ManenglaS 189
Frick stellte das Schloß in einem Kupferwerke nach Gilly'S Zeichnungen malerischdar (Berlin 1803, Fol., mit Kpf.); Breisig , Director der Kunstschule zuDanzig,nahm es noch genauer auf. Einzelne Aufsätze brachten das in seiner Art einzigeGebäude in Erinnerung (vgl. „Kunstbl.", 1821, St. 21, und Jacobs, „DasSchloß Marienburg", 1819). Endlich trug die Theilnahme des Kronprinzen vonPreußen dazu bei, daß das Ganze aus seinem -Lchuite hervorgezogen und von neuenEinbauen befreit ward. Dem Tage, wo Preußens Kronprinz (seit 360 I. zum er-sten Male wieder ein deutscher Fürsti in dem Remter des Schlosses ein Fest feierteund, den Pokal in der Hand, den Wunsch aussprach: „Alles Große und Würdigeerstehe wie dieser Bau!" diesem Tage (es war der 20. Juni 1822) weihte Pros.Büsching zu BreSlau sein Werk: „Das Schloß der deutschen Ritter in Marien-burg" (Berlin 1823, 4., mit 7 Kpf., O.uerf.). Aus urkundlichen O.uellen, die überden Haushalt auf der Burg und das innere Leben des Ritterstaats viel Licht ver-breiten, bearbeitete Pros. Voigt zu Königsberg seine „Geschichte MarienburgS,mit einigen Ansichten des Ortenshauses" (Königsberg 1821). 19.
Nach Büsching und Fiorillo war der unbekannte Baumeister der M. unstrei-tig ein Deutscher. Im Ganzen ist in den kühnen Spitzbogen, in den schlankenPfeilern der Stvl der schönen altdeutschen Baukunst sichtbar, und keine Vpur vonder sächsischen Bauweise. Alles hat den Schein gen Himmel strebender Leichtig-keit. Die Prunkgemächer waren mit Bildnissen undr) zum Theil noch lesbaren,deutschen Reimen geschmückt. Im Nebenwerke, z. B«in der Mosaik (meist Rau-tenfonn und Zickzackwinkel), erkennt man ital. Bauart. Die Verzierungen in-nerhalb und außerhalb der Kirche (die nebst der Annencapelle vollständig erhaltenist) sind, wie beim kölner Dome , alle aus der Pflanzenwelt entlehnt; nur hin undwieder sind sie von wunderlichen Thiergestalten unterbrochen, doch gehen sie nir-gends über in das unbestimmte Feld willkürlicher Schnörkeleien. Auf demHoch-altare fand sich ein Marienbild, wahrscheinlich von einem italien . Meister, in Öl.Die Thüre oder die sogenannte goldene Pforte mit allen ihren Einzelheiten hatPros. Breisig gezeichnet. Das Mittelschloß bestand aus 4 Geschossen. ImPrachtgeschosse bewundert man den großen Remter des Meisters, einen 45 Fußlangen und breiten Saal, dessen Gewölbe ein achteckiger Granitpfeiler von 26 Zollim Durchmesser trägt. Der SammlungSremter (96 Fuß lang und 48 Fuß breit)isi nicht weniger kunstreich gebaut, vorzüglich das Kellergewölbe unter demselben.In der Befestigung der Burg ist der 80 Fuß hohe, schivelichte (scheibcnartig runde)Thurm, wahrscheinlich ein Wart-und Gefängnißthurm, merkwürdig. Bon demHochschloffe sieht man nur noch die Trümmer seiner Größe. Bis 1802 eilte dasSchloß unbeachtet seinem Verfalle entgegen. Nach Preußens Wiederherstellungward die Erneuerung der Burg vom König und von einem Verein edler Männeraus allen Ständen (sl)ork, Dohna , Dönhof, Tiedemann u. A.) bewerkstelligt.Das verschüttete Kellergeschoß haben die niederringen Bauern unentgeltlich vomSchütte befreit. So ist endlich 1824 die M. neu und mit passenden alterthirm-lichen Emblemen und Glasgemälden verziert, aus ihren Ruinen erstanden. Schin-kel'S Ideen zur Wiederherstellung der Trümmer hat Gropius in seinen Ansichtendes Schlosses dargestellt. Superintendent Häb'er zu M. wird seine Forschungenüber die Geschichte dieses classischen Orts, und Director Breisig seine Zeichnungenherausgeben. Zum Besten des Wiederherstellungsbaus der hoebmcisterlichenBurg schrieb der preuß. Major Ludw. v. Arier „KriegSgcschickiliche Denkwürdig-keiten des OrdenshaupthauseS und der Stadt Marienburg in Westpreußen " (Dan-zig 1824), in welchen er die Anlage und den Ausbau der M. aus dem Gesichts-punkte der Kriegs- und Befestigungskunst beurtheilt und die Lchicksalc der Burgin den verschiedenen Kriegen bis auf die neueste Zeit herab erzählt. 20.
M a r i e n g l a s, s. Gy p s.