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Siebenter Band. M bis N.
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Mittelalter

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wie wie glauben, an dem Verfall der Ritterschaft, der Pflegerin dieser Poesie,und überhaupt an dem zunehmenden Schwinden der Kindkeit vor dem heranna-henden Mannesalter liegen, die letzten Jahrhunderte des Miktelalters waren derPoesie ini höchsten Grade ungünstig. Die Gesänge verstummten in Deutschland ,Frankreich und Spanien schon vom 14.Jahrh. an fast ganz; nur Italien hatte nunerst seinen Petrarca und Boccaccio , England seinen Chaucer. Wenn in jenen3 unendlich reichhaltigen Kreisen keine Fabel gewesen war, die im 13. Iakrh.nicht von Mehren um die Wette bearbeitet worden wäre; wenn die Manesse'sclwSammlung allein von 13k Dichtern dieses Jahrh, über 1400 Minnelieder ent-hält, so stand dagegen seit dem 14. unter den Rittern fast gar kein einziger Dich-ter mehr auf; die epischen Dichtungen der Alten wurden über prosaische Romane,in denen man ihre Fabeln verwässert hatte, vergessen, und die Lyrik fiel in Frank-reich und Deutschland in die plumpen Hände der Meistersängen s. d.), diedurch Regclzwang und zünftige Strenge ein Scheinleben derselben zu erhalten sichbemühten. So blieb es auch im 15. Jahrh., das, gleichsam nur den großen Welt-begebenheiten, die sich vorbereiteten, aufhorchend und den Kämpfen, die ihnenvorhergingen, sowie der kalten Überlegung, die sie erzeugte, hingegeben, fern warvon der fröhlich unbefangenen Selbstbekrachtung und Umschauung poetischer Zei-ten. Erst am Ende desMittclalterS, als der frühere Dichtergeist nur noch in derErinnerung lebte, rief Ariosto die Fabeln von den Pairs des großen Karl aus derSphäre der Kindermärchen wieder in die Dichtkunst, und Spanien und Englanderhielten jetzt erst in Cervantes und Shakspeare neue Nationalpoesie. WelcherUnterschied aber zwischen diesen schöpferische», ihre Stoffe beherrschenden Geistern,welche die ganze Seele in ihre Dichtungen ausströmten, sodaß man nicht weiß,ob man mehr das Gemüth, in dem sie gefühlt, die Phantasie, in der sie gebildet,oder den Verstand, in dem sie geordnet sind, bewundern soll, und deren bumo-ristische, oft ironische Nebentenden; die Söhne der neuern Zeit sogleich verkündet,und zwischen jenen kindlichen Sängern des Mittelaltcrs, welche die Welt nahmenwie sie war, und, mehr Organe der Volkspoesie als selbständige Dichter, treu-herzig aus voller Brust ertönen ließen, was der Verstand dem Gemüthe unwill-kürlich folgsam nachsprach! Unter den bildenden Künsten des Mittelalters zeichnetsich besonders die Baukunst aus durch völlige Eigenthümlichkeit. Wenn in denherrlichsten Bauwerke» des Alterthums die Form des ersten rohen Wohnhausesund somit die Entstehung aus dem Bedürfniß unverkennbar ist, wenn sie nur alseine Befriedigung des letztem unter schöner gefälliger Form erscheinen und Nichtssein wollen als eben schöne Gebäude: so liegt dagegen das Wesen der gothischenoder mittelalterlichen Baukunst (s. Baukunst) in einer tiefen großen Idee, diesie wahrhaft darstellt und symbolisirt. Die tiefere Idee, die in der architektoni-schen Vereinigung der Erhabenheit großer Massen und der sorgsamsten Zierlichkeitim Einzelnen sich deutlich ausspricht, war die Darstellung des Weltalls selbst.Die andern Künste, die erst im 14. und 15. Jahrh, aus Griechenland ins Abend-land kamen, sah das Mittelalier in ihrem schönen Aufblühen am Niederrhein undin Italien. (S. Deutsche Malerei und Italienische Kunst.) Dieschwächste Seite des Mittelalters ist die wissenschaftliche. So wollte es aber derjugendliche Geist jener Zeit; denn jene einzig auf Thaten gerichtete Menschentaugten schlecht zum sitzenden Leben, zum anhaltenden Studium. Die Bemühun-gen, die Karl d. Gr. der Beförderung wissenschaftlichen StrebenS und der Volks-bildung widmete, wirkten kaum seine Lebenszeit hindurch; denn sie waren nicht ander Zeit. Mehre Jahrhunderte lang nach ihm fiel es dem germanischen Mannenicht ein, daß über die Kunde, feine Lanze zu führen und sein Roß zu leiten, irgendeine Kenntniß ihm noch frommen könne. Diese Barbarei ging so weit, daß diemeisten Laien, die Vornehmsten nicht ausgenommen, kaum lesen oder schreiben