1)6 Marivauz-
Bedenk'» beschloß, kein Befehle Svlla's und des Senats zu gehorchen. Aber dercimbrische Sklave, dem die Vollziehung aufgetragen war, lief; bei desM,'S?lnblickimd Anrede das Schwert fallen. Dies bewog die Muiturner zrm Mitleid; siebrachten ihn an die Seeküste, von wo ein Schiff ihn nach ?lfrika hinübersuhrte.Er landete in dem Hafen des zerstörten Carthago und vereinigte sich bier mit fei-.»ein Sohne, der vergebens in Numidien Hülfe gesucht hatte. Beide verlebten denWinter auf der Inftl Cereina. Als sie die Nachricht erhielten, daß durch Cinnaihre Partei wieder den Sieg in Italien gewonnen habe, eilte M. dahin zurück,lehnte die ihm angetragenen Ehren ab und vereinigte sich mit Cinna und Serto-riiiS. Sie beschlossen einen Angriff auf Rom. welches HetaviuS verikeidigke. Daes in der Stadt an Lebensrnitteln und Soldaten fehlte, erbot sich der Senat, gegendas Versprechen, daß kein Römer ohne Urtbeil getödtet wei de» solle, die Thorezu öffnen. Dies geschah. Anfangs wollte M. nicht vor Aufhebung der gegen ihnausgesprochenen Acht die Stadt betreten, und schon waren die Bürger dazu ver-sammelt, als er mit seinem zügellosen Anhange eindrang und, dem gegebenen Ver-sprechen zuwider, ein fürchterliches Blutbad anrichtete, dem endlich Cinna undSertoriuS selbst ein Ende machten. Er bakke Alle zu morden besohlen, deren Be-grüßung er nicht auf gleiche Weise erwidern würde. Fast alle Senatoren, die sichder Volkspartei widersetzt statten, wurden ermordet, und ihr Vermögen eingezogen.Als Cinna'S Consulat zu Ende war, ernannte dieser sich und den M. eigenmächtigzu Consuln. M„ jetzt 70 I, alt, bekleidete diese Würde Zinn siebenten Male, aberer starb schon nach den ersten 17 Tagen (»n I. 86 v. Ehr.), erschöpft von denüberstandenen Beschwerden und niedergebeugt von den Sorgen, die des herbei-eilenden Svlla Drohungen in ihn, erwecken mußten.
M a r i v a u x (Pierre Carlet deChamblain de), Roman-und Theaterschrift-steller, geb. zu Paris 1688, erhielt von seinen Ältern eine sorgfältige Erstehung.Das Theater fesselte seinen Geschmack; da er aber im Fache der Char. kierstückenichts Neues liefern zu können glaubte, widmete er sich dem Intiiguenstück. Erfaßte die Naivetät unwillkürlich sich verrathender Regungen glücklich auf. Feinheitiss ihm nicht abzusprechen, doch ist sie mir einer gewissen Kleinlichkeit gepaart.Charakter weiß er eigentlich ebenso wenig zu schildern als Intriguen zu ersinnen.Jenen fehlt Leben, diesen Mannigfaltigkeit. Die Verwickelung ist gewöhnlich sodurchsichtig, daß man ihre Auflösung schon im ersten Augenblick erwartet. Dabeiist er in seinen Motiven so gesucht und geziert, daß die Franzosen eine eigne Be-nennung (ninrivmula^e.) für eine gesuchte und witzelnde Art des Ausdrucks erfun-den haben. Bei ihrer Erscheinung fanden M.'S L tücke vielen Beifall, aber nureinige haben sich auf dem Theater erhalten. Sie sind, gesammelt in 5Bdn., 12.,1758 erschienen. Die berühmtesten sind: „l.» täus>w>> onnlstlenoc,-," und ,Pojeu l>(- i'arrionr ot ein linearst". Außerdem hatM. geschrieben: 1)„l.e spectutemrliaiio.ais", welcher jedoch dem engl. „8pi-Lwtnr" weit nachstestt; 2) „Vic <Iv >l->-riain»:", einer der besten frant. Romane, voll anziehender Situationen, wahrerSchilderungen und zarter Empfindungen, aber wortreich (Friedr. Schulz hat diesenRoman u. d. T.: „Josephe", abgekürzt übersetzt); 3) „I.e p.a^sn pm-venu"(übcrs. von MyliuS), geistreich und lustig, aber ebenso wenig wie der vorgenannteRoman von ihm beendigt; 1) „l.'klomers trnvi-sii"; 5) „l.o zss>il",-mpsie insti-ztoiit"; 6) „pstarnnmnn"; sämmtlich von geringerm Werth. — Im Ganzen ge-bührt seinen Romanen der Vorzug vor seinen Theaterstücken. Sie drehen sich nicht,wie diese, in dem engen Kreise einer sich verbergenden Liebe; aber seine Gemäldevon Leidenschaften haben mehr Zartheit als Kraft, gehen oft inS Kleinliche undwerden dadurch ermüdend. Seine Schreibart in den Romanen ist ebenso tadelhastwie in den Komodie», kostbar und witzelnd. Er ward 1713 in die AcsstcmielVun-raizn aufgenommen, und starb zu Paris den 11. Febr. 1763.