Mirabeau
407
ken und den Hof beimpfen. Doch bald bewog ihn sein zerrütteter Vermögciis-zustand, sich dem Hofe und den Ministern wieder zu naher». Als ihm dies nichtgelang, wollte er sich beim Volke geltend und dadurch dem Hofe nothwendig ma-chen. Endlich entschloß sich der König, M. zu sehen. Ein Erzbischof führte M.in die Zimmer der Königin, wo bald darauf auch der König einirat. M. bat so-gleich den König, ihm zu sagen, ob er hoffe, seine vorige Gewali wiederherge-stellt zu sehen; in diesem Falle könne er ihm keinen Dienst erzeigen. Der Mon-arch gestand ihm, er halte dies für unmöglich. Nun schilderte ihm M. die Lageder Dinge und entwickelte die Art, wie er dem König dienen könne. Die Königinäußerte nachher, daß sie beim Eintritt M.'S einen Schauder gefühlt, daß aber seineBeredtsamkeit, sein Antheil an der Sache und sein Mitgefühl den ersten Eindruckbald vernichtet hätten. Der Hof soll damals M.'S schulden, die sich auf201,000 Livres beliefen, bezahlt und ihm eine monatliche Pension von 6000 Liv.zugesichert haben. Die Königin verließ sich so ganz auf M., daß sie sagte: „Ichbin überzeugt, daß ich nicht umkomme, so lange M. lebt". Aber schon argwohnteman seine Verbindung mit dem Hofe, als er, 42 Jahr alt, an einem EntzüntungS-sieber starb, das er wahrscheinlich durch Unmäßigkeil sich zugezogen hatte. Nach desHerzogs v. Levis Urtheil liebte M. die Monarchie und selbst den Adel, wiewol er dieNeigung für den letzter» geschickt verbarg. Seine Freiheitsliebe war mehr gegenden Mißbrauch der königl. Gewalt gerichtet als gegen diese selbst. Er warRovalist aus Grundsatz. Wenn er daher Geld vom Hofe annahm, so zeigteer zwar nicht das Ehrgefühl eines Biedermanns, handelte aber doch nicht gegenseine Überzeugung. Nur verlangte der Hof von ihm durchaus unmögliche Dinge,und zwang ihn dadurch selbst, sich von der Hofpartei zu entferne». Als Rednerwar M. groß, doch oft incorrect. Viele seiner Reden sind nicht von ihm: aberüberarbeitet hat er sie gewiß. Durch sein Genie machte er Alles zu feinem Eigen-thum. Mitten in der Parteiwnth erkannte er die Gefahren der Anarchie, undmehr als einmal sagte er: „Es ist nur ein Schritt vom Eapitol zum karpej ischenFelsen". Er war vielleicht der Einzige, der, hätte ihn Ludwig zum ersten Mini-ster gemacht, der Revolution durch eine heilsame <Mge,uevol»tion Einhalt gethanhaben würde. Übrigens ist die Abschaffung des Adels in Frankreich so wenigdurch M. bewirkt worden, daß er vielmehr das Gegentheil behauptete, und zu der-selben Zeit seinen Bedienten Livree gab und sich Herr Graf nennen ließ, als er inder Nationalversammlung nur Riguetti heißen durfte. Um Republikaner zu sein,war er nicht genug streng-sittlich. Indeß hat er, wenn er auch, selbst im reifernAlter noch von gefährlichen und erniedrigenden Leidenschaften beherrscht, die Tu-gend nicht übte, sie dennoch, wie seine Freunde glauben, geliebt. Es war ein Un-glück für Frankreich , daß der erste Held in der Rennbahn der Revolution, der be-harrlich die kühnsten Entwürfe durchsetzte, nicht mit dem reinen Muthe der Tu-gend, sondern, getrieben von Noth, Schuld und Habsucht, nur mit derKühnbeitunedler Leidenschaft zu dem Bilde der Freiheit seinen Blick erhob. M.'S Todverbreitete in ganz Paris Schrecken und Bestürzung. Als aber die Schreckens-Männer den Convent beherrschten, ward (im Sept. 1194) Marat's Leichnam insPantheon gebracht und M.'S Asche herausgenommen. 1800 befahl der ersteEonsul, seine Bildsäule unter denen der großen Männer aus allen Nationen inder Galerie der Tuilerien aufzustellen. Im Besondern zeigt M., wie die franz.Revolution überhaupt, was die vom Witze auf den höchsten Grad gespannte Lei-denschaftlichkeit zugleich Schlechtes und Gutes hervorbringen kann; darum habenwir so lange bei seiner Schilderung verweilt. Seine Reden lind gesammelt in derSchrift: „älirabeau zieini si.ir lui - inenie" (1191, 4 Bde.) und „t.nlleet. o >»>>>!.ck«5 travaux <le älirab. a l'aüüeinhlee nationale, >iar HIejean" (1191 fg>, 5 Bde.) ;„klrprit ste blirabeau" (1804); „Tettror ineckites cie älirabean, z-nbl. ziai Vi-