210
Maximilian I. (König von Baiern )
Jngolstadt urd Neubnrg, 56,000 Tagewerke groß, urbar machen und zog neueAnsiedler dahin. Güter und Gemeindeweiden winden vertheilt, und von den baunschen Hauern das von Fremden gegebene Beispiel nachgeahmt, sotaß seil demRegieriiggsantiitte M.'S bis zum letzten Der. 1804 in dem nur 514 großenHerzoglhume 1510 neue, meistens steinerne Häuser erbaut, 23-,866 Tagewerkeurbar gemacht, 493 große Güter zertheilt und 640 Landwirkhschaften ordentlicharrondier waren. Ein Herein wurde gestiftet, dessen ausschließlicher Zweck Be-förderung der praktische» Landwirthschaft ist. Zur Erleichterung des Verkehrswurden zweckmäßige Einrichtungen getroffen, gute Landstraßen angelegt :c. 1805
schloß sich Baierns Fürst, um seinem Lande die Verheerungen des Kriegs zu erspa-ren, Frankreich an und proclamirte sich d. 1. Jan. 1806 zum Könige. Ich» griffer kräftig ein, um seinem Volke Einheit und weise Gesetze zu geben. Die Gerichts-verfassung, besonders das Criminalrecht, schon 1802 verbessert, erhielt eine nochzweckmäßigere Einrichtung. Vernichtet wurden die Verschiedenheiten der Verfas-sungen, das landschaftliche Bündniß und die Ausnahmen von allgemeinen Pflich-ten 1801, die RegierungSfreiheit und die Hausrechte 1805 und 1810 gesichertgegen Mißgriffe durch die Domanial-, Fideicommiß - und Schulden-Praainatik,der Staatsdienst durch die Dienstpragmalik. Höchst wichtig für den Geschäfts-gang waren die Organisation des geh.RaihScollegiums durch das organische Edier1808, die Einrheilung des Landes in Kreise, die Anordnung der Gencralkreis-connnissariate 1808 und 1810, und die Organisation der Sectionen in der-Mi-nisterien. Alle 3 Religionsparteien genossen'freie Übung ihres Cultus. Noch wur-den das Familienschutzgeld und da« Postwesen geordnet 1808, eine Zoll-und Mäuth-Verordnung 1801 festgesetzt und 1811 modisicirt, Finanzen und Steuern zweck-mäßigen Veränderungen unterworfen 1811, und um die in den frühern Ki legenaufgehäuften Lasten zu erleichtern, 1809 eine gleichmäßige Vertheilung derselbenangeordnet. Noch größere Verdienste hat sich M. durch Beförderung des öffentli-chen Unterrichts, der Wissenschaften und Künste erworben. Die aus den aufgeho-benen Klöstern und Stiftern gewonnenen Summen wurden zu einem Fonds fürdie Besoldung der Lehrer, und die Gebäude zum Theil zu Schulgebäutcn benutzt;die Universitäten zu Landshut, Erlangen und Würzburg zweckmäßig organisch!;Schullehrerseminarien m den alten Provinzen nach Bedürfniß vertheilt, für die Ge-biete Nürnberg und Augsburg 180? neue errichtet -c. Die Akademie der Wissensch.zu München wurde 1801 vervollkommnet, und ihr jäbrl. Etat auf 80,000 Gldn.festgesetzt; 1808 eine Akademie der bildenden Künste gestiftet und für die Leitungder öftentl. Unterrichts- und Erziehungsanstalten eine eigne Sectwn beim Mini-sterium des Innern angeordnet. Um alle diese Einrichtungen für die Folgezeit zusichern, wurden sie in die Verfassungsurkunde aufgenommen, welche er d. 21. Mai1818 seinem Lande gab. Obschon Napoleon den bairischen Sraat ganz für kick zugewinnen und dessen Regenten durch die Bande der Verwandtschaft an sich zu fesselngesucht hatte, so verkannte doch M. nicht das wahre Interesse der Deutschen , undsein Übertritt zur allgemeinen Sache (Ried den 8. Oct.1813) war von wichtigenFolgen. — Gefällige Herablassung, menschenfreundliche Milde und anspruchloseEinfachheit der Sitten zeichneten M.'s Charakter sowol im öffentlichen als im M'i-vatleben aus. Rührend war es zu sehen, wie er als Gatte, Vater und Fr.undim Kreise der Seinen lebte, wie das Volk voll patriotischer Begeisterung überall,wo er sich zeigte, froh und jubelnd sich zu ihm drängte und ihn als Vater liebte undverehrte. Er starb zu München d. 13. Oct. 1825. Die kolossale Bildsäule diesesMonarchen, von Rauch modellirt und von Distelmayr gegossen, wird in München aufgestellt. S. „Charakterzüge aus dem Leben Max. Josephs I-, Königs v. Baiern"(München 1821) und sein Leben, von Böttiger, in den „Zeitgenossen" (5. Heft,1829). (Vgl. Baiern und Montgelas .)