Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
137
JPEG-Download
 

Marienblirg 137

Die Burg war die prächtigste, welche der Orden in Pomesanien und im Culmer-lande aufgeführt halte, geschützt durch ihre Lage auf einem Uferderge der Nogatund durch eine Verbürg, die Alles aufnahm, was im Haupkhause nicht füglichaufgenommen werden konnte. Seit im April 1216 Heinrich v. Wilnowe als ersterComchur mit seinem Convente einzog, bewährte sich die Wichtigkeit des Ortes sehrbald bei den Überfällen der Pogefancn und Sudaner. Gegenden, die unter demSchirme des Ordens den Sümpfen abgewonnen oder durch Eindämmung derStröme gesichert waren, belohnten reichlich den Fleiß der herbeigezogenen Ansied-ler. Aber noch wichtiger erschien M. dem Orden, als die Schicksale des ver-wandten Tempelordens die bis dahin uneinigen Kreuzritter zu richtiger Erwägungihrer Lage bestimmten, und Siegfried v. Feuchtwangcn aus dem mißtrauischen Ve-nedig seinen Hochmeistersitz nach M. zu verlegen beschloß. Schon von Venedig aus scheint Siegfried v. Feuchrwangen den Bau des marienburger Schlosses gelei-tet zu haben, das als sein hochmeisterlicher Sitz von Außen und Innen seine Für-stenwürde verkündigen sollte. Es ist dieselbe Hochburg, ') von der noch stolzeÜberreste (die Kirche mit der Capelle, der Remter, der Capitelsaal >c., sowie dieMauern des alten oder hohe» Hauses) auf uns gekommen sind. Diese neue Hoch-burg trat an die Stelle der ursprünglichen Verbürg, welche weiter nach Nordostenhinausgerückt ward. Der Bau begann aller Wahrscheinlichkeit nach um 1306,und schon 1308 vom 9. bis 21. Sept. konnte der Meister mit seinem Gefolge sei-nen Einzug in der mittlern, der fürstl. Hofburg, halten. Seitdem war M. fürjeden Ordensritter in allen Landen das HaupthauS des ganze» Ordens, und durchdie regere Thätigkeit, die sich bald in feiner Nähe zeigte, der Mittelpunkt einesKräfte weckenden, trotz aller Clausur und aller blutigen Fehden, zum Hebern hin-weisenden Lebens. Längere Zeit jedoch waren Kriege mit wilden Nachbarn,strenge klösterliche Übungen bei Tag und bei Nacht, magere Kost, nie geheizte,nie verschlossene Zellen die einzigen Freuden, welche hier des Ritters, er mochteLaienbruder oder Priester sein, warteten; nur selten unterbrach ein Lanzenspieldie streng gehaltene Ordnung der Gezeiren, oder ein Gespräch, wenn Gäste dawaren, mit Erlaubniß des Conithurs, das sonst gewöhnliche Schweigen bei deneinfachen Mahlzeiten im Remter. Bei den großen Ümwandlungen, welche die M.bestand, und bei der Vernichtung so vieler Theile, ist jetzt das Örtliche seiner ehe-maligen Abtheilung nicht mehr genau zu erkennen. Verdienste um M.'S innereAusschmückung erwarb sich der Meister Dietrich v. Altenburg (1335—41),der die Hauptkirche erweiterte, unter dem Chor der Schloßkirche eine Todtengruftfür die Meister hinzufügte und, durch den Thurm und jenes wunderbare Mutter-gottesbild mit dem Jesuskinde auf dem Arme, dem ernsten Ganzen einen Schmuckgab, dessen es noch sehr zu bedürfen schien. Dieses colossale Marienbild in Re-lief mißt 26 Fuß, der Jungfrau Mund 2 Fuß, bas sitzende Jesuskind über 6 Fuß,und ist wie die Nische, in der es steht, reichlich mit Stuck überzogen, in welchen,wie bei den byzantinischen Arbeiten so vieler Kirchen und Mosaiken Italiens, rotheGlaSwürftl eingelassen sind, welche mit Goldplättchen überzogen wurden, diedurch neue Verglasung damit verbunden waren. Das Unterkleid der Maria istgoldfarben, darüber hat sie einen großen, weit umwallenden Mantel, roch, mitgoldenen Vögeln und Blumen geziert; das Unterfuiter ist blau; die Falten dessel-

*) Eigentlich die mittlere Burg, ein offenes Viereck, welches, von Außen gemessen,an der nordwestl. Seile 315, an der südöstl. a»o, an der »ordöstl. rs5 Fuß lang ist.An der ivestl. Ecke erhebt sieb, durch Pracht und Größe ausgezeichnet, die kochmcister«liche Wobnung, und an sie schließen sich, die drei Seiten des offenen Vierecks voll-endend, die Gebäude, welche den großen EvnvenlSremkcr, die Gemächer zur Kranken-pflege, die Wohnungen des Großromtburs und andrer Ritter, nebst großen Vvrratbs»gcwölbcn enthielten. Das hohe Haus blieb nach wie vor die eigentliche Hauptveste.