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Siebenter Band. M bis N.
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Mittelalter

willkürlich. (S. Länge.) Miktagslinie, die Durchschnittslinie der Mit-tagsfläche mit dem Horizonte. Sie wird zu astronomischen Beobachtungen undim bürgerlichen Leben sehr häufig gebraucht. Ohne sie kann man die Zeit nichtrichtig bestlmmen, keine «onnenuhr richtig zeichnen, die gewöhnlichen Uhren nichtstellen, die Grade auf der Erdkugel nicht genau abmessen u. s. w. Man hat zuastronomischem und geographischem Gebrauche die Mittagslinie gewisser Örterdurch ganze Länder fortgezogen. Eine solche Verlängerung der Mittagslinie derpariser Sternwarte unternahm zuerst Picard; I. D. Cassini sehte sie bis Col-lioure, und I. Cassini, Miraldi und de la Hire bis Dünkirchen fort, folglich durcheinen Bogen von 8° 3U k-d" teü Mittagskreises der Erde. Auch hat man Mit-ragslinien mit einem Gnomon, d. h. mit einer Veranstaltung versehen, durchwelche gerade zur Zeit des wahren Mittags ein Bild der Sonne auf die Mittags-linie fällt. Schon zu Augusts Zeiten wurde zu Rom ein Gnomon errichtet, spä-ter zu Florenz, Bologna, Paris . — Mittagepunkt oder Südpunkt istder Durchschnitspunkt des MüragskreiseS mit dem Horizonte nach der Mittags-gegend hin. Von ihm wird die ganze umliegende Gegend des Himmels Mittagoder Mittagsgegend genannt, und er ist einer von den 4 Cardinalpunkten. Inder Schiffersprache heißt er Südpunkt. Dgl. Mathem. Geographie undWalch'S „Einleitung in die mach. Geographie" (3. Auch, Götting. 180').

M i t t e l a l t e r. Wenn das Alterthum, die Zeit vorherrschender sinnlicherEmpfänglichkeit, mit der Kindheit des Menschen treffend verglichen, dagegen dieneuere Zeit, wegen ihrer sittlichen Richtung und überwiegenden Neigung zur Über-legung, mit Recht das Mannesalter der Menschheit genannt worden ist, so darf unsmit gleichem Grunde das Mittelalter den Iünglingsjahren des Menschen gleich gel-ten; nicht nur wegen seiner Stellung zwischen der alten und neuen Zeit (man gibtdiesen Namen den Jahrhunderten vom Untergänge des weströmischen Reichs, oderenger von Karl d. Gr. an bis zur Reformation), sondern ganz eigentlich zufolgeseines Wesen«; denn was dem Jüngling eigen ist, stolzes Gefühl der persönlichenKraft und trotziges Vertrauen darauf auf der einen, hohe Reizbarkeit des Ge-müths und leicht bis zur Begeisterung gesteigerte Empfänglichkeit für hohe Ideenauf der andern Seite, eben Das zeichnete auch ganz eigenthümlich das Mittelalteraus. Nachdem die Selbstsucht des Alterthums in der römischen Universaldespo-tie und die Sinnlichkeit desselben in der Üppigkeit der Welthauptstadt ihre äußerste,sich selbst vernichtende Höhe erreicht hatten, da schleppte das Menschengeschlechtdurch mehre Jahrhunderte hindurch ein charakterloses Halbleben, bis die Söhneder Kraft, aus Norden über das ganze Abendland sich ausbreitend, eine Epocheeröffneten, die man, doch nur einseitig, dem Heldenalter einzelner Völker des Al-terthums vergleichen könnte; denn zu dem muthigen Trotz auf eigne Kraft undder frischen Leidenschaftlichkeit, die jene allein charakterisirten, besaßen diese nochjenen Feuereifer für das Hohe und Heilige, der die Geschichte des MittelalkerS soanziehend macht. Jene beiden Hauptzüge der damaligen Menschheit geben dieErklärung der vielen hervorstechenden, so ganz ausschließend eigenthümlichen Er-scheinungen jener Zeit; sie geben diese Erklärung besser als die gewöhnlich zu hochangeschlagene Verschmelzung des barbarischen Charakters mit dem der Römer;denn die neuen Bedürfnisse, welche die Deutschen durch die Römer kennen gelernt,haben nur die Äußerungen ihres Wesens, nicht dieses selbst, bestimmt. Dies giltselbst von der einflußreichsten Gabe, welche die Nordländer von Rom empfingen,dem Christenthum. Trotz auf eigne Kraft, eifersüchtige Überschätzung persönli-cher Freiheit waren die Quellen des LehnswesenS und des Faustrechts wie desstädtischen Lebens und der Gilden und Zünfte; die Begeisterung jener Zeit, dieQuelle der lieblichen und hshen Poesie, die damals geblüht, sowie sie auf der an-kern Seite das Mönchswcsen und die Ausbildung des Priesterregiments möglich