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Maria
Schmerze neben Johannes wieder. An der Hand dieses Jüngers, den ihr Jesus zum Sohne gab, verschwindet sie aus der Geschichte, die nur von den hier berühr-ten Austritten und Zügen aus Mariens Leben, aber nichts von ihren fernern Schick-sale» und von der Himmelfahrt weiß, mit der die Legende ihren Tod ausgeschmückt,hat. Doch wer kann zweifeln, daß sie in den Himmel, in dem ihr Sinn schon aufErden war, eingegangen sei! Schon gegen das Ende des 4. Jahrh, erhoben sichunter den Christen Parteien, welche ihr entweder zu viel oder zu wenig Verehrungerwiesen. (S. Wieland'S „Neuen Merkur", 1796, S. 329, u. 1797, S. 205.)Thrazische und scythische Weiber, die, kaum zum Christenthum übergetreten, nochvoll von heidnischen Gefühlen für eine Mutter der Götter nach Arabien gekommenwaren, führten daselbst einen förmlichen Cultus der Jungfrau Maria ein. Alseiner Göttin dienten sie ihr mit Gebeten, Umgängen und Opfern, wobei sie auseinem ihr geheiligten Stuhlwogen kleine Kuchen (griech. KollyriS) darbrachten unddaher Kollyridianerinnen hiessen. Auch fingen die strenggläubigen Theologen selbstan, die Meinung, daß Maria ewig Jungfrau geblieben sei, als Glaubenslehre zuverfechten, und nannten eine in Arabien ausgekommene Partei, die Marien alswirkliche Ehefrau Joseph's und Mutter mehrer mit ihm erzeugter Kinder betrach-tete, Anlidikomarianiten, d. h. Widersacher der Maria. Wegen derselben Ansichtwurden am Ende des 4. Jahrh. Helvidius in Palästina und der Bischof Donosu «in Jllvrien verketzert. Leicht konnte die Poesie und mit ihr die kathol. Kirche dasBild Mariens zu einem Ideale der Weiblichkeit gestalten; denn wenn FrauenHeilige sind, so wird immer eine Maria an Unschuld, Demuth und Frömmigkeitdie Erste unter ihnen sein. Mit der Heilioenverehrung kani natürlich auch derMariendienst auf, und von jeher haben sich christliche Frauen am liebsten andiese Fürbitterin gewandt. Man kann es der Andacht auch verzeihen, daß sie inder verklärten Maria eine Himmelskönigin, ja etwas Ähnliches von einer Göttinsieht und sie die Mutter Gottes nennt. Aber die Behauptung schwärmerischerMönche, besonders der Franciscaner und Jesuiten , sie hätte Jesum ohne Ver-letzung ihrer Jungfrauschafl geboren, bekommt nur dann einen Sinn, wenn vonder ewigen Jungfräulichkeit ihres Gemüths die Rede ist ; denn diese konnte auchdurch die nachfolgenden Geburten der Söhne, die Joseph , nach einer jüngst vonHerder unterstützten Meinung, mit ihr gezeugt haben soll, und die daher die Brü-der Jesu heißen, nicht verletzt werden. HinauSgerückt aus dem Felde der Ge-schichte und emporgehoben in das Gebiet der Religion, erscheine sie daher immerals die Krone und Sonne der Frauen, und jede übe sich ebenso fleißig in der Nach-ahmung ihrer Tugenden, als die Künstler wetteifern, uns das Bild ihrer Hold-seligkeit vor Augen zu stellen. Aber auch den Männern bleibt sie um des Sohneswillen, den sie groß erzogen, an die O.uellen der ältern Offenbarung Gottes ge-führt und mit ihren Tugenden, die so mild an ihm widerstrahlen, ausgestaltethat, heilig und der Verehrung werth. (Dgl. Jesus .) Im 6. Jahrh, sing diechristliche Kirche an, Feste zur Ehre der Jungfrau Maria zu feiern, von denendas der Reinigung (des Kirchganges zum Tempel in Jerusalem ), das der Verkün-digung und das der Heimsuchung (Besuch Mariens bei Elisabeth) in mehren pro-testantischen Ländern beibehalten worden sind. Die griech. und kathol. Christen,auch die schismatischen Kirchen im Orient begehen außer diesen mehre Marien-feste, z. B. Mariä Geburt, Mariä Himmelfahrt , d. h. ihres Todes und ihrerAufnahme in den Himmel (in der kathol. Kirchenspracbe, ü»s»mlio). Das Festder unbefleckten Empfängniß Mariens feiert nur die kathol. Kirche. Es kam 1145auf, ward aber später, wegen des Widerspruchs der Dominicaner gegen dieseLehre, nicht allgemein angenommen, und noch jetzt sträuben sich diese Schüler desheil. Thomas von Aquino (s. d.) einzugestehen, daß Maria ohne Erbsündeempfangen und geboren worden sei. Die endemische Kirchenversammlung ließ die-