Band 
Siebenter Band. M bis N.
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10 Malerei (Theorie der)

heit und Anschaulichkeit aufzufassen und mitzutheilen vermag, ja in noch eigentli-cherem Sinne sichtbare Gegenstände darstellt (s. Darstellung ; dahingegen derDichter nur die bedeutsamsten und bezeichnendsten Merkmale des Gleichzeitigenheraushebt und durch Nennung derselben die Phantasie zur selbstthätigen Schö-pfung des Bildes anzuregen sucht. Am sinnlichlebendigsten stellt unter allen bilden-den Künsten die Malerei das individuelle Leben der Gegenstände dar. Zwar bildetsie nur scheinbare Körper, indem sie durch Farben schildert, welche — vorzüglich inder Darstellung lebendiger Wesen — nur aus der Fläche die Wirkungen einer schö-nen Kunst hervorzubringen fähig sind; sie zeigt mithin die Körper, wie sie demAuge von einer einzigen Seite erscheinen; übe» sie weiß durch Licht und Schattenund durch die Perspektive das Auge über diese Abwesenheit der Raumerfüllung sozu täuschen und durch Nachbildung der ätherischen Reize der Lichkwelt ihren Schein-gestalten ein so lebendiges Dasein zu verleihen, daß man ihr unter allen bildendenKünsten die meiste Illusion (s. d.) zuschreibt, und daher dem Ausdruck „Ge-mälde" die Bedeutung der ausführlichsten Schilderung der Gegenstände nach ihrereigenthümlichen sinnlichen Beschaffenheit und Zügen beilegt. Diese Bedeutungwird nachher auf Werke der Dichtkunst und Musik, aber nur figürlich, überwogen,und man redet von einem poetischen Gemälde oder malerischen Gedichte, sowievon einem Tongcmälde. Ersteres kann aber eine ausgeführtere, in sich abgeschlossenepoetische -Schilderung oder poetische Charakteristik heißen (z. D. eine Idylle, ein§a-miliengemälde, nur daß man bei letztem, zu sehr auf die gemeine Wirklichkeit undihre Nachahmung zu sehen pflegt), da überhaupt die Poesie mehr das Innere undseine unmittelbaren Äußerungen schildert, i» der ausführlichen Beschreibung desGleichzeitigen aber ihre natürliche» Grenzen überschreiten würd». Aus letztem,Grunde gibt es keine eigentliche beschreibende oder malerische Poesie als DichtungS-art (s. Poesie), und jede« beschreibende Gedieht hört auf, ein freies Werk der Phan-tasie zu sein, indem eö vergeblich seinen Bildern die Bestimmtheit zu geben strebt,die nur den Sinnengegenständen möglich ist, und dadurch m ein ängstliches Nach-bilden oder Herzählen der sinnlichen Eigenschaften verfällt, wobei kein poetischesGanzes und keine Gesamnitwirkung möglich ist, sondern die Freiheit des Lesers zusklavischein Dienste gezwungen wird, oder, wie Jean Paul sich ausdrückt, dieBühne handelt, und die Personen zuin Schauplatz werden. (Vgl. über die Art,wie der Dichter malt, die treffliche» Bemerkungen Jean Paul'S in s. „Vorschule derÄsthetik "; n. AuSg. in, XI V. Programm.) Ebenso kann ein Tonstück nur ver-gleichungsweise, und zwar als charakteristische und lebendige Schilderung gewisserGefühle, ein Tongeniälde genannt werden; keineswegs aber als bloße Nachah-mung der hörbaren Klänge in der Natur, weil die Nachahmung der Natur über-haupt das Wesen der Kunst nicht umfaßt, das Tonstück aber ganz vorzüglich, alsdas Vollendetere (als eine Harmonie von Tönen), durch Nachahmung des Unvoll-endeten und Unharmonischen, d. h. einzelner hörbarer Veränderungen und Be-wegungen in der Natur, nothwendig i»S Kleinliche verfallen und sich unter dieWürde der Kunst erniedrigen würde; noch weniger als Nachahmung des Sicht-baren, welches unmittelbar durch Töne niemals dargestellt werden kann. Dieshindert jedoch nicht, daß der Tondichter nicht in einer großen Schilderung auch aneinzelne Gegenstände und Klänge durch nachahmende Töne erinnern solle; nurwerden hier jene Klänge in das höhere musikalische Element aufgenommen undzum geistvollen Ganzen verbunden. Den Fortschritten, welche in der neuern Zeitdie Tonkunst gemacht hat, haben wir es zu verdanken, daß das eben gefällte Ur-theil über die musikalische Malerei jetzt fast allgemein geworden, und die musikali-schen Compositionen einer Schlacht von Jena, Austerlitz rr„ wie überhaupt diemusikalische Malerei, mehr ein Gegenstand der scherzenden Darstellung oder desSpottes geworden ist. — Die eigentliche Malerei kann Körper nur dadurch auf