Band 
Siebenter Band. M bis N.
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435
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Mnemosyne Mnioch 435

haben alle Diejenigen, welche sich durch ein außerordentliches Gedächtniß ausge-zeichnet haben, dieses bloß der Natur und Übung, nicht einer künstlichen Methodezu verdanken gehabt. Die wahre Methode ist individuell; ein Zeder entwirft sichdieselbe nach seinem Bedürfniß, und sie ist natürlich, insofern sie aus einer richti-gen Ansicht von der Bestimmung und den Gesetzen derGedächtnißthätiokeit beruht.Die Alten kannten die Mnemonik; sie soll, wie Einige behaupten, aus dem Orientzu den Griechen gekommen sein; Andre geben den griech. Dichter SimonideS (s. d.) als ihren Erfinder an. Zu den Zeiten des Cicero war sie unter den Rö-mern bekannt (vergl. §ic. „Ue »Ii>l.", II, 86 fg.; „luct.acl Herein,.", III, 16fg.;O.uintil. X, 1, 11 fg.); nach O,uinkilian's Zeiten kam sie wieder in Verfall. Anihrer Statt kam unter den Scholastikern die tabellarische Methode auf. KonradCelteS im 15. und Schenkel im 16. Jahrh, stellten die Mnemonik wieder her undbildeten sie aus. Zn den neuesten Zeiten haben sich verschiedene Gelehrte mit der-selben beschäftigt. Die vorzüglichsten Werke darüber sind: „Mnemonik, oder dieGedächtnißkunst der Alten", von Kastrier (Lpz. 1865); „Systematische Anleitungzur Theorie und Praxis der Mnemonik", vom Frcih. v. Areiin (Sulzbach 1810);„Mnemonik, oderprakt. Gedachnißkunstw. nach Feinaigle" (Franks, a. M. 1811).

Mnemosyne, Tochter des Uranus und der Erde, eine Tiianide. Sieist, wie die Mythe erzählt, die Bildnerin des menschlichen Verstandes und beson-ders des Gedächtnisses (daher ihr Name), welche Geisteskraft vor Verbreitung derSchreibekunst vorzüglich wichtig war. Sie zeugte mit dem Jupiter in Picrien die9 Musen (s. d.), indem sie 9 Nächte in seinen Armen ruhte.

Mnioch (Johann Jakob), geb. zu Elbing in Preußen 1765, starb alserster Directionsralh bei der k. preuß. Lotkeriedircction zu Warschau den 22. Febr.1804. Seine Originalität im Denken, Dichten und Handeln verdiente von einemseiner Jugendfreunde geschildert zu werden. Als Knabe hatte er den treuherzigenEinfall, da er s. Vater gedrückt und zurückgesetzt sah, ohne olle Kenntniß des Ce-remoniels, sich an den König Friedrich mit der Anrede in Du zu wenden. DerKönig nahm die Bittschrift gnädig aus und gewährte Hülfe. Als Student in Jena ließ er s. Hymne auf Friedrich drucken und schickte sie dem König, frankirte aberdas Paguet nicht. Friedrich dankte ihm schriftlich, setzte aber hinzu: „Wenn Zhrwieder an mich schreibt, so frankirt Eure Briefe". M. fragte auf der Post, wasdas Paguet gekostet habe, nahm dann ein Achtgroschenstück und schickte es demKönig mit den Worten: „Sire, hier ist das Porto". M.'s frühere Gedichte tra-gen fast alle das Gepräge der Originalität. Wieland und Herder unterstützten ihn.Schlichtegroll, Faber u. A. waren seine Freunde. In Halle, wo er die Stelle einesHofmeisters bei dem General v. Hagen und v. Thadtcn annahm, lebte er mitFischer, Fülleborn, Gräter und Lafontaine. Da ward manch hochherziges Liedvon ihm gesungen. Die glückliche Idee, mitten in dein Liede der Freute, durcheinen heiligen Sprecher, wie vom Altare, auch ein Wort des Ernstes an das mensch-liche Herz reden zu lassen, ist wahrscheinlich von ihm. Sein Lied vom Grabe(„Wir werden Alle Platz und Raum :c."), auf solche Art mit großsinnigen Sprü-chen unterbrochen, ist in ganz Deutschland bekannt; ebenso vielleicht sein Maurer-lied am Zohannisfeste 1798. Als Teclamaror gelangen ihm am besten Bürge,'S„Lcnore" und Schiller's „Schlacht". 1790 wurde er Rector zu Ncufahrwasserbei Danzig , allein nach einigen Zähren fand er sich genöthigt, sich wegen einer ge-nialen Pasquinade zu entfernen, und erhielt 1796 die Anstellung in Warschau .— Das vorherrschende und am meisten entwickelte Element s. Ziidlvidualikät wardas Gefühl. Zn s. moralischen Charakter war Excenlricirät mit Schwäche ver-einigt. Sein persönlicher Umgang war, wie Herder, Fichte u. A. bekannt haben,in hohem Grate anziehend. Diele Gewandtheit im Ausdruck und die große Reg-samkeit seines Geistes und Gefühls machten ihn zu einen, trefflichen Improvisator.

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