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Minnesinger
Fürsten und der Frauen Wettstreite, nach dem Beispiel der proven, alischen Trou-badours, gehalten, welche aber in Deutschland öfters ziemlich ernstlich gemeintwaren (wie der bekannte Krieg auf der Wartburg 1207) und von der Eifersuchtder Dichter, die um die Gunst und die Gaben der Fürsten wetteifernd buhlten, be-feuert wurden. Denn es gab unter ihnen auch Arme, die ein Gewerbe darausmachten, an den Höfen umherzuziehen und ihre Lieder hören zu lassen. Aber dirmeisten waren reiche und kriegerische Ritter, die das Leben zwischen ritterlichen unddichterischen Beschäftigungen theilten und mit beiden abwechselnd den schönenFrauen zu gefallen suchten, wovon Ulrichs v. Lichtenstein in s. „Frauendienst" ge-schildertes Leben (herausgeg. von Tieck , Tüb. 1812) start aller Beispiele ist. Janicht wenig Könige und Fürsten und viele Grafen und Herren liebten es, dieFrauen ihrer Minne selbst zärtlich zu besingen und sich, wenn sie vorn Waffendienstefeierten, mit Dichten und Gesang zu erfreuen. Da jene Poesie, den Dichtern unddem Geiste nach, wahre Ritterpoesie war, so befremdet es nicht, in den weltlichenLiedern jener Zeit vor Allem die Minne, den zweiten Gegenstand ritterlicher Ver-ehrung, und neben und in ihr den Frühling, diese Liebe der Natur, welche liebendeHerzen so wunderbar sympathetisch anspricht, in unerschöpflichen Variationen be-sungen zu finden; wie dagegen die episch-romantischen Dichtungen jener Zeit, derNatur des Epos zufolge, das ganze Leben und Wesen der Ritterschaft, die Lebens-lust und die Andacht, die Tapferkeit und die Liebesschwärmerei, die unruhige Lei-denschaftlichkeit, den kecken Stolz und wieder die züchtige Ehrbarkeit, die liebens-würdige Bescheidenheit der Ritter, ihre Krieg«- und Liebesabenteuer, ihre Tur-niere und Wallfahrten, ihre Trauer und ihren Hubel mit den lebhaftesten Farbenuns vorführen. So eigenthümlich und so echter, inniger Begeisterung Kinderdie Werke jener Dichter sind, so haben sie doch, die Lyriker der Form, die Epikerauch dem Stoffe nach, viel von wälschen (fron;., Dichtern (Troubadouren undTrouveren) gelernt und entlehnt. Der äußere Charakter der Lieder ist eine höchstkunstreiche und dabei kindlich spielende Verschlinguug, Verschränkung, Verviel-fachung der Reimt und Assonanzen, die wie Echos aus der Tiefe der Seele durchdiese Gedichte tönen, und in denen die Gedanken sich unaufbörlich herauSfokernund antworten. Dabei sind die Lieder so mannigfaltig in Versmaß und Ein-theilung, daß wir auf große Abwechselung in ihren Melodien schließen und die Un-erschöpflichkeit jener Sänger in Erfindung neuer Weisen zum Aussprechen ihrerHerzensempfindungen gar nicht genug bewundern können. Sie waren fast alleDichter, Tvnseher und Sänger ihrer Lieder zugleich, wie denn die wahre Lyrik, derreine Natursinn, von der Trennung dieser Künste keinen Begriff hat. Daher hei-ßen sie in der Sprache jener Zeit oft auch Fiedler und Spielleure, Die bedeutend--sie Sammlung dieser kleinern Gedichte des Mittelalters, die wir besitzen, und diezwischen 14 —1500 Lieder von 140 Dichtern enthält, hat der Züricher RathsherrRüdger V. Manesse im Anfange des 14. Jahrh., also zu Ende der Blüthezeit derMinnesinger, zusammengetragen. Sie befindet sich urschriftlich zu Paris , undBodMer hat sie sehr verstümmelt (Zürich 1758, 1759, 2 Thle., 4.) in Druckgegeben. Aus dieser Manessischen Sammlung hak Tieck 220 Lieder bearbeitetund u. d. T.: „Minnelieder aus dem schwäbischen Zeitalter" (Berl. 1803) her-ausgegeben. Eine kritisch bearbeitete Ausg. liefert jetzt von der Hagen. Der ältestebekannte dieser Liederdichter, um 1180, ist Heinrich von Deldeck. Nicht mindertrefflich und beliebt als Liederdichter waren Walther von der Vogelweide (dessenGedichte K. Lachmann, Berlin 1827, herausgegeben hat), Reimar der Alte,Reimar v. Zweter , Ulrich v. Lichtenstein, Wolfram v.Eschenbach, Hartmann vonder Aue, Heinrich v. Morungen, Gottfr. v> Strasburg u. A., die alle zu Endedes 12. und zu Anfange des 13. Jahrh, lebten und sangen; zu den letzten vor-züglichen Dichter» aus dem Ende des 13. Zahrh., nach dessen Ablauf sie nach