Band 
Siebenter Band. M bis N.
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158 Muneiiburg

den sind trotz der Größe des Bildes zierlich gelegt. Noch steht dieses für die weiteFerne berechnete Bild auf der Südostseite des Gotteshauses, in der äußern Mauer-nische der St.-Annencapelle. Die Einführung des Feuergeschützes (unter MeisterDietrich von Preußen) zwang, aufstärkere Befestigung und Erweiterung der Nor-bürg zu denken; selbst die Joch- und Pfahlbrücke über die.Nogat, die unter Mei-ster Dietrich angelegt ward, hatte zunächst den Zweck der Vertheidigung. DasHoch- und Mittelschloß erhielten eine feste Uniwallung, belvässcrte Gräben, Wachh-und Wartthürme (von Granit und gebrannten Ziegeln, außerdem Kalkstein undStuck). Durch Dietrich ward M. die festeste der hundert Landesburgen, sowieihr an Pracht und Geschmack schon früher keine gleichgekommen war. GlänzendeZeiten sah M. unter Meister Winrich v. Kniprode, 1351—82, der, deutscheBildung pflegend, selbst der Dichtkunst nicht fremd, dem Lande die Segnungendes Friedens und der Wissenschaft zu versichern suchte, obgleich ewige Fehden mitden Lithauern seine Pläne fortwährend störten. Innere Ldpalrung, die über-handnehmende Macht der Polen , endlich die unglückliche Schlacht auf den Ebenenvon Tannenberg am 15. Juli 1410 führten den Feind vor die Mauern M.'s.Was Muth und Kühnheit vermag, das sah man damals, als M. unter Heinrichv. Planen gegen Polen, Samaiten und Tataren, die sie rings umlagerten, 8 Wo-chen lang Stand hielt; und noch trägt die Wand des Remters die große Kugel,mit der des PolcnkonigS Iagello Arglist (1410) den Statthalter und alle seineRitterbrüder zu vernichten hoffte. Als Meister Paul v. Rußdorf 1440, derSpannung zu begegnen, welche vom Culmerland aus besonders durch die Ritterder Eidechsengesellschaft sich verbreitete, nachgebend die Gemüther zu gewinnensuchte, fand er fo lauten Widerspruch im Capitel, daß Einige mit gezückten Schwer-tern den Saal verließen, und er selbst am folg. Tage (ani 10. Jan.) beim Rathe zuDanziz Hälfe suchte gegen die widerspenstigen Brüder. Solche Ereignisse, dieMasse der Klagen, an deren Abhülfe nicht zu denken war, und der Trotz vielerOrdenübrüder, die diese Klagen der Beachtung nicht einmal werth hielten, brach-te» es dahin, daß die Ritter des Landadels und die Bürgermeister der Städte aufeiner Tagfahrt zu Marienwerder am Sonntage Iudica 1410 den Bund zumSchirme ihrer Gerechtsame und zur Abhülfe ihrer Beschwerden schlössen, der derpreuß. Bund genannt wird. Gegen ihn bestand der Orden nur mühsam. M.'SFall war entschieden, als des Kaisers Ausspruch 1453 diesen Bund für nichtig erklärte und dadurch dessen Verbindung mit des Ordens altem Feinde, dem Königevon Polen , beeilte. Bald brach der offene Krieg aus, und der so sehr verminderteOrden hatte dem überall andringenden Gegner nur Rotte» von Söldlingen entge-genzustellen, denen der Meister in seiner großen Geldnoth M. und alle andreBurgen, Städte und Dörfer, die er noch besaß, als Unterpfand verschreibenmußte. Unter diesen Söldner» waren die Böhmen die trotzigsten. Ihr Haupt-mann Ulrich Czirwenka trat am 15. Aug. 1456 M., sowie alle andre bisher vonihnen besetzt gehaltene Schlösser, für 436,000 Gltn. dem K. Casimir von Polenab. Am 6. Juni 1451 zogen 600 Polen durch die von Czirwenka geöffnetenThore, und mit Schmach ward der Meister Ulrich v. Elrichshausen aus dem Or-denshausc vertrieben, auf welchem während 148 I. 11 Meister des Ordensgewaltet hatten. Seitdem bestand M., zum Theil von Jesuiten bewohntund der Sitz polnischer Woiwoden, zuweilen auch das Hoflager der polnischen Kö-nige, Gustav Adolfs und des sachs. August II., bis es unter Friedrich II. 1112mit dem preuß. Staate vereinigt ward. Beinahe wäre es kurz darauf als Opfereines übelverstandenen Ökonomiespstems (das z. B. die großen Ziinmerräume alsGetreidespeicher benutzte) völlig zerstört worden, hätte Friedrich II. nicht demVer-derbcn Einhalt gethan. Bei dem sich allgemeiner verbreitenden Interesse für va-terländische Denkmäler ward auch die altdeutsche M. nicht unbeachtet gelassen.