Band 
Siebenter Band. M bis N.
Seite
239
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Medicin, Geschichte

anatomischen Präpariren üben und sich dadurch die Anatomie vollends aneignen;überdies kann auch >1) die psrchische Heilkunde jetzt schon studirt und darüber gehörtwerden; >-) die Phvsiologie aber ist, und zwar am besten in tispurakorischer Form,zu wiederholen. Auch ein philosophisches oder historisches Kollegium zu besuchenwird noch Zeit übrig sein. Zm sunsien lind sechsten Halbst'hrc, die beide mit ein-ander in der Betrachtung verbunden werden (weil die niehrcsten jetzt zu hörendenCollegia ein ganzes stjakr hindurch dauern, und weil es von andern gleichgültig ist,ob sie im fünften, sechste» oder siebenten Halbjahre gehört werte»), und die der Be-trachtung des Lebens iin Zustande der Heilung vorzüglich gewidmet sind, machen.-,) die allgemeine lind specielle Therapie, b) die Chirurgie, c) die Lehre von derEn.tbindungskunst die Hauptwissenschasten aus. Damit ist aber auch (!) das Stu-dium der Pharmacie, <>) die Lehre vom Formulare, Receptirkunst, >) dieStaatS-arzneikunde, gerichtliche Medicin und Medicin. Polizei, p) die (beschichte und Li-teratur der Medicin zu verbinden und h) das Disputatorium, das sich jetzt auchaus pathologische Gegenstände ausdehnt, fortzusetzen; i) die Nosologie und noso-logischcn Svstenie; tz) Semiotik und !) pathologische Anatomie können wol demPrivatstudium überlassen bleiben. Das siebente, ( chte und, wenn es möglich ist,die Studienzeit so lange auszudehnen, auch das neunte und zehnte Halbjahr sindnun endlich der praktischen Übung selbst bestimmt, und es ist diese zu erhalten .->) ineinem Spitalklinikum; l>) in einem Polvklinikum (clinie. .imlmledor.); e) ineinem chirurgischen Klinikum, und <!) ini Gebärhause. Überdies wird jetzt auch nochein oder das andre Collegium, das früher nicht gehört werden konnte, nachgeholt,die Übungen im schreiben und Disputiren werden fortgesetzt und die Speciminaausgearbeitet. Wer so die Zeit des akademischen Lebens zweckmäßig eintheilt undgewissenhaft benutzt, wird aus derselbe» gehörig vorbereitet in das bürgerliche Le-ben eintreten. (Vgl. Arzt.)

Die Geschichte der Medicin ist für den Arzt selbst nicht weniger lehrreich alsfür den philosophischen Forscher der Menschengeschichte überhaupt, weil so allge-mein über den Erdkreis verbreitet zu sein und so tief in das Körperliche undGeistige des Menschen einzugreifen, sieb kein andrer Zweig menschlichen Wissensunk Könnens rühmen darf, als die Medicin. Es theilt sich die Geschichte derMedicin in die pragmatische und in die Literargeschichte derselben, worüber nochdie Geschichte der Entwickelung der Krankheiten des Menschengeschlechts einenbesondern, wenig bearbeiteten Theil ausmacht. Hier nur die allgemeinsten Zügeder pragmatischen Geschichte der Medicin. Durch die Nothwedigkeit und dennatürlichen Antrieb an mehren Orten zugleich erzeugt, kennt die Medicin kein be'stimmtes Vaterland, und wir sehen die Anfänge ihrer wissenschaftliche» Ausbildungauch vorzugsweise bei jenen Völkern , welche ani frühesten die Wissenschaften über-haupt gepflegt haben; so erscheint sie als Geheimniß der ägyptische» Priester, soin Griechenland ebenfalls geheimrußvoll in Tempeln gepflegt und als erbliches Fa-miliengeheimniß des Priestei ordens der Asklepiaden. Aus diesem Orden entstandHippokrates (s. d.) aus Kos , der, gestützt auf diese Familienüberlieserungenund auf die Annalen der priesterlichcn Heilanstalten, die Medicin in eine freie Wis-senschaft und Kunst umschuf und den Grund zu ihrer wissenschaftlichen Bearbei-tung legte. Seine Lehre verschmolz unter seinen nächsten Nachfolgern mit derPlatonischen Philosophie zur sogenannten ältern dogmatischen Schule. ZnAle.randria (seit etwa L00 v. Ehr. Sitz der Gelehrsamkeit) ward auch Medicinbearbeitet, die aber hier bald in bloße Dialektik und Büchcrgelchrsamkeit ausartete,daher sehen wir bald darauf die empirische Schule (286 v. Chr.), die methodischeScyule (100 v.Chr.), die pneumatische Schule (68 nach Chr.), und endlich dieAlles verschmelzende eklektische Schule (81 nach Chr.) entstehen. Ein schöpferischerGeist voll umfassender Gelehrsamkeit war nöthig, um diesem verwirrten Zustande