202
Maurokordatos
bis zum Jan. 1823. Das türkisch, Heer ward aufgerieben. Darauf ließ M.feinen Waffenfreunb Marko Botsarisals Stratarchen in Westhellas zurück und be-gab sich in den Peloponne«, um die durch Kolokokronis und Demetrius Ppsilantisüber ihn verbreiteten nachtheiligen Gerüchte zu widerlegen. (Dgl. Pougueville's„kli<it. sie >!> reiner«lioi, Ue iü Oreo«", IV, 308.) Ehrgeizige Entwürfe warenihm so fremd, daß er es ablehnte, als man ihn 1823 wieder zum Pro<idros des vollzie-henden Rathes wählen wollte. Er begnügte sich mit der Stelle eines Staatssecre-tairs. Weil aberKolokorronis nach der Obergewalt strebte, und der Präsident desgesetzgeb. Raths abdankte, so ward er gewählt und mußte, nach mehrmaliger Wei-gerung, diese Stelle annehmen. Er legte sie jedoch am -i Z. Juli zu Tripolizza nie-der, weil er, nach s. Erklärung (s. Pouqueville a. a. O. S. 3'3 fg.) kein National-ürgerniß — einen Bürgerkrieg —veranlassen wollte. Aber auch dieser Schritt ver-söhnte nicht die trotzige Soldakenpartei der Kolokotromsu. A. Selbst M.'s Lebenwar in Gefahr; daher zog er sich nach Hydra zurück. Hier bewog er die Navarchen,mit einer Flotte Missolunghi zu entsetzen, wohin er, mit dem Oberbefehle in West-hellas aufs Neue bekleidet, die Rettung selbst brachte. — Damals (am 5. Jan.1824) kam Lord Byron (s. d.), aufM.'s und der Sulivten Einladung, nachMiffokunghi; M. trat bald mit diesem Tyrtäu« des Hellenenkampses in nähereVerbindung, dessen Ansichten aber sich mit denen des Obersten Leicester Stan-hope (s. d.) sehr kreuzten. M. neigte sich mehr auf des einflußreichen ByronSeite, der durchgreifende, selbst illiberale Maßregeln, vielleicht aus bloßem Wider-spruchsgeiste gegen Stanhope, empfahl; dadurch kam M. mit Stanhope in unan-genehme Berührung, woraus sich vielleicht die einseitige und schiefe Schilderungerklären läßt, die Stanhope von M.'S politischem Charakter entwirft, währenderden falschen Odysseus sehr hoch stellt! „Maurokordatos", sagt Stanhope, „istein feiner, gefälliger, weltkluger Mann. Man kann ihn wol auch einen gutenMann nennen, aber deßwegen glaube man nicht, daß er ein Freund der Freiheit indem weitesten Sinne des Worts sei. Er hat »in schönes Talent, die Leute für sichzu gewinnen; er ist offen für guten Rath, aber er liebt ein temporisirendes Ver-fahren, und es ist nichts Großes und Tiefes in seinem Charakter. Er hat Ehr-geiz, aber nicht die Kühnheit oder das Selbstvertrauen, welches dazu gehört, umdie erste Rolle im Staate zu spielen u. s. w." Allerdings fehlt M. jener kräftigeUngestüm des Ehrgeizes, um sich des ersten Platzes zu bemächtigen — was Kolo-kotronis thun wollt« —; M. ist vielleicht in seinen Beschlüssen zu bedächtig; alleineben durch diese kluge Mäßigung hat er die gesetzlose Genialität einiger Parteihäup-ter gezügelt, ihren Trotz besänftigt und in Missolunghi Griechenland mehr als einMal gerettet. M. wollte keine Solbatendictatur wie Kolokotronis. Selbst Stan-hope sagt: „Maurokordatos, die Oligarchen der Inseln und einige von denen desPeloponneS , und der gesetzgebende Körper, welche die eine Partei bilden, sind fürOrdnung und Ruhe; sie wünschen eine milde monarchische Regierung". Die Zeitwird über M.'S Charakter entscheiden; jetzt halten wir un» an seine Handlungen.Lord Byron starb in Missolunghi den 19. April 1824. M. veranstaltete demhohen Freunde eine würdige Todtenfeier. In» Aug. d. I. rief ihn die RegierungnachNapoli di Romania, wo er den Posten als Minister StaatSsecretair, dessener sich beim Anfangt der bürgerlichen Unruhen begeben, wieder antreten sollte;allein er zog es vor, die Vertheidigung und Verwaltung in Westhellas fester zu be-gründen, auch konnte er von hier aus die Verbindung mit den ionischen Inselnund mit England leichter unterhalten. Durch die von ihm getroffenen Maßregelnvereitelte er 1824 die Plane des Omer Drione, der zum dritten Mal» Atollen undAkarnanien zu erobern hoffte. Dann beförderte er die neuen zum Theil von LordByron gegründeten Einrichtungen in Missolunghi und errichtete zum Schuhe Ato-llen» an der südlichen Grenze Akarnanien « ein befestigte« Lager. Zugleich unter;