Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
171
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Masanicllo 171

die Bewegungen der Seele erblickte. In der Kirche clel Larmine zu Florenz siehtman einige vorzügliche 2i?crke von ihm: die Apostel Petrus und Paulus , wie siezum Gefängnisse verurtbeilt werden. Andre ausgezeichnete Gemälde des M. findetman in der Kirche S.-Clemente m Rom, aber in einem Übeln Zustande. Baldi-nueci hat sei» Leben genau beschrieben und den Vasari berichtigt. Beide sehten denM. unter die ersten Künstler, durch welchedwHärte, Unvollkommenheir und Schwie-rigkeit der Kunst vermindert und Leben und Ausdruck verkörpert wurde. —

Masaniello, eigentlich Tommaso Aniello , geb. zu ?lmalst, nährtesich in Neapel als Fischer und Fisch - und Obsthändler. Obgleich sehr arm, unwis-send und beschränkten Geistes, war er doch stolz und unternehmend. Liebe zur Frei-heit und lebhafte Äußerungen über den grenzenlosen Druck, den das Königreich Nea-pel seit langer Zeit von Spanien erleide, hatten ihm einen großen Anhang unter demVolke verschafft, welches seineKühnheit bewunderte. Auchdurch seineBercdtsam-keit machte er Eindruck auf den großen Haufen, der über die neue Auflage (vom 3.Jan. 1641) von einem Carlin für jedes Pfund Früchte und Gemüse, das auf denMarkt gebracht wurde, erbittert war. Nun hatte am 1. Juli 1641 M.'S Schwagereinen Korb Früchte zur Stadt gebracht, von dem die Einnehmer die Steuer verlang-ten. Er weigerte sich, und da sie ihn bedrängten, rief er das Volk zu Hülfe gegendie Gewaltthätigkeit der Einnehmer. Sogleich trat M. an die Spitze des aufge-brachten Haufens und drang mit dem Ausruf: „Es lebe der König, aber zum Teu-fel nut der schlechten Regierung!" auf das Steueramt. Von da liefen die Aufrüh-rerzum Schlosse des Vwekönigs, Herzogs di AiccS, und verlangten von ihm, daßerM. zum Eollegen annehmen solle. Arcos flüchtete sich in das t',uc!r!l>> n»>>e».Vergebens suchte der Cardinal Fi'oniarino, Erzbischof von Neapel , die Wüthendenzu beruhigen z der Aufruhr stieg nur »och hoher und wüthete auch gegen den Adel,welcher Banditen gegen M. gedungen hakte. Dieser ward jetzt tAp>> >Wlund von Rathgebern aus der Hefe des Volks umgeben, gestattete er die Plünderungmehrer Paläste, ohne jedoch selbst sich Etwas zuzueignen. Bald aber ward ihm Allesverdächtig, und der Tod folgte seinem leisesten Argwohn auf dem Fuße. SechsTage verflossen unter diesen Schrecknissen, bis man am 13. Juli in der Kathedraleeine Capitulatwn abschloß, nach welcher die Fruchizölle abgeschafft und die altenFreiheiten wiederhergestellt werden sollten. M. legte hierauf die Waffen nieder,ohne irgend eine Belohnung zu fodcrn. Allein diese plötzliche Erhebung, seine Furchtvor den Banditen, sieben schlaflose Nächte und die heftige Anspannung, in der ersich so lange befunden, versetzten ihn >n einen fieberhaften Zustand, den er durch vie-les W> intrinkcn noch vermehrte. Auch sagte man, daß der Vicekönig, welcher ihnzu sich einlud, Gift unter den Wein gemischt habe. Dies Alles machte den armenM. rasend. Er rannte durch die Straßen, erschoß seine besten Freunde und begingdie äußersten Ausschweifungen. Seine Freunde mußten ihn binden. Am 16. Juliaber entzog er sich ihrer Aussicht und rannte in die Carmeliterkirche, wo er den Got-tesdienst störte und wie ein Wahnsinniger handelte. Doch erklärte er dem Cardinalseinen Entschluß, alle Gewalt dem Vicekönig zu übergeben. Der Cardinal ließ ihnjetzt in dasCarmeliterkloster bringen. Aber schon war dasVolk durch seineGegnerwider ihn aufgebracht. Die Verschworenen drangen in das Kloster ein mit dem Ge-schrei: „Lange lebe der König von Spanien ! Tod dem Masaniello!" — „Suchtihr mich, meineFreunde", riefM., „hier bin ich". Da streckten ihn4 Verschworene,ehemals seine Freunde, mit ihren Kugeln zu Boden (16. Juli 1641). Der Leich-nam wurde von dem Pöbel gemißhandelt; am folg. Morgen aber von M.'s An-hängern in königl. Kleidung mit Krone und Scepter in Procefsion umhergetragenund feierlich begraben. Nach 1 Tagen, als das Volk die vorige Bedrückung wieder-kehren sah, gedachte es desMartyrerS terFreiheit. M.'S Mörder wurde» ein Opferder Volkswuth. Endlich wählte es den Prinzen von Massa zu seinem Anführer