erzwungene Hirtenbriefe des Patriarchen und durch täuschende Ainnestie-versicherungen die Griechen zu entwaffnen versuchten. Der Großherr selbst war imPalaste, als der schuldlose Fürst Konstantin Morusi enthauptet wurde. Er sah voneinem Kiosk dcsSerailS eSmitan, wie der Leichnam des Patriarchen Greg oriuS(s. d.) und die der ermordeten Mitglieder der griech. Synode von Juden vorübei ge-schleift und ins Meer geworfen, wie die Fürsten MaurokordatoS und Chanhcryg,nebst einer Menge reicher Kaufleute, Wechsler und Banquiers der Pforte hinge-richtet wurden. iiLv entsprach er seinem SultanStikel: Kl>u»Iiu>, (der Würger)!

— Als endlich M. in der Hauptstadt und in den beiden Fürstenthümern, wo derAufstand zuerst auszebrochen war, seine Feinde vertilgt, die rebellischen Satrapenin den Provinzen durch andre ehrsüchtige Paschen besiegt und zuletzt den Kopf desfurchtbaren Ali zu seinen Füßen liegen sah; als er den rühmlosen Krieg mit Poe-sien durch den von England vermittelten Frieden 1823 glücklich geendigt und von

') S. Pvuqueville's „Histoi're ste Ic> regenäration <is I» Ordoe", II, 171 fg.

**> Nach Ali's Falle erhielt Kburschid vom Großherrn den Befehl, die ganze griech-Bevölkerung in Epirus , ohne Weiber und Kinder zu verschonen, niederzuhauen, dieMvrcote» zu vertilgen und Morea in einen Schutthaufen zu verwandeln. Pvuqucville,lll, 285.