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Mittelalter
ger, dir Hierarchie zu stürzen; sie fanden bei Zeitgenossen, der Übermacht derKirche zu gewohnt und zur Geistesfreiheit noch nicht reif, wenig Gehör und großnnrheils in ihrem edeln Streben schmählichen Untergang. Neuen Feinden wußtedie Hierarchie neue Kollwerke entgegenzusetzen; Bettelorden und Inquisitionmußten das aufdämmernde Licht deü 18. Jahrh, verhindern, in ihr Reich der Fin-sterniß zu dringen; Bannstrahlcn und Jnterdicte erhielten die Christenheit inFurcht und Zittern; bis endlich, als die Zeichen der Zeit allgemeine VerbreitungfreienNachdenkens in den Wissenschaften, eine verständigere Ordnung in den Mon-archien und Abkühlung der religiösen Schwärmerei schon verkündeten, daß dasMittelalter zum Ende sich neige, Luther die Mundigsprechung Europas feierlichvollzog. — Jene Zeit voll Kämpfe und Thaten, Stolz und Freiheit, Hingebungund Liebe, Begeisterung und Andacht mußte eine poetische Zeit sein; jene Men-schen, die Alles, was sie begannen, mit so ganzer Kraft, mit so kindlicher Unbefan-genheit trieben, mußten der Dichtkunst fähiger sein als irgend welche vor odernach ihnen. Namentlich wurden die Ritter durch ihr zwischen Krieg und Liebe,festlicher Pracht und religiösen Übungen getheiltes Leben auf poetische Lebensansich-ren geleitet. Daher sehen wir vom 12. Jahrh, an zuerst unter den RitternDichter auftreten. Im südlichen Frankreich , wo das Ritterwesen sich zuerst aus-bildete, zeigten sich die ersten Funken der neuern Poesie; die provenralischen Trou-badours, die meist an dem Hofe der Berengare zu Toulouse sangen, sind ihre Vä-ter. Bald sangen ihnen die franz. TrouvöreS (mcnclrirrH und die deutschenMinnesinger (s. d.) in ihren Muttersprachen nach, die Italiener anfangs, ausMißtrauen gegen ihre linzpia roi^aie, in der provem-alischen, und die Engländer,aus gleichem Grunde, in der franz. Sprache. Aber bald bildeten auch bei diesendie Minstrels eine Nationalpoesie, und die Italiener gewannen etwas später, seitder große Dante die koreanische Mundart zu Ehren gebracht, durch weitere Aus-bildung derselben einen hohen poetischen Ruhm. In Spanien war die catalonischePoesie Eins mit der provencalischen, die castilische aber und die portugiesische mehrvon den Arabern entlehnt. 'Neben der lyrischen Poesie bildete sich auch die epischeschön und groß in Kraft und Umfang aus. Das Ahnungsvolle, das Geheimniß'volle, wovon sie durchdrungen ist, berechtigt uns, diese Epik unter dem Namen derRomantik (s. Romantisch ) von der alten zu unterscheiden. Die episch ro-mantischen Dichtungen des Mittelalters bewegen sich hauptsächlich in 3 Fabel-kreisen. Nur Italien blieb ihnen fremd; denn diesem galt für Alles sein großerDante, der hoch über und weit außer allem Diesen steht, so sehr auch seine Rich-tung auf Liebe und Andacht dem Charakter jener Zeit entspricht. Der erste undecht deutsche unter jenen Fabelkreisen ist der der Nibelungen , und was von Sieg-fried, Etzel, Dietrich von Bern , Otnit, Hug- und Wolfdietrich und andern Hel-den aus den Zeiten der Völkerwanderung dazu gehört. ^ Diesem zunächst stehendie gleich alten Fabeln von» britischen König Artus , seiner Tafelrunde und dem hei-ligen Graal, die nach alten britischen oder kymrischen Sagen in Frankreich besun-gen und von deutschen Dichtern nachgesungen wurden, und wohin Tikurcl, Par-zival, Tristan, Jwain, Lohengrin, Gawain , Daniel von Dlumenthal, der Zau-berer Merlin u. A. gehören. Zu diesen beiden kam noch der dritte, ursprünglichfranz. Fabelkreis von Karl d. Gr. und seinen Pairs, von Roland, dem ZaubererMalcgvs, den 4 Haymonskindern. Den Spaniern eigenthümlich und zu kei-nem dieser 3 Kreise gehörig ist der Roman von Amadis von Gallien. (Dgl.Ritterwesen.) Außer diesen Stoffen verarbeitete die poetische Lust des Mit-telalters auch historische Begebenheiten der ältern und neuern Zeit, besondersAlexanders d. Gr. Thaten und die Kreuzzüge, auch biblische Geschichten und so-gar die Sroffe der ältern Epopöen Homers und Dirgil's zu neuen Dichterwerkenvon freilich nicht gleichem Werth. Aber, mochte es an politischen Ursachen, oder,