Mittelalter
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machte. Beide Hauptmomente in ihrer innigen Vermählung erzeugten die wun-derbare Erscheinung der Ritterschaft. Wie der Deutsche von jeher als ein heili-ges Recht betrachtet, sich überall durch eigne Kraft selbst zu helfen, wie er deßwe-gen gegen richterlichen Zwang die hartnäckigste Abneigung bewahrt und darum inden Abendländern spät, in einigen nie, eine ordentliche bürgerliche Verfassung sichausbilden können; wie vielmehr im Mitkelalter jeder Gewaltige, der Obrigkeitzum Trotz, der Vortheile seiner Übermacht nach Gutdünken sich bedient, und wasseine Faust vermocht, für Recht geachtet, das haben wir in d. A. Landfriedengezeigt, in d. A. Lehnswesen aber dargestellt, wie in jenen Zeiten Jeder, derseine Sicherheit bewahren wollte, eines Schuhherrn, Zeder, der eine gewisse Machtzu behaupten dachte, einer Menge Anhänger und Helfer bedurfte, wie daher dieLehcnsverhältnisse bald über die Völker sich ausbreiteten und an die Stelle derStaatsgewalt traten, welche in jener Zeit nur dem Namen nach bestand; wieendlich während des Mittelalterü der Kampf der königl. (oberlehnüherrlichen)Macht gegen die Anmaßungen und Rechte der Vasallen nach und nach die heuti-gen Formen unserer Staaten erzeugte. Die Neigung zum freiwilligen Hingebenan eine geliebte Person oder Idee, die wir dort als dem Lehnswesen förderlich vor-stellten, steht keineswegs im Widersprüche mit der Hauptveranlassung desselben,der Sucht nach Ungebundenheit. Diese machte das Lehnswesen nothwendig, jenemöglich und wirklich. Es erfüllte die europäischen Staaten mit einer unabsehba-ren Menge reicher und durch Heere von Vasallen mächtiger, oder durch gewaltigeLehnsherren gedeckter Länderbesitzer, die, zugleich stets gerüstete Krieger, in ihremStolze kein Gesetz kannten als das selbstgeschaffene der Ehre, und alle Nichtbe-güterte, alle Nichtkrieger, als eine unedle, zum Dulden und Gehorchen geschaf-fene Menschenclasse verachteten. Sollte diese Classe unter solchen wohnen kön-nen, ohne ihnen leibeigen zu werden, so mußte Vereinigung der Kräfte das Ge-gengewicht herstellen, welches der Einzelne nicht zu halten vermochte, und unterderen Schutz Gewerbfleiß und beweglicher Reichthum dem Länderbesitze sich gegen-überstellen. Diese Nothwendigkeit brachte die Städte hervor. Kleine Anbaue,anfangs unter dem Schutz und der vogteikichen Regierung derselben Grase», Bi-schöfe und Äbte, denen sie später so furchtbar wurden, entstanden und erhoben sichbesonders im 11. Jahrh. durch Betriebsamkeit und Kunstfleiß zu einem Wohl-stände, der sie in den Stand setzte, bald die Freiheit zu erkaufen,bald zu erzwingen.Sie blieben dabei nicht stehen, sondern begannen kleine Staaten im großen Staatezu bilden; ja die meisten dursten es wagen, Niemand außer Kaiser und Reich übersich anzuerkennen. Starke hohe Mauern, der damaligen Kriegskunst undurchdring-liche Bollwerke, bewahrten, nebst der Tapferkeit der Bürger, der Süidte Freiheitund schieden sie von den Tyrannen des Landes; wohlgeordnete bürgerliche Verfas-sung sicherte Ruhe und Wohlfahrt im Innern, während Handel und Gewerbediese Anstalten durch Anhäufung gediegenen Reichthums begründeten. Selbstviele vom Adel lockte der Wohlstand der Städte und die Bequemlichkeit, die siedarboten, sich darin niederzulassen, ja sie geizten danach, in diesem Gemeinwesenobrigkeitliche Ämter zu bekleiden, und bald rissen sie, des Befehlens gewohnt, diesein vielen Städten allein an sich. So rief der Geist der Vereinzelung und des stsl-zen Selbstvertrauens seinen Gegensatz hervor, das System der Verbindungen undGemeinwesen, die monarchische Richtung der neuern Zeit veranlaßte selbst daskräftige Aufleben des alten Republikanismus, mit dem es lange gekämpst hat,ehe es ihn überwältigen konnte. Je loser in einem Lande die Staatsverbindungwar, und je unerträglicher folglich der Übermuth der Großen, zu desto größermFlor, zu desto ansehnlicherer Macht sehen wir dessen Städte emporgedeihen, wieden» in Deutschland und Italien diese Republiken selbst dem Kaiser furchtbarwurden. In Aragonien war der dritte Stand schon im 12. Jahrh, völlig ausge-