Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Malerei der Griechen und Römer

digkeil des Ausdrucks und der Charakteristik, ferner Mannigfaltigkeit der Gewän-der und symmetrische Vertheilung der Figuren. In der Dertheilung des Lichtesund Schattens scheint Apollodor aus Athen (404 vor Chr.) die Kunst weiter ge-bracht zu haben. Zur Schönheit aber erhob diese Kunst Zeuxis (s.d.) (ungefähr318 v. Chr.): einen Kanon derselben stellte er in seiner berühmte» Helena auf.Sein Nebenbuhler, Parrhasius aus EphesuS , neigte sich mehr zur Anmuth,oder zum weiblichen Ausdrucke der Schönheit hin. Seine reinen Proportionenmachten ihn nicht minder berühmt als sein anmuthigeS Colorit. Das Höchsteim Ausdruck und in der sinnigen Erfindung erreichte TimantheS auö SamoS.Apelles (s. d.) verband mit äußerster Nalurwahrheit ein schmeichelndes Coloritund wird als Meister im Portrait genannt. Nach ihm verfiel die Kunst in Zier-lichkeit, Künstlichkcit und Trockenheit, ja sie wendete sich selbst auf Darstellunggemeiner Gegenstände (Typarographie). Unter den Römern fand diese Kunstgeringe Theilnahme. Früher kannten sie nur die Malereien der Hetrusker, undFabiuS, der den Beinamen pivlor erhielt, steht einzig in den KunstannalenRoms. Späterhin wurden die Griechen Lehrer der Römer, als deren Bürger-tugend schon verschwunden war, und weichliche Üppigkeit an deren Stelle trat.Diele Denkmale der alten Malerkunst hat man in den Gräbern und Bädern vonRom, von Pompeji u. a. a. O. Italiens gefunden, welche größtentheils au? Fresko-malereien und musivischen Arbeiten bestehen. Die Anzahl der noch vorhande-nen Denkmäler der griechischen und römischen Malerei ist aber so gering, daß derArchäolog oft nur bei Vermuthungen stehen bleiben kann, welche in der Verglei-chung mit den Werken dieser Nation in andern bildenden Künsten und durch Zeug-nisse der classischen Schriftsteller einige Bestätigung finden. Doch scheinen ge-lehrte Kenner des Alterthums allgemein anzuerkennen, daß die Malerei überhaupt indem classischen Alterthum, sowol in Hinsicht ihres Gebrauchs als in Beziehungaus ihre Vollendung, der Plastik immer nachstand und untergeordnet geblieben ist.Daher die bekannte Behauptung, die Malerei sei damals mehr plastisch gewesen.Die Flächendarstellung mußte sich, als die akstractere, überhaupt später entwi-ckeln. Aber noch mehr mögen hierzu mechanische Hindernisse, in Beziehung aufdie Bearbeitung der Farben, beigetragen haben; vorzüglich aber auch der Um-stand , daß die öffentliche Ausstellung der Malerwerke beschränkter war. DieGriechen namentlich strebten, ihrem Charakter zufolge, »ach reiner Objeckivitäk;diese fanden und erreichten sie am vollkommensten durch die Plastik, die vollkom-menste Verkörperung der sinnlichen Gegenwan, welche zugleich die imposantestenSymbole einer sinnlichen Religion aufzustellen und der Verehrung zu widmen ver-mag, indem sie die menschliche Form, als die gottähnlichste, am vollkomm-- ^ausbildet. Was Wunder, wenn sich die Malerei nach dieser der Nat'^^,.^, ^so innig verwandten Kunst richtete? Die Religion also beranlaßte ganz vorzüglich jenen Vorzug und jene Herrschaft der Plastik über die Malerei. Zweitens scheint unter den Bestandtheilen der letztem Kunst die Zeichnung der Um, ist(als mit der Plastik am meisten verwandt) und das Localcolprit in der antiken M<lerei zu vorzüglicher Vollkommenheit gediehen zu sein; weniger die Perspeckw,Ja man hat, bei der Dunkelheit der Berichte hierüber, sogar gezweifelt, ob diAlten die Perspcctive gekannt haben. Da qber die 'Porspective von einer Fläeben,darstellung gar nicht getrennt, und die Bekanntschaft der Alten mit Geonieirie undOptik nicht geläugnet werden kann, auch dieselbe uiibezweifelt in ander» zeichnen-den Künsten angewandt werden mußte: so scheint diese Behauptung nur aus einensehr unvollkommenen Gebrauch der Perjpectjve in der Malerei beschränkt we-denzu müssen, Mit mehr Gewißheit läßt sich behaupten, daß die Alten das Hejl >un-kel, diese Poesie des ColoritS, gar nicht gekannt haben. Hiermit hängt'zusam-men/ daß ihre Malerei sich größtentheils auf Darstellung historischer Situationen