Band 
Siebenter Band. M bis N.
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426
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Mittelalter

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bildet, in England ergangen die Städte, mit den Baronen verbunden, schon1215 die Magna Ckarta, und in Frankreich hoben sie sich dadurch, daß Ludwigder Dicke und seine Nachfolger, besonder-, 200 I. nach ihm, Philipp der Schone,ihrer Politik gemäß sanden, sie gegen die Großen in Schutz zu nehmen und sichdurch sie gegen diese zu stärken. Aber nie gelangten die Städte dieser Länder zuder Macht der deutschen und italienischen. Was einzelne Städte nicht vermoch-ten, ivard durch Verbindungen inehrer bewirkt, dergleichen in Italien der lom-bardische Bund, in Deutschland der hanseatische, rheinische und schwäbische (s.Italien, Hanse und Landfrieden) als große furchtbare Mächte auftra-ten. Unter dem Schutze solcher Macht und hinter der Friedigung städtischerMauern hatten alle Künste und Gewerbe und jede Art der Bildung des Geistesein fröhliches Gedeihen, sodafi zu jedwedem Schatze der Cultur, den die neuereZeit den ihrigen nennt, das städtische Wesen den Grund gelegt hat. Die wichtig-sten Erfindungen, die wir jetzt so hoch schätzen, rühren am meisten von Bürgernjener kleinen Freistaaten her oder sind doch durch den Gewerbs - und Handelsgeistderselben veranlaßt. Mit Verfassungen, denen des Alterthums ähnlich, schienauch dessen Geist wieder aufgelebt; alle Tugenden und alle Laster Athens undSpartas und Roms findet man besonders in den Freistaaten Italiens wieder, woauch das Klima deni der anderthalbtausend Jahre früher untergegangenen gleichwar; dieselbe Vaterlandsliebe, Strenge der Sitten und Tapferkeit, die nämlichen,nur noch heftigern Parteikämpfe, Regierungsveränderunge» und ehrgeizigenRänke, eben die, nur anders gestaltete Liebe zu Künsten und Wissenschaften.Aber auch die Gemeinheiten blieben selbst im Innern von dem Einstusse des trotzi-gen Zeitgeistes, dem sie entgegenstrebren, nicht frei. Die überwiegende MachtEinzelner, alle» Freistaaten so gefährlich, wurde durch diesen Geist koppelt furcht-bar und nöthigte die schwächer» Bürger in derselben Noth, die ihrer Vaterstadtdie Entstehung gegeben, zu demselben Auskunftsmiltel: sie verbanden sich zusam-men zu Bewahrung ihrer Rechte. Dergleichen Gesellschaften, die gewöhnlichvon Leuten eines Gewerbes eingegangen wurden und neben der Sicherheit nachAußen auch Erhaltung der innern Ordnung in jener regellosen unbändigen Zeitzum zweiten Hauptzweck hatten, nannte man Gilden oder Zünfte (nrii), und siewurden durch Zunftmeister vertreten. Die strengste Verfassung schien damals zuErreichung jener Zwecke nothwendig. Nur durch Aushalten gewisser Lehrjahreund Fortrücken durch gewisse Grade konnte man Zunftglied werden; doch erkauf-ten später für Geld auch Andre die Aufnahme in eine Zunft, deren Handieruugsie weder kannten noch ausübten. Denn die Zünfte wurden im 11. Jahrh, sostark und mächtig, daß sie die Stadtregierungen, die bis dahin eingcwanderte Ade-lige fast allein in Händen gehabt, fast überall ausschließlich an sieb rissen und denAdel lehrten, wie eS ihm, der zum Flor der Städte durch Gewerbfleiß keineswegsbeitrug, auch nicht zieme, sie zu beherrschen. Der Adel, so weit er nach diesenUmwälzungen in den Städten blieb, wahrte sich ebenfalls durch Zusammentretenin nähere Verbindung (Geschlechtergesellschaften), und der Landadel bildete großeBündnisse gegen die Macht der Städte. (S. Landfrieden.) Überhaupt wurdedas Gildenwesen, das den Bessern das einzige Gegenmittel gegen die Unordnungder Zeit schien, so allgemein, daß man fast nirgends Menschen von gleicher Be-stimmung und Lebensart antraf, die nicht auch sich enger verbunden und gewisseGesetze und Ordnungen unter sich beliebt hätten. Selbst die Wissenschaften mußtenin der Universitätsverfassung, in dem Durchlaufen akademischer Grade, diesemGeiste huldigen, und selbst die freien Künste legten sich im spätern Mittelalter denZunftzwang an (s. Meistersänger), wodurch denn freilich Wissenschaften wieKünste hinter der Vollkommenheit, die das freie Leben der Städte ihnen zu verbürgenschien, weit zurückblieben; denn Nichts ist ihnen hinderlicher als jene Pedanterie,