Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
151
JPEG-Download
 

151

Marly

surften v. Baiern und die Franzosen (2.Iulil70t)ainSchcllenberge, beiDonau--werth. Darauf siegte er, mit dem Prinzen Eugen vereinigt, den 13. 'Aug. in derSchlacht bei Höchstädt oder Blenheim (ss d.). I»achdem hierauf M. dieFranzosen über den Rhein zurückgedr»ngt hatte, reiste er nach Berlin und legtedurch eine kurze Unterhandlung die Streitigkeiten zwischen dem Könige von Preußenund den Holländern bei. Dann ging er nach London , wo er mit Jubel empfangenund zum Herzoge v. Marlborough erhoben wurde. Im März 1105 eilte er wiedernachHolland iindfiihrtemehre wichtige Unternehmungen aus. Im Herbste machteer eine Reise an die Höfe von Wien, Berlin und Hanover. Kaiser Joseph I. be-lohnte s. Verdienste durch Errheilung des Fürstenthums Mindelheim in Schwaben .In den folg. Jahren erfocht er die wichtigen Siege 1706 bei RamillieS und 1709bei Malplaguet (s. d.). — Aber unterdessen beleidigte seine (Gemahlin Saradurch unerträglichen Stolz die Monarchin und die von derselben besonders begün-stigte Hofdame, Elisabeth Masham. Zugleich wandte sich die Neigung des Volksvon den Whigs zu den TorieS. Die Königin ernannte aus den Letzter» ein neuesMinisterium, und das Volk wählte lauter TorieS für das neue Unterhaus. Beidewollten den Frieden. Dadurch wurden die Whigs gestürzt, welche auf Fortsetzungdes Kriegs drangen, und zu welchen M. vorzüglich gehörte. Die Königin Annawilligte 1713 in den Separatfrieden zu Utrecht . M. wurde schon 1712 aller seinerStellen entsetzt, der Unterschlagung von Geldern u. a. Verbrechen beschuldigt, undwählte eine freiwillige Verbannung. Erst nach Anneiis Tode, 1711, kehrte er insein Vaterland zurück und bekam von Georg I. alle seine Ämter wieder. Er starb1722 zu Wmdsorlekge im 73. I. seines Lebens. Graf Chestersield sagt treffendvon ihm: M. glänzte nicht durch blendende» W>>; und überraschende Ideen ; aberan gesundem Urtheil und eindringendem Sebartsinn übertraf ihn Niemand. Mitder glücklichsten Gesichtsbildung vereinigte er in Allein, was er that, eine unwidcr-stehliche Anmuth. Er war ein gehorsamer Sohn, ein zärtlicher Ehegatte, ei»treuer Freund, ein nachsichtiger Herr seiner Diener. Auf seinem Gesichte lagWohlwollen. Sein ganzes Wesen war hinreisend : wahre Religiosität ei» Haupt-,zug seines Charakters. So gelang es ihm, alle Mächte in dem grossen Bundefür den Hauptzweck zu gewinnen, wie verschiede» ihre besondern Zwecke undwie misstrauisch ihre eignen Ansichten waren. Wurde ein Hos wankend odergleichgültig gegen den Bundeszweck, so wusste M. ihn sogleich durch seine Per:sönlichkeit und Überredungskraft zurückzubringen. In seiner Staatskunst leite-ten ihn ganz die Liebe zu seinem Vaterlande, der Hass gegen Ludwig XIV. , derkeine Verträge achtete und daher gänzlich geschwächt werken musste, und dereigne Ruhm. Die engl. Nation liess in dem ihm wegen seines Sieges bei Blcn-,heim geschenkten Flecken WoodOock den Palast Bleichen »--House für ihn er-bauen. Auf der Ebene daselbst steht ein Obelisk mit einer Bildsäule des Her-zogs. Das Leben und den Cbarakter dieses vom britischen Parteigeiste verfolgtenund von Swift verläumdeten Feldherrn hat William Coxe (aus Familienpapierenu. a. Quellen) treu dargestellt: „Keinein* ns 3e>l>» I)»lceos>1.nlborougl>, evitbIii<i",chnn>! oorrcsjronclencc" (Lond. 1818, 1., mit Kups. u. Charten; übeiff.Wien 1820).

M arly, ehemals mit dem Beinamen le Roi (nachher Marly la Machinegenannt), ein Flecken von 320 Feuerstellen und 1227 Einw., an der Seine, einefranz. Meile von Versailles. Das von Ludwig XIV. daselbst erbaute prächtigeLustschloß ward in der Revolution von Grund aus zerstört, auch der schöne Parkist verschwunden, und man besucht den Ort nur noch der berühmten Wasser-,Maschine wegen, welche Versailles mit Wasser versieht. Auch dieses künstliche Werkwar während der Revolution verfallen, man hat es aber in neuern Zeiten durch einwenig zusammengesetztes Getriebe wieder in brauchbaren Stand gesetzt, welches