Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
72
JPEG-Download
 

72

Malers (Historien-, Landschaftg-, Thier.)

storienmalerei ist die umfassendste Gattung, denn sie zeigt den Menschen,die höchste uns bekannte Gestalt der Schöpfung, nach seinen sichtbaren')lußerua-gen, Zuständen oder Charaktei en, und sie ist es am meisten dann, wenn dieseMenschendarstellung durch Zusammenstellung mehrer Personen eine Handlung,obschon auf einen sprechenden und anschaulichen Moment zusammengedrängt,schildert. Wie sehr muß daher der Historienmaler die Menschengestalt nach ihrenverschiedenen, ja den flüchtigsten geistigen Ausdrücken und malerischen -Litualio-oen kennen, um bestimmte Ideen durch Menschengestalten in Ruhe und Bewe-gung mannigfach auszusprechen! Wie gegenständlich und klar müssen vor seinerPhantasie diese Gebilde stehen, um sie mit Hülfe der technischen Fertigkeit auchäußerlich zu «mein anschaulichen und sprechenden Ganzen zusammenzureißen, wel-ches Gefühl und Geist anzieht! Welchen poetischen Sinn und welche lebendigeErfahrung muß er besitzen, um den Geist der historischen Begebenheit oder denGeist der Sage nicht bloß aufzufassen, sondern auch wahr, sprechend und harmo-nisch in den Gestalten »nd ihrer Umgebung festzuhalten; wenn auch das poetischeund malerische Interesse jeder geschichtlichen Nebenbeziehung vorgehen muß! Wel-che» tiefen Blick, um den Charakter des Individuums in dem Portrait frei vonallem Wechsel »nd von zufälligen Modisicationen hinzustellen! — Der Historien-malerei stehen, dem Umfange und der Würde nach, am nächsten die malerischenDarstellungen der Natlirgegensrände, oder die LantschaftSmalerei im wei-ter» S inne, zu welcher auch die Stadtprospeete und Seestücke gerechnet werden,nur sollen diese nicht prosaische Nachbildungen der Natur sein. Dem Landschafts-maler sind die Gegenstände der Natur mehr Mittel, sein innerstes Gefühl harmo-nisch und anschaulich auszusprechen; dahingegen die Historienmalerei, wegen dergrößer» individuellen Bedeutsamkeit der Menschengestalt, weit objectiver und cha-rakteristischer ist. Der Maler fipirt gleichsam sein Gefühl in der Anschauung undDarstellung der mannigfaltigsten Naturerscheinungen. Dadurch und in ihrerWirkung ist die Landschaftsmalerei vorzüglich der Musik, und in der Poesie derLrrik zu vergleichen; doch darf das durch die Naturerscheinung objectiv werdendeGefühl nicht unbestimmt bleiben, sondern der Maler muß die einzelnen Partiender Landschaft so in Einklang zu bringen wissen, daß sie eine herrschende Stim-mung sicher und bestimmt aussprechen, wie sie gleichsam durch die Natur in ei-nem ihrer vollendetsten Erscheinungsmoniente angeregt wird. Diese Darstellun-gen sind übrigens so verschieden, als der Charakter der Natur in den verschiedenen

Gegenden und die dadurch erregten Stimmungen des Gemüths, denen gemäßauch die Skaffirung und Beiwerke der Landschaft eingerichtet und angeordnet seinmüssen. Auch allegorisch und historisch kann die Landschaft werden durch Staf-firung mit Figuren; — von Erster»! hat der noch lebende Landschaftmaler Fried-rich, von dein Letzter» haben die größten Landschaftmaler, Claude Lorrain undPouffin, Beispiele aufgestellt; — nur dürfen die Figuren nicht durch zu großeWichtiakeit der Handlung dem Eindrucke der Landschaft schaden. Das vorzüg-lichste L>tudium des LaiidschaftmalerS ist die vegetabilische Natur, und Keiner kannwie er des ganze» Reichthums der Farben zu einem magischen Ganzen sich bedie-nen; auch ist der Landschaft dasHelldunkel vorzugsweise eigen. Blumen-, lindFruchtstücke, Stillleben und Arabesken schließen sich den genannten umfassendenClassen der Malerei mannigfaltig an. In jenen ist Naturwahrheit und Meister-schaft in der feinsten Farbengebung und Beleuchtung größtentheils Hauptzweck;sie stehen daker in ästhetischer Hinsicht sehr tief; diese sind als freie Spiele der un-gebundenen Phantasie und eines unüberwindlichen Form- und BildungswiebeSbedeutend, »nd eine liebliche Zugabe zur Kunst. Die dritte Hauptgattung ist dieThiermalerei, beschränkter als jene, »nd nur dadurch anziehend, daß sie nichteinzelne individuelle Thiere, sondern den Charakter der Thierkraft gewisser Gat--