2 SO Metancholk
andern Vermögen der Seele m chren Verrichmngen gestört werden. Da- Germülh vornehmlich, als das Vermögen der Seele, ihren eignen angenehmen oder un-angenehmen Zustand zu fühlen , wird durch besondere Stärke der innem Empfin-dung in seiner Ruhe und in seinem gesetzmäßigen Verhältnisse gegen dir andernSeelcnkräftr gestört. Das bis zum Affect gesteigerte (Gefühl ist entweder ange-nehm oder unangenehm. Die traurigen Affecte bringen eine schwächende, ja gleich-sam lähmende Wirkung in der Seele hervor. Steigen sie bis tu dem Grade, daßdie Vernunft sie nicht mehr beherrschen kann, so wird dieser Zustand Trübsinn,Schwermut!). Noch besieht aber hierbei die Freiheit des Bewußtsein«; derMensch weiß es und kennt seinen Zustand. Geht aber auch die Freiheit des Be-wußtseins verloren, wird der Zustand anhaltend, so ist es Melancholie. Der Me-lancholische hat die Welt außer sich verloren, er lebt nur in steh; in dem Cirkel ei-ner firii-ten Vorstellung dreht er sich herum; wie bezaubert vermag er diesem engenKreise nicht zu entfliehen; außerhalb desselben ist für ihn Alles dunkel und öde;nur Ein sslekanke, der eines ewigen, grenzenlosen Unglücks, das ihn treffe, lebt inihm und nagt an seinem Innersten. Da die Melancholie ursprünglich voni Ge-müth ausgeht, so können die übrigen Thätigkeiten der Seele dabei von starrengehen, nur nicht mit Freiheit und Bewußtsein. In den Handlungen des Kran-ken kann Überlegung und Thatkraft sein, nur geschieht die Überlegung unter fal-schen Voraussetzungen, und die Lust ;u handeln fehlt. Man unterscheidet mehreArten der Melancholie, deren Unterschied meistens in der Entstehung derselben ge-gründet ist. Eine sehr gewöhnliche Ursache ist unglückliche Liebe. Der Liebendez.B., welcher seine Geliebte ohne Hoffnung, sie zu besitzen, liebt, ja noch lveitMehr Derjenige, dem ein Andrer sie raubte, ist in der unglücklichsten Gemüths-siimmung. Dieses Gefühl ist nicht bloß Eifersucht, sondern Vernichtung desInnersten des Menschen, Zertrümmerung seines Heiligsten, und so manche? Ge-müth mußte schon über dieser Erschütterung zu Grunde gehen! Eine andre Artder Melancholie ist die religiöse, in welcher die Kranken irrige Ideen von Religion,von Gott, von der Ewigkeit u. s. w. fixire». Manche verzweifeln an GottesGnade und ihrer Seligkeit, fürchten seine Strafe und können in dieser Verzweif-lung sogar den Selbstmord ergreifen. Man bemerkt auch eine sogenannte unsteteMelancholie, wobei die Kranken die Menschen fliehen, einsame, meist traurige-Orte besuchen, des Nachrr unter Gräbern umherschwärmen, ohne sich eines be-stimmten Zwecks bewußt zu seilt. Der Verlauf der Melancholie ist verscbieden;manchmal dauert sie eine Reihe von Jahren. Zuweilen vergeht sie von selbst oderwird durch die Kunst geheilt, öfter geht sie entweder in andre Arten von Wahnsinnoder in körperliche Krankheiten, Brustwassersucht, Lungcnsucht, Hirnwassersucht,Schlagfluß u. a. m. über. selten sollen Melancholische an der Gicht leiden odervon epidemischen Krankheiten befallen werken. Unter die erregenden Ursachen derMelancholie hat man sonst mehre körperliche Übel gezahlt, besonders auch den Über-fluß an schwarzer Galle im Magen und deren Übergang in das Blut, woher auchvon den alten Arzte» ihr der Name Schwarzgallsuchr (von schwarz, und
tie.Galle) beigelegt wurde. Es können mehre körperliche Übel durch Schwä-chung des Nervensystems, Andrang des Bluts nach dem Herzen, Überfluß an dickemBlute überhaupt, als entfernte Ursachen dazu wirken. In Hinsicht auf das recht-liche Verhältniß kann dem Melancholischen keine Folge feiner Handlungen zugerech-net, er also auch keinem Strafgesetze unterworfen werden. Zuweilen ist es außer-ordentlich schwer, den richtigen Gesichtspunkt, aus welchem seine Handlungen be-trachtet werden müssen, zu fassen,, indem ein Melancholischer oft dem Anscheinenach vernünftig spricht, selbst mit Überlegung handelt und doch in Rücksicht seinerfixen Idee die Herrschaft der Vernunft und Freiheit seines Bewußtseins verloren hat,auch die Übergänge in diesen Zustand fi> mannigfaltig sind, > ll.