Mittelalter
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jene Bann - und ZwangSrechte, jene abgöttische Verehrung des Herkommens, dieder Gildenzwang mit sich führe. Ebenso hatte auch die merkwürdigste Anstalt je-nes Aeiralters, die charakteristische Blüthe seines ganzen Wesens, die Ritterschaft,olle Eigenheiten zünftiger Verfassung. Der Krieg war das Gewerbe des Adels.Wer aus ihm nicht Ritter war, durfte nicht eine Lanze führen und Reiterei befeh-ligen , und nur jahrelanger Kriegsdienst als Knecht oder Knappe gab auch demHöchstgeborenen auf den Ritterschlag Anspruch. Aber Knecht, Ritter und Bann-herr waren erfüllt von demselben Geiste der Ehre, des Stolzes, der Liebe und derAndacht. Wie sehr die Ehre dem kraftstokzen Germanen das Höchste war, sowaren jene feurigen Menschen doch auch nicht weniger durchdrungen von liebevol-ler Hingebung an die Religion und von gleichsam religiöser Liebe und Ehrfurchtfür die Frauen. Jene ergreift, besonders in der Gestalt, die sie damals, dem Zeit-alter sich anschmiegend, gewann, mächtig jedes schwärmerische Gemüth, und dieFrauen hochzuachten war uralte germanische Sitte. Wie konnte also jene Krie-gerkaste der Edeln anders als Arm und Schwert Gott , der Ehre und den Frauenwidmen und in den Zeiten der Waffenruhe, neben herzlicher Frömmigkeit und krie-gerischen Übungen, jene edle Sitte üben, dieman, als von der Tapferkeit unzer-trennlich, mit gleichbedeutenden Namen Ehevalerie genannt hat? (S. Ritter-wesen.) Die Begeisterung des MittclalterS für die Religion zeigte in ihrenWirkungen Dinge, deren Möglichkeit unsere Kühle kaum begreifen kann. Hiersehen wir Hunderte von Jünglingen u. Jungfrauen in der kräftigsten Lebensblüthein finstere Mauern sich einschließen oder in wilde Einöden sich zurückziehen, umihre Lebenszeit mir Beten und Kasteiungen zuzubringen ; wir sehen jährlich Tau-sende barfuß und fastend viele hundert Meilen weit über Land und Meer pilgern,um an dem Grabe des Herrn ihm betend zu dienen; wir sehen von Mcnschcnalterzu Menschenalter Hunderttausende mit Kreuz und Schwert ebendahin wallen, ummit Todesgefahr jene heilige Stätte von den sie verunreinigenden Ungläubigen zubefreien. Ausnehmend geeignet war diese schwärmerische Hingebung der Gemü-ther , die rohe Kraft jener Zeit zu mildern; aber eigennützige Menschen wußten sieauch zu selbstsüchtigen Zwecken trefflich zu benutzen. Der Gewissenszwang und dieKetzer - und Zudenmordungen, der üppige Glanz des päpstl. Hofes und die ganzewelkumklammernde Maschine der Hierarchie wurden die traurigen Früchte diesesMißbrauches. Dem weltlichen Arm gegenüber, dem das Lehnswesen, das Heerder Vasallen, allein Festlichkeit und Beweglichkeit verlieh, bildete der Papst ausErzbischöfen, Bischöfen und Pfarrern, noch mehr aber aus Ordensgeneralen,Provinzialen, Äbten und Mönchen ein ungeheures Heer, unüberwindlich durchseine Macht über die Gewissen und durch die geistlichen Waffen, die ihm und sei-nem Haupte zu Gebote standen. Nach Aller Glauben im Besitze der Gewalt, fürdiese und jene Welt glücklich und unglücklich zumachen, aus Ewigkeit zu bindenund zu lösen, beherrschte der Papst unumschränkt die Gemüther der Christen. AlleKönige der Abendländer erkannten ihn für den lebendigen -Lkatthalter Christi;viele waren ihm lehnspflichtig, viele zinsbar, fast alle gehorsam und unterthänig,oder in kurzer Frist unglückliche Opfer des nichtigen KampfeS gegen die Überlegen-heit. In jener Zeit, wo man in den wenigsten Ländern daran dachte, die Fürstendurch Staatsgrundgesetze zu binden, wo sie, nach dem Geiste der Zeit, Alles wag-ten, was sie vermochten, war es unschätzbarer Gewinn, daß der Papst Jahrhun-derte lang allein mit den Völkern gegen ihre Anmaßungen stand; ober die Ueppig-keit, Grausamkeit, Herrschgier und DerfinsterungSsucht der Geistlichkeit, vomPapste hinab bis zum untersten Dettelmönch, blieb ein Fluch und Schandfleck dessonst an herrlichen Erscheinungen so reichen Mittelalters. Vergeblich strebtendurch Erinnerung an die Einfachheit und Reinigkeit der alten Kirche Begeisterte,wie Arnold von Brescia und die Waldenscr, Wüleff und Huß und seine Anhän-