102
Manuftriple
jedoch wegen ihrer Kostbarkeit unter die größten Seltenheiten gehören), oder manbelegte die Anfangsbuchstaben damit. Zu 'Ansehung der äußer!« Gestalt theilensich die Manuskripte in Rollen (>,,inn>i,i.i, die älteste Art, auf welche in späternZeiten noch die Troubadours in Frankreich ihre Gedichte schrieben) und in ge-heftete Bücher oder Bände (eigentliche onlinen). Die Schreiber der Manuscriptewaren bei den Alten meisientheils freigelassene oder Sklaven (<uni>>.-w. !il>n>rH),in den folgenden Zeiten die Mönche, unter welchen vorzüglich die Benedickmerdurch ihre Ordensregel dazu verpachtet waren. Correctore» und Rubrieatorenbesserten und schmückten nachher die Handschriften aus. Aber von weit größererWichtigkeit als diese äußern Umstände und Merkmale sind für die Beurtheilungdes Alters, Werthes«, s. w. einer Handschrift die innern, und namentlich die Zügeder Schrift und der Buchstaben, mit denen sie geschrieben sind. Die Beurthei-lung der Alters der griechischen Manuscripte nach den Schriftzügen ist schwerer alsdie der lateinischen. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß die Züge einer griech.Handschrift desto leichter, gefälliger und flüchtiger sind, je älter sie ist, daß sie aberim Fortgehen der Jahrhunderte immer steifer werden. Der Mangel oder das Da-sein der griech. Accente ist unbestimmt und entscheidet nichts. Übrigens wird mannicht leicht ältere griech. Handschriften als aus dem 7., höchstens 6. Jahrh, finden.Die Schriftzüge der lateinischen Manuscripte hat man theils nach der Gröb-e oderKleinheit derselben (Majuskeln, Minuskeln), theils nach der verschiedenen Gestaltund dem Charakter, welche sie bei verschiedenen Völkern oder in gewissen Zeiträu-men annahmen (roiftil.ii'.i »-',<>> . I.>»i^ul),u sti>'.>,
Oiiolinxstc-, cte.. wozu seit dem 12. Jahrh, die sogenannte gothische kam, welcheseine künstlich abgeschürfte und eckige Minuskel ist), eingetheilt, und bei jeder dieserSchriftarten wieder einzelne Regeln festgestellt, nach welchen man das Alter einerHandschrift beurtheilen kann. Vor dem 8. Jahrh, wird man selten Jnterpunckio-nen antreffen, auch nach eingeführter Punciation können aus dem 13. und denfolg. Jahrh, noch Manuscripte ohne Jnterpunction, aber mit Absehen der Wortevorkommen: Handschriften, die keine Capitel- oder andre Abtheilungen haben,sind immer alt; der sogenannte CustoS, Wurm, oder die Wiederholung des erstenWorts des folgenden Heftes am Ende des vorhergehenden, gehört in das 12. undin spätere Jahrhunderte. Je wenigere und leichtere Abbreviaturen eine Hand-schrift hat, desto älter ist sie. Endlich hängen in den ältesten Handschriften dieWorte gewöhnlich ohne alle Abtheilung ununterbrochen an einander; erst seit deniS. Jahrh, ist das Abtheilen der Worte allgemein geworden. Auch die Gestaltder arabischen Ziffern, welche man im Allgemeinen zuerst in Manuscripte» aus derersten Hälfte des 13. Jahrh, findet, trägt zur Beurtheilung des Alters einer Hand-schrift bei. Verschiedene Manuscripte haben am Ende eine deutliche Bestimmung,wann, gewöhnlich auch, durch wen sie geschrieben worden sind (tatirte Codices).Doch muß man die Richtigkeit dieser Unterschrift nicht gleich für erwiesen anneh-men, da sie oft blos die Abfassung des Buchs anzeigen, oder sich bloß auf einenTheil der Handschrift beziehen, oder gar erdichtet sind. Seitdem wir die Probender Herculanischen Manuscripte haben, läßt sich mit Gewißheit bestimmen, daßalle unsere Handschriften nicht über das erste christl. Jahrhundert Hinausreichen.1825 ward auf der Insel Elephamine in Oberagrpken von einem für den Englän-der BankeS reisenden Franzosen ein Fragment der „Jliade", auf Papyrus geschrie-ben, entdeckt. Es enthält 8—900 Verse vom 160. an und ist in Capitalbuchstaben schön geschrieben, wohl erhalten, unstreitig das älteste aller classischen Bü-cher, und wahrscheinlich aus den Zeiten der Ptolemäer. — Im Mittelalter pflegteman ganz auf Pergament geschriebene Bücher auszulöschen und abzukratzen, umneue darauf zu schreiben, die unter die Seltenheiten gerechnet werden (Palimpse-sien, coilieos resoriziti, radi). Doch hörte dieser Gebrauch im 14. Jahrh, aus,