Band 
Siebenter Band. M bis N.
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Maliheim

(Hol; oder Kohl») entzieht deni Glase die Farbe, und deßhalb dient dos Man-ganerz airch zum Entfärben des grünen Glases, färbt dasselbe aber selbst roth-,lich, wenn es in zu großer beenge genommen wird.

Manhei m, ehemals Hauptstadt der Pfalz am Rhein , jetzt zweite Residenzdes GroßherzogS von Baden und Hauptstadt des Neckarkreises, liegt beinahe inder Mitte der Ebene zwischen den dies- und jenseitige» Rheingebirgen, an demEinflüsse des Neckars in den Rhein , über welche beide Flüsse jetzt Schiffbrückenführen. Die Stadt enthält 8 öffentliche Plätze, 1« Kirchen, überhaupt 51 öf-fentliche Gebäude, 1580 Häuser, 22,000 Einw. Sie ist eine der regelmäßigstenStädte Deutschlands , bildet einen länglichen Cirkel und wird durch 11 längs-und 10 guerlaufende Straßen von geböriger Breite in 112 Quadrate zerschnitten.Die Straßen sind schnurgerade, reinlich und mit schönen Häusern besetzt. DieStraße, welche von dem nun abgebrochenen Heidelbergerkhore bis zum Rheinthoreführt, ist zum Theil mit einer doppelten Reihe von Akazien, die mit Ketten um-schlossen sind, versehen. Die Festungswerke wurden nach dem luneviller Frieden ge-schleift; an ihre Stelle sind Gärten gekommen. Aufdem mit einer doppelten Reihevon Bäumen bepflanzten Paradeplatze ist ein marmorner, aber wasierleerer Spring-brunnen mit meisterhaft von Crepello gegossenen Statuen. Der schöne große Markt-platz ist mit einer vortrefflich in Stein gehauenen Gruppe von der Meisterhand desvan der Brand geziert. Das prächtige. 150 Fuß lange Schloß nimmt die ganze amRhein gelegene Seite der Stadt ein. Es ist in Ansehung seines Umfanges eins derbedeutendsten in ganz Deutschland und besteht aus drei großer, Vierecken. Der linkeFlügel brannte bei der Belagerung 1105 großenthesss ab, nur die äußern Mauernsind stehen geblieben; der rechte Flügel, von dem Kurfürsten Karl Theodor erbaut,war der Kunst und den Wissenschaften eingeräumt, und enthält noch jetzt die Bil-dergalerie, doch bei weitem nicht so bedeutend als sonst, wo sie 9 Säle füllte, einNaturaliencabinet, welches durch den Regierungswechsel auch etwas verloren hat,eine LLaimnlung von GypSabgüssen der bedeutendsten Antiken, eine Antiguitäten-fämmlung, welche außer den in der Pfalz gefundenen römischen Steinen auch eineAnzahl größrentheils im Land» ausgegrabener kleiner Bronzen enthält, und eine nichtunbedeutende Bibliothek. Unter den geistlichen Gebäuden bemerkt man das vor-malige Iesuitencollegium nebst der Hof- oder Iesuitenkirche. Der mit Säulen vomfeinsten pfälzischen Marmor gezierte hohe Altar ist äußerst geschmackvoll, und diein Fresco gemalte Decke eine der schönsten in Deutschland . Diese Kirche hat zweiThürme, zwischen welchen die hohe Kuppel emporragt. Die Höhe der Kuppel sollvom Boden an 250 Fuß betragen. Auch das Zeughaus ist groß und einfach. Eshat 650 Fuß im Umfange, eine Höhe von 92 Fuß und enthält 4 Stockwerke. DieDecke des ersten Stocks ruht auf zlvei Reihen von 28 Fuß hohen steinernen dori-schen Säulen. Hinter dem Zeughause ist ein von einer hohen Mauer umschlosse-ner großer Kugelgarten. Auch das Kaufhaus ist schön und nimmt ein ganzesViereck ein. Es ruht auf 12 steinernen Pfeilern, die 12 Schwibbogen machen.In diesem Bogengänge werden die Messen gehalten, und hinter ihm gibt es Kauf-läden. In dem Gebäude befinden sich das Oberhofgericht, das Stadtanit, dasPolizeiamr, eine Commission-- und eine Leihanstalr, die Mehlwage und der Pack-hof. Das Schauspielhaus hat 3 Stockwerke und 900 Fuß im Umfange. Dieschöne Brlderarbeit daran ist von van der Brand. Hinter dem Theater enthältdas HauS den schönen Redoutensaal, Manheim hat ein gutes Gymnasium nebsteiner Bibliothek, eine Handlungsschule, einen botanischen Garten, eine Stern-warte (ein, in Form eines Achtecks, 101 Fuß hohes Gebäude und mit Instrumen-ten reichlich versehen), eine 1808 errichtete Ärmenanstalt. An Fabriken besitztManheim eine Stückgießerei, eine Steindruckerei, eine Krapp-, eine Tapeten-,eine Leim- und 6 Tabacksfabriken. Bekannt ist das manheimerWasser (versüßter