b8 Mainzer Centralunterslichiingsrcinmission
schlossenen Anstalts. Umtriebe (demagogische). Nacktem lange schon davon dieRede gewesen war, daß sich unter der deutschen studirenden Jugend ein verkehrterpolitischer und revolutionnairer Sinn rege, welcher besonder? bei dein Reformation?',feste aufder IZartburg durch das Verbrennen mehrer Schriften fnrViele beleidigendgeworden war, gab Kotzebuc's Ermordung 1819 (s. Sank) die nähere Veranlaftsung zu allgemeinen Diaßregeln. Verabredet von den Minister» der größer» Höfezu Karlsbad (s. Karlsbader Beschlusse), wurd>n sie in derBnndestagssttzungam 20. Sept. 1819 angenommen. Darunter war denn auch die Ausstellung einerCenkralconnnission, deren Geschäft sein sollte, die obere Leitung der in den einzelnendeutschen Staaten bereits angefangenen oder künftig vorfallenden Untersuchungenwegen revolutionnairer Umtriebe zu sichren und alle diese Untersuchungen im Zu-,sammenhange zu erhalten, also einen Mittelpunkt für alle diese Untersuchungen zubilden, doch ohne selbst Verhöre anzustellen oder Erkenntnisse zu fällen, indem allesDieses den einzelnen Bundesstaaten überlassen blieb. Diese Commission bildetenOstreich, Preußen, Baiern, Hanover, Baden, Heften-Darmstadt und Nassau,von welchen Höfen ein jedereineiiCommissarius, der in richterlichen Änirern gestan-den und wichtige Untersuchungen geführt haben sollte, ernannte. Die Commissiontrat gleich darauf in Mainz zusammen. Die Resultate sind viel beruhigender ge-Wesen, als man anfangs zu hoffen wagte. Von den 0—800 Professoren Deutsch -,lands ftnd kaum 3 wirklich zur Verantwortung gezogen und diese nicht bis zu einergerichtlichen Bestrafung schuldig befunden worden; von den 15 — 18,000 iLtu-direnden sind etwa 50 in Verhaft gewesen, und von diesen mir wenige ernstlich be-straft worden. Aus harte Strafurtheile der ersten Instanz sind in mehren Fällenin der zweiten Instanz Freisprechungen erfolgt. Im Mai 1822 erstattete die Cen-tralcomiiiiftion einen ausführlichen Bericht an die deutsche Bundesversammlung,von dessen Inhalte nur Rubriken zur allgemeinen Kenntniß gelangt sind, und wel-cheni 32 Nebenvorträge, zum Theil aus mehren Bänden bestchend, beigefügt wa-.ren. Nach diesen Rubriken ging der Bericht bis 1801 zurück und verbreitete sichüber eine Menge von Gegenständen: Fichte, StaatSrath Grüner, das Warkburgs-fest, die Burschenschaften, Sand, Löning, das Turnen, die deutschen Gesellschaftten u. s. w. Der Schlußbericht mußte noch verschoben werden, weil sieb neueSpuren einer geheimen Verbindung zeigten, welche in zwei Classen bestand, deinBunde der Männer, über dessen wirkliches Dasein und Ausdehnung noch keinenähern Aufschlüsse bekannt geworden sind, und dem Bunde der Jünglinge, vor-,Züglich unter den Studirenden. Es haben in Folge dieser Entdeckungen an meh-,ren Orten Verhaftungen und eine weitlänNge Untersuchung in kein Schlosse Köpe-nick unweitDerlin stattgefunden, deren Resultate man nun Tbeil durch den autben-tischen Abdruck des von dem königl. Oberlandesgericht zu Breslau im Mai 1828gesprochenen Erkenntnisses gegen 28 Mitglieder des sogen. IünglingsbundeS ersah--ren hat. Auch hier sind die Resultate insofern beruhigend, als sowol die Zahl derverirrten Jünglinge wie dieMittel derselben sehr unbeträchtlich erscheinen, und be-sonders sichtbar ist, wie die Mitglieder des Buntes vorn Anfang an die strafbarenZwecke desselben selbst mit geringem Eifer und mit deni gerechten Widerwillen, wel-chen ihnen das bessere Gefühl eingeben mußte, verfolgt haben. Das Ganze ist übri-gens hei dem Reden und Phantasiren über Weltreformen stehen geblieben. Auchhier liegt also der Beweis klar vor, daß das Übel nur Wenige ergriffen hakte, daßselbst von diesen die Meisten das Thörichte und Strafbare ihres Unternehmens schonvor der Untersuchung von selbst eingesehen hatten.') Jenes Erkenntniß sprach gegen26 Festungsstrafe von 2, 8, 9, 10, 12, 15 Jahren aus. Neuerdings ist die Vcr-
*) Man wird also aufhören müssen, von einem revolurionnaircn Meiste der Uni-versitäten zu reden, denn was unter Tausend Drei thun, kann nicht Geist der Tau-send sein.