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Siebenter Band. M bis N.
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Mittclalter

konnten. Wer dieses gelernt, galt für einen bedeutenden Gelehrten, und wer, zuseltener Ausnahme, mehre Kenntnisse, besonders etwa in der Mathematik und Na-turkunde, sich erworben, der lies Gefahr, als Zauberer oder Hexenmeister verbranntzu werden. Die Mönche allein wurden durch Einsamkeit und Langweile, sowiedurch das Bedürfniß einiger Kunde der lat. Sprache, welches der römische Ritusmir sich brachte, zu einer Art von wissenschaftlicher Beschäftigung getrieben, zu dersie in Dom - und Klosterschulen angelettet'wurden. Aber ihre literarischen Arbeitenbeschränkten sich auf das Abschreiben alter Schriftsteller, doch mehr noch der Kir-cheiwäter, und ihre Hervorbringungen auf meist magere gedankenlose Chroniken da-maliger Ereignisse. Gleichwol sind wir ihnen Dank schuldig. Durch ihren Fleißsind die kostbaren Überreste des Alterthums, Materialien und Anregungen zu neuerBildung, wenigstens größtentheils uns erhalten worden, und aus ihren Jahrbü-chern schöpfen wir die einzige Kunde von den Begebenheiten und Sitten damaligerZeit. Übrigens brachte die allen Völkern des Abendlandes gemeinsame lateinischeLiteratur nicht bloß in der Kirche, sondern auch in der Gelehrsamkeit, im wissen-schaftlichen Unterrichte und in den Staatsgeschäften «ine gewisse Übereinstimmungdes öffentlichen Lebens hervor, welche auf Verkehr und Bildung vielfach einwirkte.Das Morgenland hat in dem Sinne wie Europa kein Mittelalter; doch machtedaselbst der Islam und die arabische Literatur (s.d.) Epoche. Ebenso kenntdas griech. Kaisenhum, die schwache langweilige Fortsetzung des römischen, keinMiitelalter; denn matte Greise können sich nicht verjüngern. Daher ist die todteWissenschaft der dortigen Gelehrten der gegenwärtigen Betrachtung so lange fremd,bis sie, auf den edeln Stamm des Abendlandes gepfropft, neue terrliche Früchteträgt. Wie aber der Gang des Weltgeistes keine entschiedene Einseitigkeit lange er-trägt, so ward im 11. Jahrh, auch in Europa das Bedürfniß zu denken wiedergefühlt, der Geschmack an den Wissenschaften hier und da, zum Theil von denKlöstern aus, meist aber später durch den Gewerbfleiß des Bürgerstande« wiedererweckt, und die Studien erhielten in der Folge durch Heinrich II. von England,die Hohenstaufen, Ludwig den Heiligen, die Alfonsos und andre geistreich« Für-sten Aufmunterung. Don dieser Zeit, von Lanfrank, Abälard , Johann von Sa-lisbury u. A. m„ fehlte es das ganze Mittclalter hindurch nicht an einzelnen aus-gezeichneten Männern, in denen die Kälte ihrer Zeitgenossen gegen die Wissen-schaften den Feuereifer für dieselben nur verstärkte. Indeß fühlte man das Be-dürfniß, die Glaubens - und Kirchenlehre gegen Ungläubige und Ketzer zu verthei-digen und zu beweisen. Dies fübrte auf die Schürfung des Geistes durch Dia-lektik; hierdurch bildete sich kirchliche Dogmatik oder Theologie, aus welcher sichnachher die Philosopbie entwickelte. Wie in der scholastischen Theologie die Kir-chenlehre als Autoritär fruherhin angesehen wurde, so gewann das römische Gesetz-buch im Gebiete des Rechts bald eine ähnliche Autorität, sodaß die RechtSgelehrtendamaliger Zeit nickt müde wurden, es zu siudiren, auswendig zu lernen und eSmit Glossen und Erläuterungen zu versehen. Ebenso machten es die Philosophenmit dem scharfsinnigen Aristoteles, für den das Miitelalter, obgleich e« ihn nuraus arabischen Übertragungen oder vielmehr Umschmelzungen kannte, eine unbe-grenzte Verehrung hatte. Daseigentliche HindernißweitererFortschritte aber war,daß man über jene Commentare, Glossen und Compcndien die Quellen selbst ver-nachlässigte. Als aus den Vereinigungen der Gelehrten an einem Orte sich die Uni-versitäten bildeten, trugen sie, wie in der erwähnte», dem Flor der Wissenschaften sohinderlichen, zünftigen Form, auch in dieser ausschließend dialektischen Richtungganz das Gepräge ihrer Zeit. Nur Jurisprudenz, Theologie und was man Phi-losophie nannte, oder besser, die Kunst, über alles Dieses spitzfindig zu disputiren,wurde gelehrt, und besonders seit der Mitte des 12. Jahrh, verhallten diese, imvorigen durch ernstliches Quellenstudium aus bessere Wege gebrachten Wissen-